„9 Und er sprach: Wer bist du? Sie antwortete: Ich bin Rut, deine Magd. Breite den Saum deines Gewandes über deine Magd, denn du bist der Löser. 10 Er aber sprach: Gesegnet seist du vom HERRN, meine Tochter! Du hast deine Liebe jetzt noch besser erzeigt als vorher, dass du nicht den jungen Männern nachgegangen bist, weder den reichen noch den armen. 11 Nun, meine Tochter, fürchte dich nicht. Alles, was du sagst, will ich dir tun; denn das ganze Volk in meiner Stadt weiß, dass du eine tugendsame Frau bist. 12 Ja, es ist wahr, dass ich ein Löser bin; aber es ist noch ein Löser da, näher verwandt als ich. 13 Bleib über Nacht hier. Will er dich dann am Morgen lösen, gut, so mag er’s tun; hat er aber keine Lust, dich zu lösen, so will ich dich lösen, so wahr der HERR lebt. Schlaf bis zum Morgen!“ Rut 3:9-13
Rut hat etwa drei, vielleicht auch 4 Monate, auf den Feldern von Boas gearbeitet. Auf Boas‘ Feldern, in der Gemeinschaft mit dessen Arbeitern fand sie Nahrung für sich und Noomi und den notwendigen Schutz.
Eine gottesfürchtige Schwiegermutter
Am Ende dieser Zeit, Boas tat weit mehr, als Gottes Wort von ihm fordert, ist sich Noomi sicher, dass sie Boas vertrauen kann. Am Ende der Ernte werden die Spelzen vom Korn getrennt. Zuerst werden die Ähren auf einem harten Untergrund gedroschen und dann werden die Spelzen, die das Korn umgebende Hülle, durch den Wind von den Körnern getrennt. Am Abend frischt die Luft auf, ein Wind geht über das Land und ist eine perfekte Zeit für diese Arbeit.
Noomi hat einen Plan für die (Er-)Lösung. Rut soll sich waschen, salben und ein „Kleid anlegen“ und zu der Tenne gehen, wo Boas arbeitet. Wenn sich Boas nach getaner Arbeit und dem Essen zu schlafen gelegt hat, soll Rut sich zu Boas‘ Füßen legen.
Dies zu tun fordert eine Menge Mut von Rut. In dieser Nacht ist sie alleine mit einem Mann und befiehlt sich in dessen Obhut. Auch in dieser Situation bleibt Rut ihrem Versprechen treu: „Alles, was du mir sagst, will ich tun.“ Rut gehorcht Noomi und folgt deren Anweisungen.
Zwei ähnliche Nächte
Nach dem Essen legt sich Boas hinter einem Kornhaufen zum schlafen nieder. Rut folgt ihm, deckt, so wie es ihr Noomi riet, die Decke Boas‘ auf und legt sich zu Boas Füßen. Rut macht sich in diesem Moment sehr verwundbar. 800 Jahre vorher wurde in einer ähnlichen Situation der erste Vorfahr von Ruts Volk gezeugt (1 Mose 19: 30-39). In dieser Nacht ist es anders. Als Boas um Mitternacht Rut zu seinen Füßen bemerkt, nutzt er die Situation nicht aus. Rut beantwortet die Frage nach ihrem Namen und erklärt auch gleich den Grund ihres nicht ungefährlichen Besuches. „Du kannst mich lösen, lege dein schützendes Gewand über mich.“
Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Lot und Elimelech, Lots Töchtern und Rut. Lots Töchter nahmen ihre Zukunft in ihre eigene Hand; geprägt von ihrem heidnischen Umfeld in Sodom entschieden sie gemäß dessen, was sie dort gesehen und gelernt hatten. Rut hatte den lebendigen Gott durch Noomi und die Menschen um sie herum, darunter auch Boas, kennen gelernt. Sie befolgte den Rat einer von Gott enttäuschten und doch gottesfürchtigen Frau.
Kein Brot im Brothaus
Das Buch Rut ist eines der bekannteren Bücher in Gottes Wort. Chronologisch bildet es einen Übergang zwischen der Zeit der Richter und der Zeit kurz bevor Israel mit Saul seinen ersten König erhielt. Es ist somit eine Einleitung zu den Büchern Samuels. Zu welcher Zeit die Hauptperson Rut lebte, ist nicht mit Sicherheit zu sagen.…
WeiterlesenRuts Vertrauen in den Gott, den sie durch Noomi kennenlernte, wird nicht enttäuscht. Boas handelt, wie ein angesehener und aufrichtiger Mann (Rut 2:1) in dieser Situation handelt: Er segnet Rut und lobt sie für ihre Liebe und Geduld. Er sagt ihr ganz klar, dass es jüngere, reichere Männer gibt (auch die jungen, armen Männer erwähnt er) als ihn. Menschlich gesehen, sind diese die bessere Wahl für Rut.
Ruts Liebe gilt nicht der menschlichen Sicherheit, dem Geld und der Vernunft. Rut liebt den lebendigen Gott. IHm folgt sie, indem sie auf den Rat der gottesfürchtigen Noomi hört. Diese Liebe zu Gott begeistert Boas.
Wem gilt deine Liebe? Ich bete, dass auch Du Gott und sein Wort liebst und dich IHm unterordnest.
Boas‘ Gottesfurcht, die Grundlage seiner Redlichkeit ist, zeigt sich darin, dass er die Situation nicht ausnutzt. Er verspricht, Rut zu lösen, wenn nicht der rechtlich näherstehende Löser dies tun will. Auch hier vertraut Boas ganz dem lebendigen Gott. Es wäre einfach gewesen, diesen Löser zu überspringen. Doch Boas möchte die gemeinsame Zukunft mit Rut nicht in seine eigenen Hände nehmen, sondern überlässt diese Gott und wartet geduldig ab, was Gott tun wird. Dass sein Glaube an den lebendigen Gott, den Schöpfer (יהוה) sein Handeln bestimmt zeigt sich an den Worten, mit denen er Rut wieder zum Schlafen schickt: „So wahr der HERR (יהוה) lebt. Schlaf bis zum Morgen!“
Boas hätte Rut in diesem Moment für sich als Frau nehmen können. Keiner hätte es bemerkt, keiner hätte etwas gesagt oder widersprochen. Wer handelt, wie die Welt um einen herum handelt, fällt nicht auf, verursacht kein Aufsehen. Wie wir im Folgenden sehen werden ist es bei Menschen, die Gottes Wort befolgen nicht ganz so einfach. Dass Boas den nächststehenden Löser am anderen Tag auf Ruts Lösung anspricht, beschämt diesen und dies war sicher keine angenehme Situation für Boas.
Was du sagst, will ich tun
Als Christ zu leben führt dich immer wieder einmal in unangenehme Situationen. Du wirst nicht bei allem mitmachen können, was deine (noch) nicht an Jesus glaubende Freunde tun. Manchmal wirst du auch das Gefühl haben, dass du ihnen sagen solltest, dass sie nicht gemäß von Gottes Wort handeln. Was tust du dann? Bete dafür, dass du dir in diesen Situationen von dem lebendigen Gott die Kraft und Entschlossenheit geben lässt, um für Gott und sein Wort zu sprechen und entsprechend zu handeln.
An Jesus glauben und entsprechend handeln
Was hilft’s, Brüder und Schwestern, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann denn der Glaube ihn selig machen? Wenn ein Bruder oder eine Schwester nackt ist und Mangel hat an täglicher Nahrung und jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gebt…
WeiterlesenEin neuer Tag
Früh am Morgen, noch in der Dunkelheit, steht Rut auf um zurück zu Noomi zu gehen. Vorerst steht sie noch mit leeren Händen da, ihre Zukunft hängt in der Schwebe. Boas‘ Sorge um Rut zeigt sich darin, dass er sich um Ruts Ruf sorgt. Doch er will Rut nicht ganz ohne ein Versprechen gehen lassen. Wie er sie Monate zuvor am Abend mit gerösteten Körnern und Essigtrank versorgte, so füllt er ihr an diesem ungewissen Morgen ihr Tuch mit Gerste für mehrere Wochen.
Als Noomi hört, was während der Nacht geschah und die große Menge an Gerste sieht, ist sie sich sicher, dass aus einem ungewissen Morgen über den Tag hinweg ein friedlicher Abend werden wird (Rut 3:18).
„6 Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann; 7 wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach. 8 Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich. 9 Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.“
Psalm 63:6-9
