Vom Erlöser angesprochen

„8 Da sprach Boas zu Rut: Hörst du wohl, meine Tochter? Du sollst nicht auf einen andern Acker gehen, um aufzulesen; geh auch nicht von hier weg, sondern halt dich zu meinen Mägden. […] 10 Da fiel sie auf ihr Angesicht und beugte sich nieder zur Erde und sprach zu ihm: Womit hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, dass du mir freundlich bist, die ich doch eine Fremde bin? 11 Boas antwortete und sprach zu ihr: Man hat mir alles angesagt, was du getan hast an deiner Schwiegermutter nach deines Mannes Tod; dass du verlassen hast deinen Vater und deine Mutter und dein Vaterland und zu einem Volk gezogen bist, das du vorher nicht kanntest. 12 Der HERR vergelte dir deine Tat, und dein Lohn möge vollkommen sein bei dem HERRN, dem Gott Israels, zu dem du gekommen bist, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest. 13 Sie sprach: Lass mich Gnade vor deinen Augen finden, mein Herr; denn du hast mich getröstet und deine Magd freundlich angesprochen, und ich bin doch nicht einmal wie eine deiner Mägde.“ Rut 2:8-13

Gesehen

Boas (Macht/ Stärke) geht, um die Ernte zu begutachten. Als ein aufmerksamer, sorgsamer Besitzer schaut nach dem Rechten auf seinen Feldern. Er ist sich seiner Verantwortung bewusst. Und er ist sich klar, dass die Ernte ohne den HERRN nicht gelingt. Deshalb segnet er seine Arbeiter bei der Begrüßung: „Der HERR sei mit Euch!“

„Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. 2 Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.“

Psalm 127:1-2

Boas‘ Arbeiter haben die einzig richtige Antwort auf seinen Gruß: „Der HERR segne dich!“. Sie erkennen, dass nur Gott, der Schöpfer, Boas segnen kann. Seine Gottesfurcht (redlicher Mann, Rut 2:1) ist bekannt und sie äußert sich ganz praktisch, wie etwas später nachzulesen ist.

Ein guter Besitzer kennt seine Mannschaft und weiß, wer für ihn arbeitet. Wie schon der Gruß uns es zeigt, hat Boas eine persönliche Beziehung zu seinen Arbeitern; er sorgt sich um seine Arbeiter, Knechte und Mägde. Deshalb fällt ihm auch die fremde junge Frau ins Auge, die hinter seinen Schnitter her aufliest.

Von seinem Vorarbeiter hört Boas über Rut nur Gutes. In Vers 7 wird angedeutet, dass dieses Gespräch nach dem Mittag stattfindet. Fleißig hat Rut den ganzen Morgen über für sich und Noomi die Reste der Ernte eingesammelt. Boas sieht Ruts Fleiß und Treue.

Angesprochen

Als sich Boas direkt an Rut wendet, spricht er sie mit „Tochter“ (בַּת – bath) an. Er signalisiert ihr damit, dass er Verantwortung für sie übernimmt – wenn sie auf seinem Feld einsammelt und sich zu seinen Knechten und Mägden hält. Boas hält nicht nur Gottes Gebot, für die Armen etwas übrigzulassen (3. Mose 23:22), er geht weit darüber hinaus. Er bietet Rut den Schutz auf seinen Feldern an und versorgt sie mit Wasser.

Boas Glaube ist kein Lippenbekenntnis. Boas Glaube zeigt sich ganz praktisch in seinem Leben und Wirken und geht über das hinaus, was Gottes Wort fordert.

„22 Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst. 23 Denn wenn jemand ein Hörer des Worts ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Menschen, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschaut; 24 denn nachdem er sich beschaut hat, geht er davon und vergisst von Stund an, wie er aussah. 25 Wer aber sich vertieft in das vollkommene Gesetz der Freiheit und dabei beharrt und ist nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter, der wird selig sein in seinem Tun.“

Jakubus 1:22-25

An Jesus glauben und entsprechend handeln

Was hilft’s, Brüder und Schwestern, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann denn der Glaube ihn selig machen? Wenn ein Bruder oder eine Schwester nackt ist und Mangel hat an täglicher Nahrung und jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gebt…

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Womit habe ich das verdient?

Rut stellt eine Frage, die manche Menschen stellen, wenn ihnen Gutes widerfährt: „Womit habe ich das verdient?“ Liest man sich die Antwort von Boas auf diese Frage oberflächlich durch entsteht der Eindruck Rut hätte sich Boas‘ Aufmerksamkeit durch ihre Treue zu Noomi und ihrer Familie verdient. Denn Boas Antwort beginnt mit der Feststellung, dass er von Ruts Bereitschaft gehört hat, Noomi und deren Familie treu zu bleiben. Im zweiten Teil seiner Antwort wird jedoch deutlich, dass Boas nur ein Werkzeug Gottes ist, durch das Rut Schutz und Hilfe erfährt:

„12 Der HERR vergelte dir deine Tat, und dein Lohn möge vollkommen sein bei dem HERRN, dem Gott Israels, zu dem du gekommen bist, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest.“

Rut 2:12

Rut hat sich mit ihrer Entscheidung bei Noomi zu bleiben, unter den Willen des lebendigen Gottes gestellt. ER, der Gott Israels, belohnt sie mit allem, was sie benötigt.

Gnade

Noch ist dieses Gespräch nicht zu Ende. Rut wird von Boas vollständig in seine Mannschaft aufgenommen. Sie isst von seinem Brot (deshalb waren Noomi und Rut ja nach Bethlehem gekommen!), trinkt von seinem Getränk und erhält von Boas persönlich geröstetes Korn. Geröstetes Korn war nicht nur ein beinahe unverderbliches Nahrungsmittel für Reisende oder auf Feldzügen. Es war auch Teil des Opfers am Ende der ersten Ernte (Erstlingsfrüchte 3. Mose 23:14), das Gottes Fürsorge für das Volk anerkannte.

So zeigt sich auch hier an dieser Stelle, dass Gott es ist, der Rut versorgt. Gott ist der Ursprung von Boas Gnade, die Rut durch Boas Hände erzeigt wird. Die Gnade kommt von Gott, und dass Rut die gerösteten Körner nicht alle essen kann, zeigt uns, dass Gott uns mehr gibt, als wir nötig haben.

Mehr als genug

Nach dem Essen macht sich Rut an die Arbeit, ihre Gnadengeschenke einzusammeln. Boas gebietet seinen Arbeitern, dass sie Rut nicht nur von den Resten an den Rändern des Feldes auflesen lassen sollen, sondern mitten unter den Garben. Rut hat entschieden ihr Leben in die Hand des lebendigen Gottes zu legen, sie gab ihr altes Leben auf, jetzt erhält sie von Gott mehr als sie braucht.

Jesus: „Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.“

Lukas 6:38

Als Rut am Abend zu Noomi kommt hat sie „einen Scheffel“ (einen Epha) gesammelt, je nach Quelle waren dies zwischen 7kg und 13kg Gerste. Genug um Brot für mehrere Tage zu backen. Rut und Noomi werden im Brothaus von Gott mit Brot in Fülle versorgt.

Der Löser

Auf die Frage Noomis, wo sie den Tag über gesammelt habe, berichtet Rut ihr alles, was über den Tag geschehen ist. Noomi bestärkt Rut darin, weiter auf den Feldern von Boas zu sammeln. Bis zum Ende der sich der Gerstenernte anschließenden Weizenernte, also etwa 3 Monate lang, hält sich Rut in der Nähe von Boas auf. Genügend Zeit um sich kennen zu lernen.

Tun, was ich für richtig halte?

„24 Auch die Israeliten gingen zu jener Zeit von dort auseinander, jeder zu seinem Stamm und zu seinem Geschlecht, und zogen von dort weg, jeder zu seinem Erbteil. 25 Zu der Zeit war kein König in Israel; jeder tat, was ihn recht dünkte.“ Richter 21: 24 -25 Ein verstörendes Ende Das Ende der Chroniken der…

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Ein weiteres lernt Rut an diesem Abend von Noomi über Boas. Er gehört zu den Lösern (גָּאַל – ga’al) der Familie Noomis. Ein Löser hatte drei Aufgaben. Wurde der Verstorbene ermordet, hatte der Löser das Recht, den Tod des Verwandten zu vergelten. Zudem hatte er das Erstrecht, das Erbe eines verstorbenen Verwandten zu kaufen und weiterzuführen. Waren keine Kinder (mehr) vorhanden, war Teil dieses Erwerbs, dass er die Witwe des Verstorbenen heiratete. So wurde der Besitz des Verstorbenen in der Familie gehalten. War der Löser dazu nicht bereit, durfte er sein Erstrecht an den nächstfolgenden Löser abtreten.

Durch Boas, ihren Löser, besteht für Noomi und Rut die Möglichkeit, wieder an den Besitz ihrer Familie zu kommen, was Ihnen ein Leben in Freiheit ermöglichen würde.

Boas hat nicht nur die rechtlichen Voraussetzungen eines Lösers. Er ist gottesfürchtig und als ein ehrlicher und verantwortungsbewusster Mann bekannt. Sein Leben zeigt, dass er Gott nicht nur mit Worten dient, sondern er Gottes Gesetz gehorcht und bereit ist weit mehr zu tun, als Gottes Wort es von ihm fordert.

Unser Erlöser

Boas ist nur ein Mensch, der nur in der uns bekannten Situation mit Noomi und Rut als Erlöser dienen kann. Wie Noomi und Rut mit leeren Händen in Bethlehem ankamen und nichts hatten, um ihr Erbe anzutreten, stehen wir Menschen mit leeren Händen da und können bei Gott nichts vorweisen, um unser Erbe im Himmel, das wir durch unsere eigene Schuld aufgegeben haben, in Empfang zu nehmen (1 Petrus 1:3-5).

Doch wir wissen, dass unser Erlöser lebt (Hiob 19:25-27). Jesus ist unser Erlöser, der an unserer Stelle am Kreuz starb, damit wir unser Erbe im Himmel antreten können (Epheser 1:3-7).

Wir können, so wie Rut dies tat, unser Leben in die Hand des lebendigen Gottes legen. ER hat einen Erlöser, Jesus, zu uns geschickt. Mach es wie Rut: Lerne deinen Erlöser kennen. Verbringe Zeit mit ihm, sprich zu ihm. Bibellese und Gebet sind der beste Anfang. Wie uns die Lebensgeschichte von Noomi und Rut zeigt, ist die Zukunft mit deinem Erlöser königlich.

„2 Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. 3 Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht wanken werde. […] 6 Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. 7 Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde. 8 Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, / der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott. 9 Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, / schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht. Sela.“

Psalm 62:2-4;6-9