Bis vor ungefähr zweihundert Jahren gab es in der Geologie noch eine Diskussion darüber, ob die Gesteinsschichten der Erde durch mehrere weltweite Flutkatastrophen abgelagert wurden (Katastrophismus), oder ob sich diese über lange Zeiträume bildeten, durch Prozesse, die wir heute auch beobachten (Aktualismus). Mit dem Erscheinen von Charles Lyells „Principles of Geology“ (3 Bände von 1830-1833) erhielt der Katastrophismus einen Schlag, der ihn beinahe über Nacht unbedeutend machte. Nicht nur das, die Berichte über die Schöpfung Gottes und die Flut zur Zeit Noahs waren damit für viele Geologen endgültig zu mythischen Ursprungserzählungen geworden. Forscher, die ein Wirken Gottes in diesem Universum verneinten, hatten in einem spannenden, neuen wissenschaftlichen Feld die Deutungshoheit über den Ursprung des Universums erobert. Welche Antworten hatten bibeltreue Christen auf diese große Herausforderung, die einschneidende Konsequenzen für die Bedeutung von Gottes Wort in der Gesellschaft haben würde?
Teil 1 Geschichte der Geologie | Teil 2 Aktualismus und Katastrophismus
Schrifttreue Geologen
In England und in Amerika gab es eine Gruppe von Geologen, die Scriptural Geologists („Schrifttreue Geologen“) genannt wurden. Bezeichnenderweise gibt es für diese Gruppe von Geologen keine offizielle deutsche Übersetzung, zum Beispiel auch keinen Eintrag in der Wikipedia. Dr. Terry Mortenson hat sich in seinem Buch „The Great Turnining Point“ mit sieben dieser Geologen beschäftigt.
Granville Penn (1761-1844)
Granville Penn war der Enkel von William Penn, dem Gründer der Pennsylvania Kolonie in Amerika. Er sprach Französisch, Griechisch, Latein und wahrscheinlich Hebräisch fließend. Er war Autor mehrerer Artikel, die sich mit der biblischen Chronologie und der Frühgeschichte der Menschheit nach der Flut zur Zeit Noahs beschäftigten. Sein Hauptwerk „A Comparative Estimate of the Mineral und Mosaical Geologies” (1822-1825) war ein Vergleich der Schlussfolgerungen von Geologen, die von einem sehr hohen Alter der Erde ausgingen (Mineral Geology) mit den Schlussfolgerungen von Geologen, die dem Wort Gottes vertrauten (Mosaic Geology). G. Penn argumentierte, dass die Berichte in 1 Mose 1-11 und Geologiestudien miteinander verbunden sein müssen, „da der Gott der Schrift mit dem Gott der Natur eins ist.“[i] Daher habe Gott bestimmte historische Tatsachen über die Schöpfung und die weltweite Flut durch geologische Formationen kommuniziert. Es sei daher unerlässlich die Geologie auch mit der Genesis (1 Mose) zu verbinden.
G. Penn hatte zu seiner Zeit schon Kritiker, dass er aber von seinen Kritikern als Geologe ernstgenommen wurde zeigen Kritiken seiner Bücher, in denen gesagt wird, dass er ein „exzellenter Geologe“ ist und sich „ausgiebig mit den Tatsachen und Theorien der Mineral-Geologen auseinandergesetzt hat“.[ii]
Gesteinsschichten der Faltengebirge
Die Erde ist nur wenige tausend Jahre alt. Diese Tatsache…
William Rhind (1797-1874)[iii]
W. Rhind wurde in Elgin, Schottland geboren. Er studierte in Aberdeen und Edinburgh um später als Chirurg zu arbeiten. Mitte der 1820 wohnte er in Edinburgh um sich Feldstudien in der Geologie zu widmen und Botanik, Zoologie und Geologie zu unterrichten. Im Gegensatz zu anderen Geologen stützen sich W. Rhinds Werke hauptsächlich auf eigene und Feldstudien anderer Geologen. Er schreibt, dass Geologie nicht alleine aus Büchern gelernt werden kann, sondern Feldstudien ungemein besser zum Lernen seien. Für ihn war Gottes Wort unfehlbar und er war sich sicher, dass mit der Zeit und weiteren Feldstudien die (Denk-)Fehler der Mineral-Geologen aufgedeckt werden würden.
Einer seiner Hauptkritikpunkte an den Mineral-Geologen war, dass es zwar richtig sei, dass bestimmte Arten gehäuft nur in bestimmten Schichten gefunden wurden, dass es aber genügend Beispiele gibt, bei denen die gleiche Art in gleich mehreren Schichten auftaucht.
Sein Werk „The Age of the Earth“ (1838) sollte den Leser zum nachdenken bringen, damit nicht vorschnelle Schlussfolgerungen über das Alter der Erde gemacht werden. Er war sich sicher, dass die Wahrheit und Verlässlichkeit der Berichte in 1 Mose 1 in angemessener Zeit belegt werden würden.
Weitere erfahrene Schrifttreue Geologen
Dr. T. Mortenson recherchierte in „Great Turning Point“ noch zu fünf weiteren Schrifttreuen Geologen. Sie alle werden als sehr gute Geologen beschrieben, deren Forschungen überprüfbare Antworten auf die Schlussfolgerungen der Mineral-Geologen liefern. Die Schrifttreuen Geologen sind oft erfahrene Feldforscher und werden auch von Kritikern als Experten auf dem Gebiet der Geologie angesehen und auch so behandelt. Die Frage bleibt, warum die Schlussfolgerungen der Schrifttreuen Geologen bis heute meist unbekannt sind und keine Rolle beim Geologie Studium spielen.
Die ewig gleichen Entgegnungen
Die Gründe waren damals wie heute die Gleichen. Ihre Gegner erwiderten, dass „die große Mehrheit der Geologen bezeugt, dass die Erde eine uralte Vergangenheit hat.“[iv] Aus diesem Grund wurden die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Schrifttreuen Geologen nicht beachtet und nur selten diskutiert – obwohl in einem wissenschaftlichen Umfeld eigentlich die Diskussion und Auseinandersetzung mit gegensätzlichen Positionen unerlässlich ist. Doch wurde diese Nicht-Diskussion damit begründet, dass „es nur eine kleine Gruppe sei“, die zu anderen Ergebnissen kämen.[v] Diese kleine Gruppe sprach im Gegensatz zu den Mineral-Geologen auch nicht mit einer Stimme. Die meisten veröffentlichten alleine und so war es möglich jedes Werk als die Arbeit eines einzigen Geologen abzutun.
Zu wenig Meersalz
Die Erde ist nur wenige tausend Jahre alt. Diese Tatsache…
Besondere Zeiten
Dazu kam, dass diese Diskussion in einer Zeit begann, in der es große gesellschaftlich Veränderungen gab, bzw. gegeben hatte. Die Revolution in den USA lag nur gut 70 Jahre zurück, die blutigen Umstürze in Frankreich sogar noch weniger. Europa hatte die napoleonischen Kriege noch gut in Erinnerung. Da die Forschung fast ausschließlich in adligen Kreisen stattfand, fürchteten manche der Schrifttreuen Geologen, dass eine Auseinandersetzung in diesen Kreisen dem Volk auch in England Anlass zu einer Revolution werden könnte. Und das wollte niemand von diesen Männern verantworten.[vi]
Der Hauptgrund
Der wichtigste Grund, warum die Schlussfolgerungen dieser Geologen heute keine Rolle mehr spielen, findet sich in den unterschiedlichen Weltanschauungen der beiden Lager. Eine Gruppe geht davon aus, dass, sollte es einen Gott geben, dieser nichts mit dieser Welt und der Menschheit zu tun hat. Dies hat zur Folge, dass jeder Mensch nur sich selber verantwortlich ist. Niemand kann ihm sagen, was er zu tun oder zu lassen hat.
Auf der anderen Seite gibt es eine Gruppe, die davon ausgeht, dass der Schöpfer dieses Universum nach seinen Regeln geschaffen hat. Nicht nur die Naturgesetze, sondern auch sagt, was richtig oder falsch ist. Gibt es einen Schöpfer, sind dessen Geschöpfe ihm verantwortlich. Er beurteilt uns entsprechend unseres Lebens.
Schlussfolgerung
Die Schlussfolgerungen der ersten Gruppe sind für viele Menschen sehr viel anziehender. Wer möchte nicht so leben, wie es ihm gefällt? Wer legt gerne Rechenschaft für sein Handeln ab? Die wenigstens Menschen werden das bei Thema Geologie und Alter der Erde so reflektieren. Doch letzten Endes ist ein altes Universum ein Universum ohne Gott und wäre diese Annahme richtig, wären wir nur uns selbst gegenüber verantwortlich.
Ist die Erde jedoch nur 6000 Jahre alt, hat Gott dieses Universum geschaffen. Eine junge Erde erfordert einen allmächtigen, allwissenden, allgegenwärtigen und ewig-guten Schöpfer, dem seine Geschöpfe Rechenschaft ablegen müssen. Tief in uns wissen wir alle, dass wir vor diesem Schöpfer nicht bestehen können – und Ihm nichts bringen können, da er schon alles hat. Eine ernüchternde Erkenntnis, die uns ins Nachdenken bringen sollte.
Aber diese Erkenntnis kann uns zu Jesus führen. Lassen wir Jesus in unser Leben, macht Er unsere Unvollkommenheit vollkommen und wir bestehen vor dem Heiligen Gott.
Die Frage nach dem Alter der Erde ist nicht nur eine geologische Frage, sondern auch eine zutiefst religiöse. Welche Antwort gibst du?
17 So sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben dürft, wie die Heiden leben in der Nichtigkeit ihres Sinnes. 18 Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens. 19 Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung ergeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben in Habgier. 20 Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt; 21 ihr habt doch von ihm gehört und seid in ihm unterwiesen, wie es Wahrheit in Jesus ist: 22 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. 23 Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn 24 und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Epheser 4: 17-24
[i] Dieser Artikel beruht auf der Doktorarbeit von Dr. Terry Mortenson, die unter dem Titel „The Great Turning Point“ Masterbooks. Green Forest. 3. Auflage, 2017, veröffentlicht wurde. Weitere Quelle: Ham, K.(edt.): “The New Answers Book 2“. Master Books. Green Forest. 12. Auflage 2014, Kapitel 11.
[i] Mortenson, T.: „The Great Turning Point”. Masterbooks. 3. Auflage, 2017. S.62
[ii] Ebd. S.60
[iii] Ebd. S. 179-193
[iv] Ebd. S. 215
[v] Dagegen spricht, dass Galileo Galilei alleine war, mit seiner Meinung, dass die Erde sich um die Sonne bewegt. Und er hatte trotzdem recht. In der Wissenschaft zählen Fakten, nicht Mehrheitsverhältnisse.
[vi] Mortenson, T.: „The Great Turning Point”. Masterbooks. 3. Auflage, 2017. S.220

2 Kommentare zu „Woher kommen die Millionen von Jahre?[i] – Schrifttreue Geologen“
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