Kurze Antworten – Nur eine lokale Flut?

Noch zu Beginn der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts war es in unserer westlichen Kultur für die Mehrheit klar, dass es einen Gott gibt. Uneinigkeit herrschte in der Regel nur darüber, ob jemand diesem Gott gehorchen sollte und ob seine Existenz eine Bedeutung und Auswirkung auf das persönliche Ergehen hat. Dies hat sich geändert. Ein immer größer werdender Teil der westlichen Gesellschaft, darunter auch Jugendliche mit einem christlichen Hintergrund, zieht die Existenz eines Gottes in Zweifel und wenden sich vom christlichen Glauben ab[i]. Haben nicht die Ergebnisse der Wissenschaft gezeigt, dass für die Entstehung unseres Universums kein Gott notwendig ist? In dieser Serie finden wir Antworten auf diese, und ähnliche, Fragen.

„Aber die Flut zur Zeit Noahs könnte doch nur den Lebensraum von Noah und seiner Familie bedeckt und zerstört haben!“ – diesen Vorschlag kann man auch in Bibel- oder Gebetskreisen und sogar in Predigten hören. Dieser Vorschlag kommt jedoch nicht ohne die folgerichtige Schlussfolgerung aus, dass dann die Erde Millionen Jahre älter ist, als dies in der Bibel berichtet wird. Dies liegt daran, dass eine Millionen Jahre alte Erde auf die naturalistische Annahme baut, dass die Gesteinsschichten über sehr lange Zeiträume sehr langsam abgelagert wurden[ii].

Dies wiederum hätte zur Folge, dass die Flut zur Zeit Noahs keine weltweite Flut war, da eine Überschwemmungskatastrophe solchen Ausmaßes alle Gesteinsschichten abgetragen hätte und ihre eigenen Sedimentschichten abgelegt hätte – die naturalistische Erklärung, die von manchen Christen akzeptiert wird, aber genau das Gegenteil erfordert. Die Erklärung, dass die Flut von Noah nur das mesopotamische Tiefland (ungefähr das Gebiet des heutigen Iraks) überschwemmt hätte wird von vielen Christen akzeptiert. Dabei gibt es mit dieser Annahme viele Probleme, von denen hier nur ein paar aufgelistet werden sollen:

Die Aussage des biblischen Textes (1 Mose) lässt keine Millionen von Jahre zu[iii]. Der geologische Befund der Sedimentschichten lässt sich sehr gut mit einer weltweiten Flut erklären.

Dazu ergeben sich weitere Fragen, wenn die Katastrophe nur eine regional begrenzte Flut gewesen wäre.

  1. Warum hätte Noah dann eine Arche bauen müssen? Es hätte gereicht, dass Gott ihm befahl, die Gegend (mit den Tieren im Schlepptau) zu verlassen.
  2. Warum wären die Tiere zu Noah gekommen, besonders auch die Vögel? Sie hätten einer lokal begrenzten Flut ganz einfach davonlaufen, bzw. davonfliegen können. Selbst wenn die Tiere das nicht getan hätten, gab es in anderen Gegenden der Erde genügend Tiere um die Erde weiter zu bevölkern.
  3. Warum hätte Noah eine riesige Arche (über 9300 m2)[iv] bauen sollen für nur wenige regionale Tierarten?
  4. Warum sind die betroffenen Menschen in der betroffenen Gegend nicht einfach der Katastrophe entflohen? Die meisten, vielleicht sogar alle, hätten sicher überlebt und wären Gottes Gericht entkommen. Und was ist mit den Menschen außerhalb des Gebiets – die hätten dann das Gericht Gottes sowieso überlebt.

Doch noch viel wichtiger ist es, was uns Gott in 1 Mose 6:13 und 17 sagt: „Da sprach Gott zu Noah: Das Ende allen Fleisches ist bei mir beschlossen, denn die Erde ist voller Frevel von ihnen; und siehe, ich will sie verderben mit der Erde. […] Denn siehe, ich will eine Sintflut kommen lassen auf Erden, zu verderben alles Fleisch, darin Odem des Lebens ist, unter dem Himmel. Alles, was auf Erden ist, soll untergehen.“ Das dies so genauso eintraf, können wir dann in 1 Mose 7:21-23 nachlesen[v].

Es wird auch berichtet (1 Mose 7:19-20)[vi], dass die höchsten Berge der Erde[vii] ungefähr mit sechs Meter Wasser bedeckt waren – dies ist unmöglich, wenn die Flut nur eine lokale Überschwemmung war.

Ein gewichtiges Argument für eine weltweite Flut ist die Aussage von Jesus, der über die Flut als ein weltumspannendes Ereignis sprach[viii].

Auch dass der Regenbogen[ix] ein Zeichen für Gottes Versprechen ist, dass er die Welt nie wieder durch eine Flut zerstören wird[x], ist ein Argument für eine weltweite Flut. Wäre es eine lokale Flut gewesen, hätte Gott sein Versprechen schon mehrfach gebrochen. Doch Gott hält seine Versprechen, wie es im Propheten Jesaja (19:15+16) festgehalten ist: „15 Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen. 16 Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet; […].“


[i] Ham, K.&Beemer, B. „Already Gone – why your kids will quit church and what you can do to stop it”, Masterbooks, Green Forest, 2009

[ii] Zur Entstehung der Gesteinsschichten empfiehlt es sich den Artikel „Sind Gesteinsschichten in kurzer Zeit entstanden?“ zu lesen.

[iii] „Eine Welt in sechs Tagen?“ – /yom/ im Zusammenhang mit einer Ordinalzahl und/ oder dem Zusatz „Abend und Morgen“ steht im AT immer für einen 24-Stunden Tag.

[iv] Das sind noch etwa 2000m2 mehr als bei einem regulären Fußballfeld.

[v] 1 Mose 7:21-23: „23 Da ging alles Fleisch unter, das sich auf Erden regte, an Vögeln, an Vieh, an wildem Getier und an allem, was da wimmelte auf Erden, und alle Menschen. 22 Alles, was Odem des Lebens hatte auf dem Trockenen, das starb. 23 So vertilgte er alles, was auf dem Erdboden war, vom Menschen an bis hin zum Vieh und zum Gewürm und zu den Vögeln unter dem Himmel. Sie wurden von der Erde vertilgt. Allein Noah blieb übrig und was mit ihm in der Arche war.

[vi] 1 Mose 7:19-20 „19 Und die Wasser nahmen überhand und wuchsen so sehr auf Erden, dass alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt wurden. 20 Fünfzehn Ellen hoch gingen die Wasser über die Berge, sodass sie ganz bedeckt wurden.

[vii] Die Erde vor der Sintflut sah ganz anders aus als unsere heutige Erde. Die Alpen, der Himalaya, die Anden und Rocky Mountains und ähnliche Gebirgszüge sind Faltengebirge, die aufgrund von Plattentektonik nach der Flut entstanden sind. Dazu folgt in dieser Reihe ein Artikel.

[viii] Jesus in: Matthäus 24:37-39  und Petrus schließt sich Jesus an in: 2 Petrus 3:3-7

[ix] „Der Regenbogen in der Bibel?“

[x] 1 Mose 9:8-17 „11 Und ich richte meinen Bund so mit euch auf, dass hinfort nicht mehr alles Fleisch ausgerottet werden soll durch die Wasser der Sintflut und hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe.“