Am Tag vor dem Martinstag wurde im Jahr 1483 in Eisleben ein Junge geboren. Seine Eltern hießen Margaret und Hans Luther[i]. Gleich am Tag darauf wurde der Junge zu Ehren von St. Martin auf den Namen Martin Luther getauft. Nur 19 Jahre später bestand er sein Bakkalaureats-Examen[ii], drei Jahre später erhielt er seinen Magister[iii] und im Jahr 1512 wurde ihm von der Universität in Wittenberg der Doktor der Theologie verliehen. Sein Doktortitel gab ihm das Recht, das Wort Gottes zu lehren. Wie sein Namenspatron Martin, sollte auch Martin Luther in die Kirchengeschichte eingehen: Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte er seine 95 Thesen zum unbiblischen Ablasshandel[iv] und startete so die Reformation. Martin war es wichtig, dass die Worte Gottes so gelehrt wurden, wie sie aufgezeichnet waren und seine Studien zeigen, dass er den Schöpfungsbericht als eine der grundlegenden Wahrheiten des Wortes Gottes sah[v].
Dass Gottes Wort nicht vergeht (Matthäus 24:35) und der Prediger (1:9-10) recht hat, wenn er sagt, dass „nichts Neues unter der Sonne [geschieht]“ sieht man daran, dass auch Martin Luther damit rang, dass Theologen den Schöpfungsbericht in 1 Mose 1 und 2 anzweifelten und nur als Allegorie oder auch eine „biblische Historiengattung“ darin erkennen wollten. Hintergrund dieser Deutungen waren hauptsächlich die Schriften von Titus Lucretius Carus[vi] (99 v.Chr. – 55 n.Chr -> Angaben variieren) der schrieb, dass „Nichts jemals nur aus göttlicher Kraft heraus geschaffen werden kann … der Gedanke, dass sie (die Götter) die Welt in all ihrer Schönheit für den Menschen geschaffen haben … ist schlicht Unfug!“
Gibt es einen Gott?
Lucretius Schriften[vii] machen deutlich, dass er das Wort Gottes ablehnte. Er schrieb, dass der Ursprung der Dinge (des Universums) ohne die Existenz eines Gottes erklärt werden könne. Allein durch „natürliche Vorgänge“. Die Frage stellt sich, wie das Nichts „natürliche Vorgänge“ in Gang setzen könnte.
Lucretius Ziel war es, die Existenz eines Gottes (bzw. auch Götter) wegzuerklären, denn dann hätten die Menschen keine Angst mehr davor falsch zu handeln und würden sich in völliger Freiheit entwickeln und sich so verhalten, wie es ihnen gefällt. Man stellt hier fest, dass der moralische Relativismus gar nicht so modern, sondern mindestens genauso alt ist, wie die Berichte über das Leben von Jesus, die Evangelien. Gottes Wort behält Recht: „es geschieht nichts Neues unter der Sonne.“
Ursprung des Guten
Um die Existenz Gottes wegzuerklären spekulierte Lucretius darüber, dass sich Leben spontan in einer „Ursuppe“ aus toter Materie entwickelt hätte und spinnt von dort die Geschichte einer evolutionären Entwicklung der unterschiedlichen Arten auf dieser Erde. Auch hier fällt auf, dass die „moderne“ Evolutionshypothese geschichtlich gesehen uralt ist und dazu durch das Gesetz der Biogenese (Leben entsteht nur aus Leben – Louis Pasteur[viii]) schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts (bald 200 Jahre lang) widerlegt ist.
Auch die Entwicklung des Menschen beschrieb der antike Lucretius aus primitiven Wesen, die starke Knochen und kräftige Sehnen hatten. Diese „frühen Menschen wussten noch nicht, wie man Feuer macht, konnten nicht kommunizieren, kannten keine Kleidung und lebten unter Büschen“. Viele kleine Veränderung führten dann, laut Lucretius‘ Vorstellung, zum gegenwärtigen Menschen. Auch hier fällt auf, dass wie heute, auch der Mensch in der Antike davon ausging, dass seine Vorfahren weniger weit entwickelt waren wie er selbst. Auch die moderne Anthropologie ist offensichtlich schon deutlich älter, als sie vorgibt zu sein.
Martin Luther kannte die Schriften Lucretius und der Griechen und Römer (und konnte diese im Original lesen und verstehen). Er warnte seine Kollegen davor, dass diese menschlichen Ideen Einfluss auf Ihre Auslegung des Wortes Gottes nahmen: „Unter den Hebräern, den Lateinern oder den Griechen gibt es keinen Führer in diesen Dingen (dem Ursprung der Welt), dem wir mit Gewissheit folgen können.“ Martin Luther stellte das Wort Gottes über die Worte von Menschen, auch wenn diese Menschen noch so angesehen und berühmt waren.
Martin Luther musste sich, genauso wie auch wir heute, mit den Narrativen der Anhänger der (einer) Evolutionslehre auseinandersetzen. So wie er sollten auch wir diesen menschlichen Narrativen (Erzählungen) das Wort Gottes gegenüberstellen.
Sehr oft zitierte Martin aus dem Schöpfungsbericht, wenn er die Klarheit des Wortes Gottes verdeutlichen wollte. Er akzeptierte Mose als den Autor der ersten fünf Bücher der Bibel und zeigte, dass auch das erste Buch Mose vollständig Wort Gottes ist, ohne Abstriche. Er folgerte, dass die Welt „noch keine 6000 Jahre alt ist“, und erklärte, dass „die Philosophen [Wissenschaftler] dies niemals akzeptieren werden, da sich ihre Arbeit auf den menschlichen Verstand verlässt, der blind, taub, widersinnig, gottlos und frevelhaft ist, wenn er sich mit Gottes Wort und Seinen Werken beschäftigt.“
Wie alt ist die Erde?
Sitzen wir nach dem Laternenlauf bei einer Tasse heißer Schokolade und einer Brezel in der Runde, dann dürfen wir uns nicht nur an Martin von Tours erinnern, der in beinahe ganz Frankreich das Wort Gottes verkündete, Menschen zu Jesus führte und Kirchen gründete, sondern auch an Martin Luther, der das Wort Gottes über die Erzählungen von Menschen stellte.
12 Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. 13 Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft geben müssen.
Hebräer 4: 12-13
Laternenfest – zu Martins Ehr?
[i] Der Familienname leitet sich vom griechischen |eleutheros| ab, was |frei| bedeutet. Hans Luther benutzte vorübergehend die Form Eleutherios („Der Freie“) als Familienname.
[ii] Bachelor oder auch 1. Staatsexamen.
[iii] Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie – die sieben freien Künste
[iv] Ob er seine 95 Thesen tatsächlich am Vorabend von Allerheiligen an die Kirchentür von Wittenberg nagelte, oder nur an diesem Tag veröffentlichte, wird bis heute diskutiert.
[v] Grundlage des/ der Artikel: J.P. Pelikan and H. Lehmann, ed., ‘Luther’s Works’ American Edition, 55 Volumes, Volume 1, ‘Lectures on Genesis, Chapters 1-5’ St. Louis, Concordia Publishing House; Philadelphia, Fortress Press, 1955
[vi] https://de.wikipedia.org/wiki/Lukrez
[vii] De rerum natura – https://www.hs-augsburg.de/~harsch/Chronologia/Lsante01/Lucretius/luc_rer0.html – die frühesten erhaltenen Manuskripte stammen aus dem 9. Jahrhundert (etwa 800 Jahre nach Abfassung): https://deutsch.wikibrief.org/wiki/De_rerum_natura
