Einer wirft den Ball, den dann ein Spieler des Gegners versucht zu treffen. Dieses Prinzip eines Baseballspiels erkennt auch schon jemand, der erst selten ein Baseballspiel verfolgt hat. Wer etwas länger zuschaut versteht dann auch, dass es gut geworfene Bälle gibt, die der Gegner treffen sollte und schlecht geworfene Bälle, nach denen er nicht schwingen muss. Dass dies nicht unbedingt schlecht geworfene Bälle sind, sondern Würfe, um den Gegner auszutricksen, erschließt sich dann später, wenn man sich mit dem Pitching (Ballwurf) etwas auseinandersetzt. Derjenige, der den Ball wirft, nennt man „Pitcher“ und er ist in der Verteidigung einer der wichtigsten Spieler.
Die Rolle des Pitchers (des Spielers, der zu Beginn eines Spielzuges den Ball wirft) hat sich im Laufe der Geschichte des Baseballs extrem gewandelt.
Mitte des 19. Jahrhunderts
Das erste Regelwerk für Baseball, die „Knickerbocker Rules“, wurde im Jahr 1845 festgehalten und für viele Spiele akzeptiert. Diese Regeln legten das Aussehen des Infields (First Base, Second Base, Third Base und Home in Form einer Raute) fest und klärte, dass drei Strikes das Out für den Batter bedeuten. Dieses Regelwerk bedeutete auch das Ende der Regel, dass Runner durch abwerfen, so wie heute noch beim Wiffle Ball, Out gemacht werden können.
Erklär‘ mir mal die Outs
So wichtig es im Baseball ist, den Ball zu treffen, so wichtig ist es in der Verteidigung die gegnerischen Spieler „aus“ (Out) zu machen. Das begehrteste Out ist sicher das Strike Out. Der Pitcher einer Mannschaft erzielt ein Strike Out, wenn der Batter dreimal nach dem Ball schwingt, ohne diesen zu treffen. Allerdings muss der…
WeiterlesenDie Rolle des Pitchers war in diesem Regelwerk noch beinahe neutral. Seine Aufgabe war es, denn Ball durch einen Unterhandwurf so ins Spiel zu bringen, dass dieser vom Batter ins Spielfeld geschlagen werden konnte. „Balls“ gab es zwar schon, doch konnte der Pitcher so viele Balls werfen wie er wollte. Einen „Walk“, ein Lauf zum First Base aufgrund von vier Würfen außerhalb der Strike Zone, gab es noch nicht.
Die 1860er Jahre
Im Laufe nur weniger Jahre wurde das „Pitching“, das werfen des Balles, ein größerer Teil der Verteidigung. Die Regeln erlaubten den Pitchern härter zu werfen und sie durften den Ball auch höher, niedriger oder näher am Batter, dem Schlagmann, werfen. Der Pitcher warf noch immer Unterhandwürfe, doch wurden diese trickreicher. Der Pitcher war von einem beinahe neutralen Spieler klar zu einem Teil der Verteidigung geworden. In diese Zeit fällt auch die Einführung des „called Strikes“, der Regel die besagt, dass der Batter nach dem Ball schlagen muss, wenn dieser in der Strike Zone ist. Unterlässt er den Schwung, ist es, wie wenn er nach dem Ball geschwungen und nicht getroffen hätte.
Gründung der NAPBBP
Im Jahr 1871 wurde die erste professionelle Baseballliga (National Association of Professional Base Ball Players) in den USA gegründet. Die Cincinnati Red Stockings (im Grunde der Vorläufer der modernen Cincinnati Reds) waren die erste Mannschaft, die Spieler dafür bezahlte, Baseball zu spielen. Andere Mannschaften folgten ihrem Beispiel und schlossen sich dann in einer Liga zusammen. Dies machte ein einheitliches und landesweit akzeptiertes Regelwerk für diese neun Profimannschaften erforderlich.
Der Pitcher in dieser Liga war nun vollkommener Teil der Verteidigung. Die Bälle wurden nun durch Überhand- und Seitarmwürfe ins Spiel gebracht. Dies wurde im Jahr 1884 dann auch im Regelwerk als ausdrücklich zulässig festgehalten. Der Abstand von Pitcher zu Batter wurde vergrößert und das heute gültige drei Strikes – vier Balls System wurde zur Regel. Der Pitcher hatte jetzt die Aufgabe Hits (Treffer, die einen Batter auf die First Base bringen) zu verhindern. Das Strike Out (ein Batter geht aus, weil er denn Ball dreimal nicht traf) wurde ein Ziel des Pitchers.
Die Jahrhundertwende
Um die Batter zu täuschen entwickelten die Pitcher spezielle Wurftechniken. Entweder um den Ball schneller werfen zu können, oder die Physik so zu nutzen, um die Flugbahn des Balles zu beeinflussen. Das Pitching wurde ein zentrales Element der Verteidigungsstrategie. Die Wurftechniken machten den ersten entscheidenden Schritt zum modernen Pitching.
Moderne Ära
Über das moderne Pitching gibt es tausende von Büchern und Artikeln. Stundenlang kann man sich Lehrvideos dazu im Internet anschauen. Die Pitcher von heute sind extreme Spezialisten, die es schaffen Bälle auf gut 160km/h[i] zu beschleunigen oder so anzudrehen, dass die Flugbahn in der Senkrechten bis zu 50cm und in der Horizontalen bis zu 25cm von einer Geraden abweicht.
Dies alles ist Teil der Strategie, einen Batter zu einem Schwung zu verleiten. Bis kurz vor der Strike Zone sieht die Flugbahn noch gerade aus, nur damit der Ball kurz vorher die Richtung ändert, die Strike Zone nicht erreicht und der Schläger den Ball verfehlt. Hier wird dann klar, dass „Balls“ keine schlechten Würfe sind, sondern gezielt eingesetzt werden, um durch einen Schwung ins Leere einen Strike gegen den Batter zu verbuchen.
Doch das Strike Out ist nicht allein das Ziel des Pitchers. Ein Pitcher auf hohem Niveau in den MLB oder der Deutschen Baseball Liga, wirft den Ball mit der Überlegung, was das Resultat eines Pitchs (Wurfs) ist.
Aus diesem Grund setzen sich Pitching Coaches und Pitcher vor einem Start zusammen und besprechen die Strategie. Diese Planungen sind nicht innerhalb von 15 Minuten beendet. Pitching ist abhängig vom Gegner, dem Spielort und vor allem den Spielern die man in der gegnerischen Aufstellung erwartet. In einem Artikel kann dies nicht einmal in Ansätzen erfasst werden. Es gibt jedoch ein paar Grundlagen, auf die man als Zuschauer während eines Spiels achten kann.
Pitching einfach erklärt
Die Strike Zone kann grundsätzlich in neun kleinere Zonen unterteilt werden, in die der Ball geworfen wird; drei Spalten mit drei Zeilen. Daneben gibt es den Bereich nahe am Körper des Batters (inside) und auf der gegenüberliegenden Seite außerhalb der Strike Zone (outside).
Abhängig davon, in welchen Bereich der Ball geworfen wird, fliegt er bei einem Treffer auch in einen bestimmten Bereich des Spielfeldes. Dabei gelten folgenden Grundsätze (Tabelle aus der Sicht eines rechtshändigen Batters):
| Ball oben – Ball geht hoch in die Luft. | Ball oben – Ball geht hoch in die Luft. | Ball oben – Ball geht hoch in die Luft. |
| Ball inside – Ball fliegt in den Bereich des Spielfeldes, auf dessen Seite der Batter steht. | Ball in die Mitte – das könnte zu einem harten Treffer und Home Run führen. Ein sehr schneller Ball wäre hier angebracht, der zu schnell ist um getroffen zu werden (Schneller als die Reaktionszeit des Batters) | Ball outside – Ball fliegt in die dem Batter gegenüberliegende Seite. |
| Ball unten – Ball bleibt eher unten, rollt im optimalen Fall. | Ball unten – Ball bleibt eher unten, rollt im optimalen Fall. | Ball unten – Ball bleibt eher unten, rollt im optimalen Fall. |
Weiter gilt, dass Bälle, die von der Flugbahn abweichen eher zu schwachen Schlägen führen, während hart und gerade geworfene Bälle auch zu harten Treffern führen.
Was ist denn ein Double Play?
Auch wer neu ist im Baseball versteht den Spielgedanken recht schnell: Einer schlägt den Ball ins Feld und rennt gegen den Uhrzeigersinn zum First Base. Wird sein Ball aus der Luft, oder wird der Ball vom First Baseman an dessen Base gefangen, bevor er die Base erreicht oder mit dem Ball berührt wird, ist der…
WeiterlesenDiese Grundsätze führen in bestimmten Spielsituationen dazu, dass der Pitcher ganz bestimmte Würfe einsetzt, um auch das gewünschte Resultat zu erhalten. Auch die weiteren Feldspieler kennen den grundsätzlichen Plan, erhalten von den Coaches auch die entsprechenden Signale, und wissen dann, auf welche Situation sie sich beim nächsten Pitch (Wurf) einstellen müssen, welcher Spielzug gespielt werden soll.
Strike Outs sind oft nur dann das Ziel, wenn es Batter auf die Bases geschafft haben und die Gefahr besteht, dass Runs erzielt werden.
Pitching ist Strategie und Kunst
Pitching ist nicht nur die Kunst einen Ball durch bestimmte Griffe und Armhaltungen so zu werfen, dass eine bestimmte Flugbahn erreicht wird. Pitching ist Teil der Verteidigungsstrategie um schnell drei Gegner mit möglichst wenigen Würfen Out zu machen. Auch der Gegner kennt die Grundsätze des Pitchings und die Stärken des Pitchers und stimmt seine Herangehensweise am Schlag darauf ab. Das Duell zwischen Pitcher und Batter ist deshalb nicht nur vom Können und der Geschicklichkeit der beiden abhängig, sondern auch davon, wer bei seiner Strategie die meisten Eventualitäten vorausgesehen hat. Es überrascht also nicht, wenn manche dieses Duell mit Schach vergleichen.
2 Prüfe mich, HERR, und erprobe mich, läutere meine Nieren und mein Herz! 3 Denn deine Güte ist mir vor Augen, und ich wandle in deiner Wahrheit.
Psalm 26:2-3
[i] Schnellster Fastball, Aroldis Chapman, 2010: 170,3 km/h (105.8 mph)







