Als Christ im 21. Jahrhundert zu sagen, dass die Welt vor etwas über 6000 Jahren geschaffen wurde, ist nicht einfach. Bestenfalls wird man als Naivling hingestellt, der entgegen besseren Wissens noch immer daran festhält, dass man Gottes Wort so verstehen muss, wie man es beim ersten Lesen versteht – wenn der Gegenüber (vor allem in Europa) überhaupt einmal von diesem Alter der Erde gehört hat. Auch in den meisten Gemeinden in Europa, unabhängig von der Denomination, wird dem Alter der Erde keine Bedeutung (mehr) zugemessen und die Gläubigen gehen davon aus, dass das meistpublizierte Standardmodell zur Entstehung der Erde das richtige ist. In diesem Artikel soll der Frage nachgegangen werden, was Gottes Wort zum Alter der Erde sagt.
Der, auch in Israel offizielle, jüdische Kalender datiert den ersten Tag des Universums auf den 06. Oktober 3761 v. Chr[i]. Der irische Erzbischof James Ussher (1581-1656) hingegen datierte den ersten Schöpfungstag in seinem Werk „Annals of the World“ (1650)[ii] auf den 23. Oktober 4004 v. Chr.
Auf den ersten Blick erscheint es extrem, den ersten Tag des Universums so genau zu bestimmen. Doch schaut man sich an, wie jüdische Gelehrte oder Bischof Ussher zu diesem Datum kommen, zeigt sich, wie viel Wissen und Intelligenz in diese Datierung einflossen. Hier soll der Datierungsmethode von Bischof Ussher nachgegangen werden, da sein Werk jahrhundertelang für Christen in Europa und Nordamerika die Grundlage für die Antwort auf die Frage war, wie alt die Erde ist.
Kurze Antworten – Wie alt ist die Erde?
Noch zu Beginn der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts war es in unserer westlichen Kultur für die Mehrheit klar, dass es einen Gott gibt. Uneinigkeit herrschte in der Regel nur darüber, ob jemand diesem Gott gehorchen sollte und ob seine Existenz eine Bedeutung und Auswirkung auf das persönliche Ergehen hat. Dies hat sich geändert. Ein…
WeiterlesenGottes Wort – die Grundlage für Bischof Usshers Werk
Mit seinen „Annalen der Welt“ veröffentlichte Bischof Ussher eine komplette Geschichte der Welt vom ersten Schöpfungstag bis ins Jahr 70 n.Chr., dem Jahr, in dem die Römer Jerusalem eroberten und den Tempel zerstörten.
Bischof Ussher ging als erstes davon aus, dass die Bibel, Gottes Wort, die einzige verlässliche Quelle ist, wenn man die Ereignisse der Weltgeschichte chronologisch einordnen will. Für Historiker ist es eine Tatsache, dass es nur sehr wenige eindeutige Quellen aus der Zeit vor etwa 600 v. Chr. gibt. Erst danach können Spekulationen und Mythen zuverlässiger ausgeschlossen werden[iii].
Bischof Ussher verließ sich daher alleine auf die Angaben in Gottes Wort, wenn er Ereignisse vor dieser Zeit datierte. Den Tod von König Nebukadnezar war sein Anker, an den er alle früheren biblischen Datierungen kettete. Von diesem Ankerpunkt aus arbeitete er sich akribisch Schritt für Schritt in der Geschichte zurück, bis er zu dem Schöpfungsdatum 23. Oktober 4004 v.Chr. kam.
Wie Ussher auf dieses Datum kam
Die Stammbäume (|תּוֹלְדֹת|- Toledot) in 1. Mose 5 und 11 waren eine erste Datierungshilfe für Bischof Ussher. In diesen Stammbäumen erfahren wir, in welchem Alter ein Vater einen Sohn zeugte, mit dem dann der Stammbaum weitergeführt wird:
3 Und ADAM war 130 Jahre alt und zeugte einen Sohn, ihm gleich und nach seinem Bilde, und nannte ihn SET; 4 und lebte danach 800 Jahre und zeugte Söhne und Töchter, 5 dass sein ganzes Alter ward 930 Jahre, und starb. 6 SET war 105 Jahre alt und zeugte Enosch 7 und lebte danach 807 Jahre und zeugte Söhne und Töchter, 8 dass sein ganzes Alter ward 912 Jahre, und starb.
1 Mose 5: 4-8 (Hervorhebungen vom Autor)
Geht man so vor, kann man eine ungefähre Angabe machen, wie lange es dauerte, bis Noah geboren wurde, die Sintflut begann, der Turm in Babel gebaut wurde und wann Abraham geboren wurde. Allerdings bleiben Lücken, da es keine Angaben darüber gibt, in welchem Monat der genannte Sohn geboren wurde. In einem weiteren Schritt verband Bischof Ussher seine Chronologie mit dem bekannten Datum der Deportation von Judah im Jahr 584 v. Chr. Seine exakten Berechnungen nehmen etwa 100 Seiten in seinen „Annalen der Welt“ ein.

Der Tag der Schöpfung
Nirgends in Gottes Wort finden wir eine Angabe über das exakte Datum des ersten Schöpfungstages, als dem 23. Oktober. Schon alleine deshalb, weil der Name „Oktober“ kein jüdischer Monatsname ist. Bischof Ussher stellte fest, dass viele Völker Mesopotamiens und die Israeliten ihr Jahr im Herbst begannen. Er schlussfolgerte, dass der Grund dafür sei, dass Gott, der Schöpfer, die Erde um die Tag- und Nachtgleiche im Herbst geschaffen habe. Aus diesem Grund wählte er den ersten Sonntag an, bzw. um die herbstliche Tag- und Nachtgleiche als den ersten Tag des Jahres 4004 v. Chr.
Sind die Stammbäume in der Bibel lückenlos?
Können wir den Berichten der Bibel vertrauen? Ist unser Universum tatsächlich nur etwas über 6000 Jahre alt? Liest man Kommentare zu den ersten elf Kapiteln in Gottes Wort, bekommt man erklärt, dass diese Berichte Mythologien seien und von mindestens zwei Autoren geschrieben seien[i]. Diese Kommentare stellen damit auch das Alter der Erde in Frage, denn…
WeiterlesenWer jetzt einwendet, dass die Tag- und Nachtgleiche am 21. September liegt, hat gut beobachtet. Der Grund für diese Verschiebung liegt darin, dass der Kalender, den wir benutzen, erst unter Papst Gregor XIII. (1502-1585) eingeführt wurde. Zuvor nutzen die Israeliten und die Ägypter einen Mondkalender mit 12 Monaten zu 30 Tagen. Jedem Jahr wurden am Ende Tage hinzugefügt um dem Umlauf der Erde um die Sonne gerecht zu werden. Da dieses System zu kompliziert war, reformierte Gaius Julius Cäsar (100 v. Chr. – 44 v. Chr.) den Kalender und führte den Sonnenkalender ein. Doch auch mit diesem neuen Kalender begannen sich die Jahreszeiten zu verschieben und Papst Gregor führte einen weiteren Sonnenkalender ein[iv].Dazu folgte im Jahr 1582 dem 4. Oktober der 15. Oktober. Als im Jahr 1752 auch in England und in den 13 Kolonien in Nordamerika der Gregorianische Kalender eingeführt wurde, mussten gleich elf Tage gestrichen werden und dem 2. September folgte der 14. September.
Nimmt man alle notwendigen Änderungen der Gregorianischen Änderungen am Kalender und wendet diese auf das Julianische Datum 23. Oktober 4004 v. Chr. an, erhält man als Tag der Tag- und Nachtgleiche das Gregorianische Datum des 21. Septembers 4004 v.Chr.
Sollte man Bischof Ussher ernst nehmen?
Oft wird angenommen, dass der (antike) jüdische Kalender ein Mondkalender sei. Ist das der Fall, würde das Pfingstfest, Passafest oder das Laubhüttenfest etwa zur Monatsmitte gefeiert, zum Vollmond. In Amos 8:9-10 lesen wir:
9 Zur selben Zeit, spricht Gott der HERR, will ich die Sonne am Mittag untergehen und das Land am hellen Tage finster werden lassen. 10 Ich will eure Feiertage in Trauer und alle eure Lieder in Wehklagen verwandeln. Ich will über alle Lenden den Sack bringen und alle Köpfe kahl machen und will ein Trauern schaffen, wie man trauert über den einzigen Sohn, und es soll ein bitteres Ende nehmen.
Amos 8:9-10
Diese Vorhersage ist nur möglich, wenn die Feste zu Monatsanfang gefeiert werden, so wie es bei einem Sonnenkalender der Fall ist. In seinem Vorwort zu seinen „Annalen der Welt“ stellt Bischof Ussher dann auch fest, dass „die Jahre der antiken Ägypter und Hebräer gleich lang waren wie das Julianische Jahr [ein Sonnenjahr].“
Weitere antike Autoren (z.B. Manetho, 3. Jh. V. Chr.) bestätigen das Julianische Jahr als den Standard für die verwendeten Kalender. Es ist plausibel, dass Cäsar nicht selbst die Idee zu seinem Kalender hatte, sondern einen viel älteren und in vielen Kulturen gebräuchlichen Kalender modernisierte.
Schlussworte
Bischof Ussher nutzte Logik, astronomische Tatsachen und geschichtliches Wissen, um das Jahr und den Tag der Schöpfung zu berechnen. Es waren kein Wunschdenken, durch wilde Spekulationen beruhende Berechnungen, das ihn zur Veröffentlichung dieses Datums veranlasste.
Grundlage der Logik
„Wer an Gott glaubt muss seinen Verstand aufgeben!“, bekommt man als Christ in unregelmäßigen Abständen zu hören. Doch nichts wäre ferner. Gottes Existenz ist die Grundlage für Logik und letztendlich auch dafür, dass wir Naturwissenschaften betreiben können. Die Bibel geht völlig selbstverständlich davon aus, dass Gott existiert. „Am Anfang schuf Gott …“ – An…
WeiterlesenSein Ausgangspunkt war die Annahme, dass Gottes Wort in allen Punkten die Wahrheit enthält. Mit Hilfe der Wahrheit können wir dann durch Logik und mit der wissenschaftlichen Methode nachvollziehbare Berechnungen machen. Ist es für uns wichtig, wann das genaue Datum der Schöpfung war? Nicht für unsere Errettung.
Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Gottes Wort die ganze Wahrheit enthält. Und dazu gehört auch, dass der Sündenfall eine historische Tatsache ist und wir alle durch unsere Sünde von Gott getrennt sind.
Das Wissen um diese Wahrheit könnte niederschmetternd sein, wenn nicht eine weitere Wahrheit folgen würde: Das Gott selbst, in Jesus, an unserer Stelle für uns den Tod am Kreuz erlitt, damit alle, die das glauben nicht verloren werden, sondern in Ewigkeit in Gottes Reich mit Jesus leben dürfen.
15 auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. 16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. 18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. 19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. 20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. 21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.
Johannes 3:15-21
[i] Ganz genau: 06. Oktober 3761 v.Chr., 23:11:20 Uhr (Quelle: Basnizki, L.: Der jüdische Kalender. Jüdischer Verlag, Frankfurt 1998. S.29f)
[ii] Ussher, J.: Annals of the World. Master Books, Green Forest 2006.) Im Gregorianischen Kalender wäre es der 21. September. Für Daten v. Chr. wird in der Regel noch der Julianische Kalender verwendet.
[iii] Boardman, J. et al: The Oxford History of the Classical World. Oxford University Press, 1986.
[iv] Dieser wurde in England und den 13 Kolonien in Nordamerika erst 1752 (der Gregorianische Kalender wurde als „katholischer“ Kalender betrachtet) eingeführt.
