Ist Ostern ein heidnisches Fest?

Nicht nur Personen, die den Glauben an Jesus ablehnen, sagen, dass das Wort „Ostern“ aus heidnischen Zeiten kommt. Dies ist mit ein Grund warum viele Christen vom „Auferstehungsfest“ sprechen und es vermeiden den Auferstehungssonntag als Ostern zu bezeichnen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es in vor allem in christlichen Kreisen eine Diskussion darüber, ob man das Wort Ostern für den Auferstehungssonntag verwenden sollte. Dazu kommt, dass es auch den Vorwurf gibt, das Osterdatum liege auf einem heidnischen Festtag. Doch schaut man in die Geschichte, fällt dieser Vorwurf flach. (Was hat der Mond mit dem Osterdatum zu tun?) Dieser Artikel untersucht die Behauptung, dass das Wort Ostern von der Kirche aus einem heidnischen Hintergrund entlehnt wurde.

Ein heidnischer Hintergrund?

Es gibt einige Quellen, die das Wort „Ostern“ mit einer angelsächsischen Göttin namens Eostre (auch: Estre, Estara, Eastre, Ostara und ähnliche Verschriftlichungen) verbinden. Es wird angenommen, dass sie die Göttin der Morgendämmerung war und im Frühjahr von heidnischen Kulten in Nordeuropa und den (heutigen) britischen Inseln angebetet wurde. Der schottische Pfarrer Alexander Hislop (1807 – 1865) stellte eine Verbindung von Eostre mit den den babylonischen Göttinnen Ishtar, Aschera und der römischen Göttin Venus her. A. Hislop argumentiert in seinem Buch „Die zwei Babylon“ (1858), dass alle Götter und Göttinnen der Antike ihren Ursprung in Nimrod und seiner Frau Semiramis beim Turm zu Babel haben. Er schreibt, dass jeder höchste Gott ein Abbild von Nimrod, jede höchste Göttin ein Abbild von Semiramis sei.

Auch der Autor Ralph Woodrow stellte in seinem Buch „Babylon Mystery Religion“ (1966) eine Verbindung zwischen nordeuropäischen und babylonischen Göttern her. Seine Quelle für diese Hypothese ist hauptsächlich A. Hislops „Die zwei Babylon“. Beiden Büchern ist eigen, dass sie eine Verbindung der römisch-katholischen Kirche zum Götzendienst an unterschiedlichsten Götzen aufzeigen wollen. Nicht alle der Hypothesen in beiden Büchern sind ausreichend belegt und dazu gehört auch die Verbindung von Eostre zu antiken Göttinnen.

Doch schon etwa 750 Jahre nach Jesus Auferstehung listet Beda Venerabilis (672/673 – 735) in seiner „Kirchengeschichte des englischen Volkes“ (Historia ecclesiastica gentis Anglorum, ca. 731) die Namen verschiedener Göttinnen, die von den frühen Sachsen angebetet wurden. Er stellt fest, dass das Fest der Eostre im Monat ihres Namens gefeiert wurde. Er schreibt:

„Eosturmanath (Der Eostre-Monat) heißt nun der „Passa Monat, welcher einstmals nach einer ihrer Göttinnen benannt war, die Eostre hieß. Zu Ehren dieser wurden Feste in diesem Monat gefeiert. Nun bezeichnen sie die Passazeit mit ihrem Namen, und nennen die [Auferstehungsfeier] beim Namen der älteren Tradition“ [i] (Eigene Übersetzung).

Diese Beschreibung wird etwa 1100 Jahre später von Jakob Grimm, bekannt als einer der Brüder Grimm, bestätigt. Jakob Grimm war ein herausragender Sprachwissenschaftler (Linguist), der die Geschichten, Sprachen und Traditionen der Germanischen Völker studierte und aufzeichnete. In seiner „Deutsche Mythologie“ (1835) bezieht er sich auf Bede:

„Den april benennen wir noch heute ostermonat, und schon bei Eginhart [Bede] findet sich ostarmanoth, das heilige fest der Christen, dessen tag gewöhnlich in den april oder den schlußs des merz fällt, trägt in den frühsten ahd. Sprachdenkmälern den namen ostara,“ [ii]

Er führt weiter aus, dass „alle uns benachbarten völker haben die benennung pascha beibehalten,“ [iii]

Auch wenn manche Sprachwissenschaftler Eostre als Erfindung von Bede ansehen und die Verbindungen verwerfen, können die Forschungen von Jakob Grimm und die Qualität von Bede nicht von der Hand gewiesen werden. J. Grimm stellte eine eindeutige Verbindung zwischen dem angelsächsischen Eastre und dem deutschen Ostra her. Die Wortwurzel beider Wörter ist aus das Osten, scheinen und Morgenröte bedeuten kann.

Gibt es noch andere Ursprünge für das Wort „Ostern“?

Im Jahr 1847 veröffentlichte Christian F. Cruse eine Übersetzung des Werkes des Kirchenvaters Eusebius[iv]. Auf Seite 221 stellt er eine Verbindung des alt-germanischen Wortes „auferstehn“ mit Ostern her. Auch Nick Sayers argumentiert in gleicher Form in seinem Essay „Warum wir Ostern nicht Passa machen sollten.“ [v]

Schaut man sich die ältesten Übersetzungen von Gottes Wort in die deutsche oder englische Sprache an, stellt man fest, dass das hebräische pessach (פֶּסַח) auf griechisch mit passa (πάσχα) übersetzt wurde, woher unser Passa kommt. Während John Wycliff in der ersten englischen Übersetzung (1382) das Wort nicht übersetzte, wählte Martin Luther 1522 einen anderen Weg und gab es mit Ostern wieder, wenn es um Bezüge zum pessach vor und nach der Auferstehung von Jesus ging. Auch William Tyndale wählte 1525 in seiner Übersetzung ins Englische diesen Weg Martin Luthers.

Ab 1500 hatte sich offensichtlich die Sprache so gewandelt, dass Martin Luther und auch Tyndale keine Schwierigkeiten damit hatten, das Auferstehungsfest mit Ostern wiederzugeben. Anscheinend stellten sie keine Verbindung zu einer angelsächsischen oder germanischen Göttin mehr her.

Kann sich die Bedeutung von Wörtern ändern?

Die Bedeutung von Wörtern kann sich im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten ändern. Ein gutes Beispiel sind die Monatsnamen. Im Juli denkt keiner an Julius Cäsar, der dem Namen den Monat gab, noch sind sich die meisten Menschen bewusst, dass der September der „siebte Monat“ ist oder der Oktober der „achte Monat“. Selbst wenn das Wort „Ostern“ auf eine heidnische Göttin zurückgeht, scheint dies schon im 16. Jahrhundert keine Bedeutung für die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung mehr gehabt zu haben und Luther sah kein Problem darin, dieses Wort für den Auferstehungstag Jesus‘ zu nehmen – in der Bevölkerung war dies offensichtlich schon so, denn Luther „schaute [bei seiner Übersetzung] den Menschen aufs Maul“[vi].

Welches Wort soll ich verwenden?

Viele Christen verwenden mit gutem Gewissen das Wort „Ostern“ für den Tag, an dem Jesus auferstanden ist, ganz einfach deshalb, weil sie dieses Wort eben mit der Auferstehung unseres Herrn Jesus verbinden. Andere verwenden für diesen Tag das Wort „Auferstehungsfest“, denn dies drückt ganz unmissverständlich aus, was wir Christen an diesem Tag feiern. In einer Zeit, in der die meisten Menschen das „Osterwochenende“ mit Osterhasen, gefärbten Eiern und Urlaub verbinden, ist es eine gute Möglichkeit diesen Menschen zu sagen, dass wir einen christlichen Feiertag halten, an dem wir uns daran erinnern, dass Gott selbst am Kreuz an unserer Stelle für unsere Sünden starb, damit wir in seiner Auferstehung mit Ihm leben können.

7 Darum schafft den alten Sauerteig weg, auf dass ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja ungesäuert seid. Denn auch unser Passalamm ist geopfert, das ist Christus.

1 Korinther 5:7

Dieser Artikel beruht auf einem Beitrag von Roger Patterson. Er studierte Biologie auf Lehramt an der Montana State University und unterrichtet acht Jahre Biologie und Chemie an High Schools.  Er ist Autor der Bücher Evolution Exposed: Biology und Evolution Exposed: Earth Science und arbeitet für Answers in Genesis als Entwickler von Lehrplänen und als Assistent für Online Unterricht. Auf Answers.tv ist er Gastgeber der Show Unlocking Science.


[i] Bede: The Reckoning of Time, trans. Faith Wallis, vol. 29, Translated Texts for Historians (Liverpool: Liverpool Univ. Press, 1999), 54.

[ii] Grimm, J: Deutsche Mythologie. Göttingen: Dieterich. 1835 https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10435144?page=214,215

[iii] Ebd.

[iv] Eusebius of Caesarea, An Ecclesiastical History to the Twentieth Year of the Reign of Constantine, 4th ed., trans. Christian F. Cruse (London: Oxford Univ. Press, 1847)

[v] Nick Sayers, “Why We Should Not Passover Easter,” http://www.easterau.com.

[vi] https://www.luther2017.de/reformation/und-gesellschaft/deutsche-sprache/wem-hat-luther-aufs-maul-geschaut-luthers-einfluss-auf-die-sprache/