Warum haben wir einen Weihnachtsbaum?

Traditionen werden oft übernommen, ohne zu fragen, warum es diese Traditionen überhaupt gibt. Die Weihnachtszeit ist dafür ein gutes Beispiel. In der Adventszeit wird dekoriert, traditionelle Farben sind grün und rot, es wird eine Krippe unter den Weihnachtsbaum gestellt. Manche dieser Traditionen sind einfacher mit der Weihnachtszeit zu verbinden als andere: Die Krippe erzählt uns von der Geburt von Jesus, unserem Schöpfer, als kleines Kind in einem Stall und die die Geburt begleitenden Ereignisse innerhalb des ersten Lebensjahres von Jesus[i]. Bei anderen weihnachtlichen Elementen ist es schwieriger den Ursprung unter den Traditionen zu ergründen – warum stellen wir einen Weihnachtsbaum auf und welche Bedeutung hat er?

Die meisten uns heute bekannten Weihnachtstraditionen sind nicht viel älter als etwa 150 Jahre, die Tradition des Weihnachtsbaumes geht zurück in die Zeit der Reformation. Im Mittelalter[ii] wurden am 24. Dezember, der Namenstag von Adam und Eva (1 Mose 1 und 2) Mysterienspiele aufgeführt, die darstellten, wie Adam und Eva vom Teufel verführt wurden, von der Frucht des Baumes der Erkenntnis des Bösen und Guten zu essen. Der Baum im Mysterienspiel wurde mit Äpfeln behängt, die die Frucht des Baumes symbolisierten. Runde, weiße Waffeln (Hostien) hingen am Baum um an das Abendmahl zu erinnern, das Jesus vor seinem Tod am Kreuz mit seinen Jüngern feierte und an die Vergebung der Sünden, die uns Menschen sein Tod brachte. Weihnachten soll uns an unsere Sünde erinnern und dass Jesus geboren wurde, um uns, durch seinen Tod am Kreuz, von unseren Sünden zu retten.

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

Lukas 2:10-11

Der Weihnachtsbaum war zuerst nur eine Tradition in den protestantischen Kirchen. Einer der ersten Berichte eines Weihnachtsbaumes in einer Kirche gibt es aus dem Jahr 1539 in der Straßburger Kathedrale unter Reformator Martin Bucer (1491 – 1551) und aus dem Jahr 1576 gibt es verbürgte Erkenntnisse, dass in Turckheim im Elsaß die ersten Weihnachtsbäume auch in Privathäusern aufgestellt wurden. Die ersten Berichte über Lichter am Weihnachtsbaum sind aus den Brüdergemeinden in der heutigen Tschechischen Republik überliefert, und es gibt Hinweise darauf, dass Martin Luther (1483-1546) einen Weihnachtsbaum aufstellte und Kerzen daran befestigte.

In evangelischen Haushalten war der Weihnachtsbaum der Gegenpart zur Krippe, die in den katholischen Gegenden in den Häusern aufgestellt wurden. Im frühen 19. Jahrhundert wurde der Weihnachtsbaum auch in den Adelshäusern[iii] populär und wurde so auch in weiter entfernten europäischen Ländern bekannt. Nach Nordamerika gelangte die Tradition über Hessische Söldner unter dem Befehl von Baron Riedesel, die die Englischen Truppen des Duke of Brunswick gegen die Revolutionstruppen von General Washington unterstützten. An Heiligabend 1781 feierten Hessische und Britische Soldaten in der Provinz Quebec (heute Kanada) in der Garnison Sorel Weihnachten mit einem Weihnachtsbaum.

Oft wird gesagt, dass der Weihnachtsbaum heidnischen Ursprungs sei. Auch wenn es wahr ist, dass in den nordischen und römischen Traditionen Bäume verehrt wurden, kann keine überzeugende Verbindung dieser Anbetungsformen zum Weihnachtsbaum hergestellt werden. Das Argument, dass die Kirche einen heidnischen Brauch christianisiert habe verliert seinen Anspruch dann, wenn man bedenkt, dass der erste Weihnachtsbaum im Vatikan erst 1982 aufgestellt wurde[iv].

Es ist richtig, dass moderne Weihnachtsbäume in ihrem Äußeren und mit ihrem Schmuck nur noch ganz entfernt an den Paradiesbaum aus den Mysterienspielen des Mittelalters erinnern. Die Christbaumkugeln haben alle möglichen Farben und erinnern nicht mehr an die Frucht des Baumes der Erkenntnis und damit an unsere Trennung vom lebendigen Gott. Deshalb ist es umso wichtiger, diese Bedeutung des Weihnachtsbaumes und der roten Kugeln den Menschen wieder in Erinnerung zu bringen: Wir alle ermangeln des Ruhmes vor dem lebendigen Gott (Römer 3:23) und können nur mit Ihm Gemeinschaft haben, wenn wir daran glauben, dass Er als kleines Kind auf diese Erde kam um am Kreuz für unsere Übertretungen (Sünden) zu sterben, und wir deshalb Vergebung erfahren können.

Gerade in der heutigen Zeit, in der die meisten Menschen in unserem Land sich kaum mehr an Gott erinnern oder etwas von Ihm wissen wollen, bietet uns Weihnachten eine gute Gelegenheit, das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus, unserem Retter, den Menschen, auch anhand der vielen Traditionen, weiterzusagen. Fangen wir heute damit an.

Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

Lukas 2: 10-11

Quelle(n): https://en.wikipedia.org/wiki/Christmas_tree / https://www.thecanadianencyclopedia.ca/en/article/christmas-tree-o-christmas-tree-your-branches-green-delight-us-feature

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[i] Die Könige kamen nicht in der Nacht der Geburt von Jesus. Der Kontext in Matthäus 2: 1-18 (Vers 16 „zweijährig und darunter“) macht dies klar.  In Lukas 2 wird Jesus als | βρέφος | (brephos = Kind, Säugling) bezeichnet, während Jesus in der Matthäusstelle als | παιδίον | (paidion = Kind) beschrieben ist.

[ii] Das Mittelalter ist der Zeitraum zwischen 800 – 1500 nach Christus. Es gibt Historiker, die den Beginn des Mittelalters schon auf 500 n.Chr. legen.

[iii] Nach England gelangte die Tradition in die königliche Familie über Queen Charlotte (Ehefrau von George III 1738 – 1820), eine deutsche Herzogin und Mutter von Georg IV und William IV. Populär außerhalb der königlichen Familie wurde die Tradition aber erst mit der Heirat von Queen Victoria (1819 – 1901) mit ihrem deutschen Cousin Prinz Albert, und mittelständische Familien die königliche (deutsche) Familientradition nachahmten.

[iv] https://www.thevaticantickets.com/de/vatican-christmas-tree/