Ein übernatürliches Zeichen am Himmel?

Eine außergewöhnliche Himmelserscheinung führt eine Gruppe von Männern mehrere hunderte Kilometer in ein entferntes Land, zu einem Haus mit einem Kleinkind. Sie geben diesem Kind teure Geschenke und beten es an. Aufgrund eines Traumes brechen die Männer ihr Versprechen an einen König und verlassen stillschweigend und heimlich das besuchte Land und kehren nach Hause zurück. Was hat diese Männer bewogen, auf eine lange Reise zu gehen, teure Geschenke zu machen, ein Kleinkind anzubeten und dann einen König vor den Kopf zu stoßen und eventuell diplomatische Verwicklungen zu riskieren?

Beim Lesen des Berichts über die „Weisen aus dem Morgenland“ (Matthäus 2: 1-12) kann man einige Fragen stellen, die interessante Antworten haben: Was war der Stern? Woher kannten die Weisen dessen Bedeutung? Wie führte der Stern die Männer zum Haus, wo Joseph, Marie und Jesus waren? Und weshalb bewog dieses Zeichen die Männer, ein Kleinkind anzubeten?

Gewöhnliche Erklärungen

Für gewöhnlich werden uns bekannte Himmelserscheinungen zur Erklärung des Sterns herangezogen: Eine Supernova, eine Konjunktion von Planeten, bzw. Planeten und Sternen (z.B. Jupiter und Regulus im Sternbild Löwe). Doch während alle diese Erscheinungen spektakulär sind und die Geburt von Jesus angemessen angekündigt hätten, passen diese Erscheinungen nicht zum Bericht in Matthäus 2. Diese Erscheinungen „gehen nicht voran“, noch bleiben sie „über einem Ort stehen“ (Matthäus 2:9). Aufgrund der Erdrotation bewegen sich alle Himmelserscheinungen (auch die „Fixsterne“); sie gehen im Osten auf und im Westen unter oder drehen sich um den Himmelspol, den Nordstern. Im Bericht lesen wir jedoch auch nichts darüber, dass es eine natürliche Himmelserscheinung war.

Selbstverständlich nutzt Gott Naturgesetze um seinen Willen zu tun. Naturgesetze hat Gott geschaffen, um das Universum und das Leben darin zu erhalten, allerdings ist ER nicht an die Naturgesetze, die er schuf, gebunden. In Josua 10 können wir lesen, wie Gott Naturgesetze außer Kraft setzt, um Israel zum Sieg gegen seine Feinde zu führen[i].  

Auch die Jungfrauengeburt von Jesus kann nicht innerhalb der bekannten Biologie erklärt werden. Jesus‘ Geburt war ein außergewöhnliches, übernatürliches Ereignis und daher sollte es uns nicht überraschen, wenn Jesus‘ Geburt von einer übernatürlichen Himmelserscheinung angekündigt wurde, die Gott genau für diesen Tag schuf.

Woher wussten die Weisen von dem Stern und seiner Bedeutung?

Im ersten Satz des Berichtes lesen wir, dass die Weisen aus dem „Morgenland“, dem „Land im Osten“ kamen. Dort wohnten die Babylonier und Perser. In beiden Völkern hatte der Prophet Daniel wichtige Regierungsämter inne, unter anderem war er der höchste Zeichendeuter (Daniel 5:11). Es wird nicht berichtet, ist aber plausibel, dass Daniel den Beamten in Babylon und Persien die Schriften unseres Alten Testamentes nahegebracht hat, und dieses Wissen weitergegeben wurde. Darunter auch die Prophezeiung in 4 Mose 24:17, dass „ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen [wird]“. Als dann hunderte Jahre später tatsächlich ein außergewöhnlicher Stern erschien, machten die Nachfahren der Sterndeuter zu Daniels Zeiten die richtigen Verbindungen und machten sich auf den Weg, das angekündigte „Zepter aus Israel“ anzubeten.

Natürlich oder übernatürlich?

Die Weisen scheinen laut dem Bericht die einzigen Personen gewesen zu sein, die den Stern sahen – oder waren zumindest die einzigen, die seine Bedeutung erkannten. Im Matthäusbericht lesen wir, dass Herodes fragen musste, wann die Weisen den Stern zum ersten Mal sahen (Matthäus 2:7). Ist es tatsächlich der Fall, dass nur die Weisen den Stern sahen, unterstützt dies die Hypothese, dass der Stern ein übernatürliches, göttliches Zeichen war und keine natürliche Himmelserscheinung, die von vielen Menschen beobachtet worden wäre.

Was uns Matthäus noch wissen lässt

Die Weisen kamen nicht in der Nacht der Geburt zu Jesus. In Vers 11 lesen wir, dass sie in „das Haus“ |οἰκία| gingen. Im Bericht von Lukas befinden sich Maria, Joseph und Jesus in einem Gastzimmer |κατάλυμα|. Dazu wird Jesus im Lukasbericht als Säugling  |βρέφος| bezeichnet, Matthäus verwendet jedoch den Begriff Kind |παιδίον| für ihn. Dass Herodes alle zweijährigen Kinder und die jüngeren ermorden ließ, ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Weisen mindestens ein Jahr (maximal zwei Jahre) nach dem ersten Erscheinen des Sterns in Jerusalem ankamen [A].

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Zu dieser Zeit war es nur logisch, dass die Weisen in der Hauptstadt Jerusalem, beim aktuellen Herrscher, nach dem „geborenen |τίκτω| König“ zu fragen[ii]. Von Persien (oder Babylon) aus liegt Israel im Westen und die erste Erscheinung gab Ihnen diese Richtung vor – dazu wussten sie aus dem Mosetext, dass das „Zepter aus Israel“ kommen würde.

In Jerusalem angekommen, schien der Stern nicht mehr zu sehen zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, warum sie bei Herodes und den Schriftgelehrten nachfragen mussten. Gott wollte sicher hier schon Herodes und die Schriftgelehrten darauf hinweisen, dass Sein langversprochener Messias endlich gekommen ist. Dazu passt auch, dass nach diesem Bibelstudium der Stern wieder erschien (und wieder wird nicht berichtet, dass außer den Weisen jemand die Erscheinung sah) und sich die Weisen darüber freuten (Matthäus 2:10). Interessanterweise zieht der Stern vor den Weisen her und bleibt dann genau über dem Haus |οἰκία| stehen, in dem Maria, Joseph und das Kind |παιδίον| Jesus sind (Matthäus 2:9).  Eine natürliche Himmelerscheinung kann aufgrund der Entfernung keine präzise Navigationshilfe am Erdboden sein. Von Jerusalem nach Bethlehem sind es etwa 6km. Richtungsanweisungen am Boden sind auf diese Entfernung mit Hilfe einer Himmelserscheinung, nicht zu bestimmen. Auch ist ein präziser Standort nicht lokalisierbar, je nach Position des Beobachters könnten viele Häuser in Frage kommen. Der Stern muss sich relativ nahe über der Erdoberfläche befunden haben, um den Weisen die Richtung und das gesuchte Haus zu zeigen.  

Unabhängig von der Erklärung, was genau der Stern war, die Tatsache, dass der Stern den Weisen den Weg und die exakte Position des Hauses zeigen konnte, macht klar, dass es eine einzigartige, von Gott geschaffene Himmelserscheinung war, die Gott für die Geburt seines Sohnes, des Heilandes, des Retters der Welt, leuchten ließ. So wie Gott am ersten Tag Licht erschuf (ohne dafür die Sonne zu benötigen), kündigte eine übernatürliche Himmelserscheinung die Geburt des „Lichts der Welt“ (Johannes 8:12) an. Gott lässt auch uns nicht im Unklaren darüber, wer Jesus ist. Wir haben Hinweise genug, dass Jesus Gott selbst ist, der sein Leben für uns gab. Wie die Weisen auch, sollten wir Jesus das Beste schenken, unser Leben, und uns vor Ihm niederknien und Ihn anbeten.

„Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.

Psalm 19:2

[i] Josua 10: 12-14: „12 Damals redete Josua mit dem HERRN an dem Tage, da der HERR die Amoriter vor den Israeliten dahingab, und er sprach in Gegenwart Israels: Sonne, steh still zu Gibeon, und Mond, im Tal Ajalon! 13 Da stand die Sonne still und der Mond blieb stehen, bis sich das Volk an seinen Feinden gerächt hatte. Ist dies nicht geschrieben im Buch des Redlichen? So blieb die Sonne stehen mitten am Himmel und beeilte sich nicht unterzugehen fast einen ganzen Tag. 14 Und es war kein Tag diesem gleich, weder vorher noch danach, dass der HERR so auf die Stimme eines Menschen hörte; denn der HERR stritt für Israel.“

[A] In Lukas‘ Bericht erfahren wir auch, dass Maria und Joseph bei Jesus‘ Darstellung im Tempel „ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben“ zum Opfer brachten (Lukas 2:24). Aus 3 Mose 12:8 wissen wir, dass dies das Mindestopfer war. Eigentlich hätten die beiden „ein einjähriges Lamm […[ zum Brandopfer und eine Taube oder Turteltaube zum Sündopfer“ bringen müssen (3 Mose 12:6), bei Geldknappheit war es erlaubt, nur das Sündopfer zu leisten (3 Mose 12:8). Wären die Weisen schon bei der Geburt angekommen, hätten Maria und Joseph das Gold zum Kauf eines Lammes nutzen können.

[ii] Luther 2017 verwendet hier „neugeboren“, dies ist eine ziemlich freie Übersetzung des Wortes |τίκτω|, das geboren bedeutet. „Neugeboren“ |ἀρτιγέννητος| findet sich im Neuen Testament nur in 1 Petrus 2:2.