„Wenn die Bibel recht hat, dann werde ich in zehn Jahren der Gold Glove Shortstop der Chicago Cubs!“ – so könnte ein Christ sagen, der gerade Philipper 4:13 gelesen hat: „ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.“ Bedeutet dieser Vers tatsächlich, dass ein Christ sportlichen oder geschäftlichen Erfolg hat, wenn er genügend Glaube besitzt und die Kraft Jesu‘ in ihm wohnt? Beachtet man den Kontext, den Zusammenhang, in welchem Paulus diesen Vers geschrieben hat, stellen wir fest, dass Paulus im Gefängnis saß, als er dies schrieb und gerade eine Spende der Philipper erhalten hatte (Apostelgeschichte 28; Philipper 2: 25 + 4: 18). In den Sätzen vor diesem Satz schreibt Paulus, dass er ungeachtet seiner Gefangenschaft zufrieden ist, da er in der Gefangenschaft gelernt hatte, dass er sich vollkommen auf Jesus und dessen Kraft verlassen konnte und nicht auf seine begrenzte Kraft bauen musste. Der Zusammenhang macht klar, dass Paulus menschlich gesehen keinen Erfolg hatte aber die Kraft Jesu‘ ihm jeden Tag genug war, um mit dem vorhandenen zufrieden zu sein. Dass Zitate aus Gottes Wort aus dem Zusammenhang gerissen werden, kommt öfters vor und oft verwenden Skeptiker diese Taktik um die Wahrheit des Wortes Gottes in Frage zu stellen. Sagt Gottes Wort tatsächlich, dass die Erde flach ist und auf Säulen steht?
Welche Textart habe ich gerade vor mir?
Immer wenn wir Texte studieren und verstehen wollen, müssen wir die Absicht des Autors berücksichtigen. Wir sollten fragen, welches Ziel der Autor mit seinem Werk verfolgte. Gottes Wort ist dabei keine Ausnahme. In Gottes Wort, der Bibel, gibt es unterschiedliche Literaturgattungen. Es gibt historische Erzählungen (Geschichte), es gibt Briefe und es poetische Texte. Gerade bei poetischen Texten, zum Beispiel den Sprüchen und den Psalmen, sollte man den Text nicht strapazieren etwas zu sagen, was der Autor gar nicht sagen wollte. Verbale Bilder, Metaphern und Redewendungen sollen nur als solche verstanden werden.
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Steht die Erde auf Säulen?
Ein häufiger Vorwurf an die Bibel lautet, dass sie ein antikes Weltbild lehre, in dem die Erde flach sei und auf Säulen stehe. Die Kritiker beziehen sich dabei auf Psalm 75: 4: „Die Erde mag wanken und alle, die darauf wohnen, aber ich halte ihre Säulen fest.“ Oder auch 1 Samuel 2: 8 (Lobgesang der Hanna). Beide Texte sind Lieder und Lobgesänge und verwenden poetische Sprache. Glaubt der Kritiker im Ernst, dass der Schreiber von Psalm 144 seine Töchter als Säulen für einen Palast verwenden will? In Psalm 144: 12 lesen wir nämlich: „Unsere Söhne seien wie Pflanzen, / hochgewachsen in ihrer Jugend – unsere Töchter wie Säulen, geschnitzt für Paläste“. Abgesehen davon verwenden wir eine ähnliche Redewendung, wenn wir von einer „Säule der Mannschaft“ sprechen, wenn es um einen unverzichtbaren Mitspieler geht. Wer mit den oben genannten Textstellen behauptet, die Bibel lehre, die Erde sei flach, zieht die Textsorte nicht in Betracht und begeht den Fehlschluss, dass er eine Stelle aus dem Zusammenhang reißt.
Ist die Erde flach und endet an einem Rand?
Da wir an vielen Stellen in Gottes Wort von den „Enden der Erde“ lesen (z.B. Psalm 72:8; Jesaja 41,:9, 62:11; Offenbarung 20: 8), behaupten viele Kritiker, die Bibel lehre, dass die Erde flach sei und einen Rand habe. Doch die in Frage kommenden Stellen sind poetische und prophetische Texte und wollen keine geografischen Aussagen machen. Genauso wie auch wir nicht glauben, dass die Erde flach ist und einen Rand hat, wenn wir sagen, dass jemand vom „anderen Ende der Erde“ kommt, wenn wir von einem Bewohner Australiens sprechen, gingen auch die Schreiber dieser Texte nicht von einer flachen Erde aus. In anderen Texten wird deutlich, dass die Erde eine Kugel ist und sich im Weltraum befindet (Hiob 26:7).
Dreht sich die Sonne um die Erde?
An anderen Stellen verwendet die Bibel Personifikationen, wenn zum Beispiel vom Sonnenauf- oder untergang die Rede ist. Hier wird aus der menschlichen Sichtweise beschrieben, was gesehen wird und es wird keine Kosmologie (Lehre der Welt) ausgeführt. Es wird kein astronomisches Modell beschrieben, sondern einfach, was wir Menschen sehen. Auch wir glauben ja nicht, dass sich die Sonne um die Erde dreht, wenn wir von einem „romantischen Sonnenaufgang“ sprechen. Wer solche, oder ähnliche Stellen, dazu herzieht um zu belegen Gottes Wort lehre, die Sonne drehe sich um die Erde, begeht den Fehlschluss, eine Aussage aus dem Zusammenhang zu reißen.
Täglich in der Bibel lesen – wie geht denn das? – Neunter Teil.
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Schlussfolgerungen
Wenn man Texte liest und studiert, besteht immer die Gefahr, dass man Dinge in den Text hineinliest, die der Autor nie gemeint hat. Besonders beim Bibelstudium ist es wichtig, dass man sich vor Augen hält, welche Textsorte man gerade vor sich hat und in welchem (geschichtlichen) und inhaltlichem Zusammenhang einzelne Aussagen oder Sätze stehen. Einzelne Sätze in Gottes Wort dürfen wir nicht wie Glückskeksratschläge verstehen. Nimm dir Zeit, das Wort Gottes zu studieren. Lies längere Abschnitte an einem Stück und plane Zeit ein, um das Gelesene einzuordnen und dann auch zu überlegen, was dies für dein Leben bedeutet. Wenn dann Kritiker dich mit angeblichen Fehlern in Gottes Wort herausfordern, hast du dann meist schon bald eine gute und logische Antwort auf Ihre Frage.
2 HERR, höre meine Worte, merke auf mein Seufzen! 3 Vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott; denn ich will zu dir beten. 4 HERR, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.
Psalm 5: 2-4
