Wäm karsch au du? – Wem gehörst Du?

„Wäm karsch au du?“ Ich nehme mal an, dass diese Frage seit Generationen auf Dörfern zur Kultur gehört. Bestimmt erinnert ihr euch an eure Kindheit, oder ihr stellt Kinder- und Jugendlichen mittlerweile selbst diese Frage. Wo kommst du her, wer bist du. Schon in unserem Kulturkreis ist diese Frage von Bedeutung, wo nach dem Namen in der Regel nach dem Beruf gefragt wird. Wieviel mehr ist die Frage der Herkunft in Kulturkreisen von Bedeutung, in denen der Berufstitel eine untergeordnete Rolle spielt. Eine Kultur, in der die Herkunft bzw. die Abstammung eine sehr wichtige Rolle spielt, ist die jüdische Kultur. Das AT liefert uns im 1. Buch Mose und insbesondere in den Chroniken eine ganze Palette von Abstammungstafeln. Im NT finden wir bei Lukas und Matthäus gleich zwei Abstammungstafeln, oder besser gesagt Genealogien von Jesus. Die Genealogie bei Lukas geht von Jesus zurück auf Adam. Bei Matthäus ist er aufsteigend beginnend bei Abraham. Die Genealogie von Matthäus wollen wir heute genauer betrachten.

Hier kannst Du Matthäus 1,1-17 lesen.

Namen über Namen, die sich schier endlos aneinanderreihen. Zugegeben, dieser Abschnitt klingt jetzt nicht sonderlich spannend. Aber auch diese Genealogie ist Gottes Wort, durch welches Gott zu uns redet.

Jesus, der Anfang der neuen Schöpfung

Diese Geschlechtsregister oder Genealogien finden wir schon im 1. Buch Mose. Im Hebräischen werden sie „toldots“ genannt. Es sind nicht nur Namenslisten, sondern lesen sich wie ein Geschichtsbuch. Allerdings nicht über die Person selbst, sondern was aus den Nachfahren dieser Person geworden ist. In 1. Mose 5,1 haben wir einen solchen „toldot“: Dies ist das Buch der Geschichte Adams. Matthäus beginnt die Abstammungstafel Jesu also mit denselben Worten, die auch Mose wählte. Damit macht er zwei Dinge deutlich: Erstens: Genauso wie die Thora Heilige Schrift ist, ist mein Buch eine Heilige Schrift, von Gott inspiriert. Zum anderen wird stellt Matthäus der Geschichte Adams die Geschichte des zweiten Adams gegenüber. Der erste Adam brachte die Sünde in die Welt. Jesus, der zweite Adam nimmt die Sünde aus der Welt. Mit Jesus beginnt die neue Schöpfungsgeschichte.

Jesus, der Christus

Kirchenvater Papias von Hierapolis bezeugt, dass Matthäus sein Evangelium zunächst in hebräischer Sprache geschrieben hat. Das heißt, Matthäus richtet sich zuerst an sein Volk. Gleich zu Beginn will er seinen jüdischen Lesern klarmachen: „Dieser Jesus ist der Messias, auf den ihr wartet.“ Dies ist der von Gott gesalbte, der Auserwählte, der Israel von Sünde befreien und regieren wird. Das Warten hat ein Ende.

Der Messias ist gekommen, der sein Volk Israel regieren wird. Allerdings hatten viele Juden ihre eigenen Vorstellungen des Messias: Sie erwarteten einen Messias, der die Juden von der Herrschaft der Römer militärisch und politisch befreien würde. Doch ihre Hoffnung blieb unerfüllt. Dieser Jesus entsprach nicht ihren Vorstellungen eines politischen Messias der als Revolutionär sein Volk befreien und Israels Feinde vernichten würde.

Die Evangelien berichten uns von einem Messias, der als Baby in einem Stall zur Welt kommt. Einem Messias, der gekommen ist, anderen zu dienen. Einem Messias, der lehrt seine Widersacher zu lieben und zu vergeben. Einem leidenden Messias, der sein Leben für seine Feinde lässt. Kurzum: Dieser Messias, stellte die Vorstellungen vieler Juden, besonders der religiösen Elite auf den Kopf.

Im Internet, TV und Magazinen wird gerade in der Weihnachtszeit manches über Jesus berichtet und geschrieben: Ein guter Mensch, ein Beschützer der Armen und Unterdrückten, eine historische Person, ein Revolutionär, manche sehen in Jesus vielleicht denjenigen, der ihre (frommen) Wünsche in Erfüllung gehen lässt. Aber wenn wir Jesus wirklich kennenlernen möchten, wie er tatsächlich ist, müssen wir die Bibel aufschlagen.

Sie ist die einzig verlässliche und autorisierte Quelle die uns Auskunft über sein Leben und sein Wesen gibt. Ich bin tief beindruckt vom Zeugnis einer serbischen Studentin am Ende unserer Sommerfreizeit: Bisher dachte ich, Jesus ist nur eine historische Person, jetzt weiß ich, dass Er lebt.“ Welche Vorstellungen haben wir von Jesus?

Jesus, der Sohn Davids

Wir sind Zeuge der Erfüllung einer Weissagung, die der Prophet Nathan etwa 1000 Jahre zuvor an König David richtete: „Wenn deine Tage erfüllt sind und du bei deinen Vätern liegst, so will ich deinen Samen nach dir erwecken, der aus deinem Leib kommen wird, und ich werde sein Königtum befestigen. Der wird meinem Namen ein Haus bauen, und ich werde den Thron seines Königreichs auf ewig befestigen. (2. Samuel 7,12-13) Der Messias kommt aus der königlichen Linie Davids, des größten König Israels. Die Bezeichnung „Sohn Davids“ ist ein offizieller Titel für Jesus. Als diesen erkannte ihn beispielsweise der blinde Bartimäus in Jericho. (Kleine Randnotiz: Die sehenden geistlichen Führer des Volkes, lehnten ihn ab).

Matthäus führt als Beweis der königlichen Abstammung von David das Geschlechtsregister auf. Doch beim Vergleich der Genealogie von Matthäus und den Königsbüchern im AT fällt auf, dass Matthäus einige Könige weglässt.

Kannte Matthäus die Geschlechtsregister nicht? War es ein Versehen? Oder wollte der Evangelist hier etwas glattbügeln? Zum einen müssen wir berücksichtigen, dass das Wort „zeugte“ nur die Tatsache der Abstammung ausdrückt, nicht aber unbedingt ein Vater-Sohn-Verhältnis im engsten Sinn. Wir können auch fragen, welche Absicht Gott mit dieser Genealogie verfolgt.

Der Stammbaum ist in drei Teile mit jeweils 14 Generationen untergliedert. Das kommt nicht von ungefähr. Im Hebräischen werden den Buchstaben aufgrund ihrer Stellung im Alphabet bestimmte Zahlenwerte zugeordnet. Die Zahl 14 entspricht dem Zahlenwert von David. ד Daleth=4, ו Waw=6, ד Daleth=4. Da die Vokale im Hebräischen nicht geschrieben werden, liest sich hier das Wort David (דוד). Matthäus geht es also hier nicht um Vollständigkeit, sondern er möchte seiner jüdischen Leserschaft einen weiteren Hinweis geben, dass Jesus der Messias, der Sohn Davids ist. Mit der Zahl drei sieht Matthäus einen Hinweis auf den dreieinigen Gott, der seinen Heilsplan durch Jesus zum Ziel führt.

Jesus, der Sohn Abrahams

Wir sind wiederum Zeuge der Erfüllung der Prophezeiung Gottes an Abraham, etwa 2000 Jahre zuvor: „Und ich will dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf der Erde!“ (1. Mose 12,2-3). Die Bezeichnung „Sohn Abrahams“ war in Israel kein geläufiger Titel für den Messias. Warum verwendet Matthäus diese Bezeichnung hier?

Die gewaltige Zusage Gottes an Abraham, dass „durch ihn alle Geschlechter auf der Erde gesegnet werden“, stellt ganz zu Beginn des Evangeliums klar, dass Jesus nicht nur der verheißene Messias Israels ist, sondern auch der verheißene Segen für alle Völker.

Mit dem Beginn des Matthäusevangeliums spannt sich ein Bogen hin zum Ende zum Auftrag der Völkermission in Matthäus 28: „Gehet hin und macht alle Völker zu Jüngern“ Wie sind wir als Gemeinde in diesen Auftrag involviert? Wie ist mein persönlicher Beitrag zu diesem Auftrag?

Jesus, der Menschensohn

Nun nennt Matthäus einzelne Namen der messianischen Königslinie. Zunächst sind es nur Namen. Aber jeder Name ist mit einer Geschichte verbunden. Über die Geschichten hinter einigen dieser Namen berichtet uns das AT (z. B. Patriarchen und Könige).

Ab dem babylonischen Exil erfahren wir nichts über die Geschichten hinter den aufgeführten Namen. Die Zeit ist zu kurz, um alle bekannten Geschichten aufzuzählen.

Eines fällt jedoch auf. Matthäus erwähnt fünf Frauen, was für eine jüdische Stammtafel eher ungewöhnlich ist. Außer Maria sind alle Frauen Heidinnen, also keine Jüdinnen. Tamar und Rahab waren Kanaaniterinnen. Ruth war Moabiterin und Batseba galt durch ihre Ehe mit Uria als Hethiterin. Die Kanaanäer sind nach der Abstammungstafel in 1. Mose 10 Nachfahren Hams, die Moabiter sind Nachfahren Sems und die Hethiter wiederrum sind Nachfahren Hams. So vereinigt Jesus schon durch seine Abstammung mehrere Völker aus 1. Mose 10 in sich. Dadurch wird deutlich: Jesus hat Bedeutung für die ganze Menschheit. Das Evangelium gilt allen Völkern.

Auf allen diesen Frauen lastet die Anklage der Sünde. Tamar hurte mit ihrem Schwiegervater Juda. Rahab war berufsmäßig eine Prostituierte. Ruth handelte anstößig, als sie sich nachts zum angetrunkenen Boas auf die Tenne legte. Batseba beging mit David Ehebruch. Maria aber wird aus jüdischer Sicht vorgeworfen, sie habe Jesus von einem unehelichen Vater empfangen. Jesus ist also der Erbe eines schuldbeladenen Geschlechts. Er tritt mitten hinein in die Sündenlinie der Menschen. Nur Jesus ist ohne Sünde.

Gott hätte sicher andere Möglichkeiten gehabt, Jesus zur Welt kommen zu lassen. Aber er wählte diesen Weg, indem er diese Frauen und Männer in seinen Heilsplan eingefügt. Und am Ende seines irdischen Lebens stirbt der Messias stellvertretend für ihre Sünde, meiner und deiner Sünde und der gesamten Menschheit. Mit Jesus beginnt die neue Schöpfung.

Jesus, der Sohn Gottes

Die Abstammungstafel von Jesus ist bei Matthäus am Anfang und am Ende durch zwei übernatürliche Ereignisse eingerahmt, die deutlich machen, dass Jesus, der Sohn Gottes ist. Am Beginn lesen wir, dass Abraham Isaak zeugt. Doch wir wissen von seiner Frau Sarai, dass sie unfruchtbar war. Sie konnte keine Kinder bekommen. Überhaupt war sie schon längst über das gebärfähige Alter hinaus. Erst durch das übernatürliche Eingreifen Gottes gebar sie im Alter von 90 Jahren Isaak. Matthäus erwähnt neben der Zeugung Isaaks noch weitere 38-mal die Zeugung eines Sohnes. Doch am Ende schreibt er: „Jakob zeugte den Joseph, den Mann der Maria, von welcher Jesus geboren ist, der Christus genannt wird.“ Jesus wird nicht von Joseph gezeugt. Joseph ist nicht der leibliche Vater Jesu. Seine Mutter Maria hat Jesus als Jungfrau empfangen und geboren.

Jesus stammt aus Gott. Jesus ist der Sohn Gottes. Ohne die Jungfrauengeburt, wäre Jesus nicht der Sohn Gottes, sondern nur der Sohn von Menschen. Damit wäre Jesus selbst ein Sünder und hätte sein Erlösungswerk am Kreuz nie ausrichten können. Es hätte nie eine Auferstehung gegeben. Wir würden in unserer Sünde bleiben. Wir wären alle verloren, weil wir keine lebendige Hoffnung hätten. Darum ist die Jungfrauengeburt so wichtig.

Ich komme zum Ende:

Jesus, der Anfang der neuen Schöpfung. Jesus, der Christus. Jesus, der Sohn Davids. Jesus, der Sohn Abrahams. Jesus, der Menschensohn. Jesus, der Gottessohn.

Amen.

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