Woher kommen die Millionen von Jahre? – Aktualismus und Katastrophismus


Nur ungefähr 4% aller Kirchgänger begründen ihr Weltbild mit Gottes Wort[i]. Logischerweise folgt daraus, dass die meisten Menschen, die im von der Bibel geprägten Westen leben, nicht davon ausgehen, dass unsere Erde nur ungefähr 6000 Jahre alt ist. Fragt man gezielt nach, reichen die Antworten von „Darüber mache ich mir keine Gedanken, (ich brauche nur Jesus)“ über „Na ja, so wichtig ist das nicht, die ersten Kapitel der Bibel sind nicht so wichtig“ bis zu den eher seltenen Antworten, die versuchen die Schlussfolgerungen von Geologen mit dem Text in Gottes Wort zu harmonieren. Fragt man dann in dieser Gruppe nach, woher die Geologen ihr Wissen über das Alter der Erde haben, erhält man erstaunlicherweise oft keine Antwort. Im ersten Teil dieser Serie haben wir uns angeschaut, wer Charles Lyell, den Begründer der These „Die Gegenwart ist der Schlüssel zur Vergangenheit“, beeinflusst hat. Dieser zweite Teil beschäftigt sich mit weiteren Einflüssen auf Charles Lyells Werk und sucht Antworten auf die Frage, wie gut diese Werke begründet sind.

Teil 1 Geschichte der Geologie | Teil 3 Schrifttreue Geologen

Nils Steno

Vor James Hutton und Charles Lyell macht sich der Däne Niels Steensen (Steno) (1638-1668), Gedanken über den Aufbau unserer Erde. Er vertraute dem Wort Gottes und drückte in seinen Glauben in eine etwa 6000 Jahre alte Erde in seiner Dissertation „Prodromus“ aus[ii]. Seine Grundannahme war, dass die Sedimentgesteine unserer Erde während des Flutjahres zur Zeit Noahs abgelagert wurden. Er ist der Begründer des „Superpositionsprinzips“, das sagt, dass sich die Gesteinsschichten nacheinander abgelagert haben. Die unterste Gesteinsschicht wurde zuerst abgelagert, alle weiteren Schichten folgen darauf. Über das nächste Jahrhundert bestätigten der englische Geologe John Woodward (1665-1722) und der deutsche Geologe Johann Lehmann (1719-1767) in ihren Werken die Schlussfolgerungen von Niels Steensen[iii].

Comte de Buffon

In den späteren Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts kamen, hauptsächlich aus Frankreich, die ersten geologischen Werke, die die Entstehung der Gesteinsschichten der Flut zur Zeit Noahs ablehnten. In seinem Werk „Les époques de la nature“ (1779) stellte Comte de Buffon (1707-1788) die Hypothese auf, dass sich unsere Erde über 75 000 Jahre[iv] von einem heißen geschmolzenen Ball in den uns bekannten Zustand entwickelt hätte. Comte de Buffon lehnte den Schöpfungsbericht in Gottes Wort ab. Ausgehend davon stellte er die Hypothese auf, dass die Sonne von einem Kometen getroffen wurde. Dabei soll Materie aus der Sonne herausgeschleudert worden sein. Teil dieser Materie wurde zu einem heißen geschmolzenen Ball, der Erde. Im Labor erhitze er dann Eisenkugeln und maß deren Abkühlgeschwindigkeit. Aus diesen Messergebnissen extrapolierte er dann das Alter unserer Erde. Er führt in „Époques“ keine Beobachtungen und Messungen in der Natur an, die in zu seiner Hypothese führten.

Nebularhypothese und Evolution

Der Astronom Pierre Laplace (1749-1827) suchte Antworten auf den Ursprung unserer Erde nicht in Gottes Wort, sondern in der Philosophie. Er nahm einen Gedanken von Immanuel Kant (1724-1804) auf, dass unser Sonnensystem aus einer riesigen, glühenden Wolke aus Gas uns Staub entstanden sei. Laplace‘ sogenannte Nebularhypothese erforderte auch viele tausend Jahre, bis die Erde bewohnbar geworden sei. Diese neuen Weltenstehungsmodelle gaben dann auch der Hypothese von der Entwicklung des Lebens eine Grundlage. Noch vor Charles Darwin schrieb Jean Lamarck (1744-1829) in seinem Werk „Philosophie zoologique“ (1809) davon, dass sich das Leben über lange Zeiträume entwickelt hätte.

Abraham Werner

Der deutsche Geologe-Mineraloge Abraham Gottlob Werner (1749-1817) beschäftigte sich mit den Ablagerungen von Gesteinsschichten. Er überlegte sich, dass sich die Gesteine der Erdkruste durch ausfällen eines sich zurückziehenden Ozeans über einen Zeitraum von ungefähr einer Million Jahre gebildet hätten. Seine elegante und schlichte Theorie scheint einleuchtend aber sie übersieht die in den Gesteinen eingeschlossenen Fossilien, die nur innerhalb sehr kurzer Zeiträume gebildet werden können. Werners Arbeit hatte großen Einfluss auf die Geologen des 19. Jahrhunderts und wird bis heute in Vorlesungen und Seminaren im Geologie Studium erwähnt.

Werner, Hutton gegen Georges Cuvier

Huttons „Gegenwart als Schlüssel zur Vergangenheit“ erhielt Gegenwind vom Paläontologen Georges Cuvier (1768-1832). Cuvier beschäftigte sich mit Fossilien und kam zu dem Schluss, dass lange Zeiträume zur Entstehung derselben kontraproduktiv sind. Aus diesem Grund überlegte er sich eine Vergangenheit des Katastrophismus. Der Katastrophismus erklärt die Entstehung der Gesteinsschichten mit vielen Überflutungskatastrophen der Erde, denen viele Äonen ohne große geologische Veränderungen folgen. Cuvier lehnte die Berichte in den ersten elf Kapiteln der Bibel ab, sein Modell erlaubte es aber, die Flut zur Zeit Noahs als die erste Überflutungskatastrophe nach der Erschaffung des Menschen zu sehen.

Charles Lyell

Der Katastrophismus konnte sich bis ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts gegen den Aktualismus behaupten. Nach der Veröffentlichung von Lyells „Principles of Geology“, die auf den Ideen von Hutton beruhten, verlor der Katastrophismus beinahe jede Bedeutung. Lyell bestand darauf, dass nur momentan beobachtbare geologische Prozesse als Grundlage für die Bewertung von Gesteinsschichten hergezogen werden dürfen. Flutkatastrophen kontinentaler oder gar globaler Stärke habe es nie gegeben.

Charles Lyells Beitrag zur Geologie war der letzte Schlag gegen alle die Geologen, die noch an einer weltweiten Flut zur Zeit Noahs festhielten. Die in der Bibel festgehaltenen Augenzeugenberichte über die Flut spielten in der Geologie keine Rolle mehr. Wenn es noch Geologen gab, die daran festhielten, gingen diese nicht mehr davon aus, dass sie geologisch eine bedeutende Rolle spielte. Schon zu Ende des 19. Jahrhunderts gingen beinahe alle Geologen davon aus, dass die Erde hunderte von Millionen von Jahren alt sei. Alle bekannten Datierungsmethoden, z.B. radiometrische Datierungsmethoden beruhen auf diesen Annahmen, die nun schon über 120 Jahre Grundlagen der Geologie sind.

Schrifttreue Geologen

Doch in England und in Amerika gab es noch eine Gruppe von Geologen, die Scriptural Geologists („Schrifttreue Geologen“) genannt wurden. Bezeichnenderweise gibt es für diese Gruppe von Geologen keine offizielle Übersetzung, zum Beispiel auch keinen Eintrag in der Wikipedia. Mit ihren Argumenten gegen den Aktualismus und ihren geologischen Beobachtungen wird sich Teil drei dieser Serie beschäftigen.

Denn wir vermögen nichts wider die Wahrheit, sondern nur etwas für die Wahrheit.

2 Korinther 13: 8

Dieser Artikel beruht auf der Doktorarbeit von Dr. Terry Mortenson, die unter dem Titel „The Great Turning Point“ Masterbooks. Green Forest. 3. Auflage, 2017, veröffentlicht wurde. Weitere Quelle: Ham, K.(edt.): “The New Answers Book 2“. Master Books. Green Forest. 12. Auflage 2014, Kapitel 11.

[i] Barna Studie 2003: Nur 9% aller Menschen, die bekennen, eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus zu haben, begründen ihr Weltbild mit Gottes Wort. Barna, “A Biblical Worldview Has a Radical Effect on a Person’s Life,” December 3, 2003, https://www.barna.com/research/a-biblical-worldview-has-a-radical-effect-on-a-persons-life/. Eine Barna Studie aus dem Jahr 2023 kam zu ähnlichen Ergebnissem:  Arizona Christian University, February 28, 2023, https://www.arizonachristian.edu/2023/02/28/biblical-worldview-among-u-s-adults-drops-33-since-start-of-covid-19-pandemic/.

[ii] Winter, J.G.: „The Prodromus Of Nicolaus Steno’s Dissertation”, 1916. Reprint bei Kessinger Publishing.

[iii] Woodward, J: An Essay Toward a Natural History of the Earth. 1695 / https://www.britannica.com/biography/Johann-Gottlob-Lehmann

[iv] Seine unveröffentlichten Skripte geben diese Zahl mit 3 000 000 Jahren wieder.

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