Esel und König

32 Und der König David sprach: Ruft mir den Priester Zadok und den Propheten Nathan und Benaja, den Sohn Jojadas! Und als sie hineinkamen vor den König, 33 sprach der König zu ihnen: Nehmt mit euch die Großen eures Herrn und setzt meinen Sohn Salomo auf mein Maultier und führt ihn hinab zum Gihon. 34 Und der Priester Zadok samt dem Propheten Nathan salbe ihn dort zum König über Israel. Und blast die Posaunen und ruft: Es lebe der König Salomo! 35 Und zieht wieder hinauf hinter ihm her, und er soll kommen und sitzen auf meinem Thron und für mich König sein. Denn ihn setze ich zum Fürsten über Israel und Juda ein. 1 Könige 1: 32-35

Etwa 1000 v.Chr. versprach König David seiner Frau Batseba, dass ihr Sohn Salomo sein Nachfolger werden sollte. Doch wer viele Frauen hat, hat auch viele Söhne. Einer davon, nicht der Sohn von Batseba, Adonija, wollte sich selbst zum Nachfolger des Königs David machen. Er organisierte eine große Krönungsfeier und ließ sich, ohne das Wissen seines Vaters David, zum König ausrufen.

Solomos Esel

Diese Vorgänge wurden David bekanntgemacht und er organisierte die Krönung des von ihm gewünschten Nachfolgers, dem späteren König Salomo. Dieser sollte auf dem königlichen Maultier zu der Quelle Gihon reiten und dort zum König gesalbt werden.

Die Gihon-Quelle liegt am Osthang Jerusalems und war die einzige Frischwasserquelle Jerusalems. Ausgrabungen zwischen 1994 und 2014 legten eine riesige Anlage mit starken Befestigungen frei, die auf die Zeit David und Salomos datiert werden können[i].

Schatz und Perle

„44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was…

Über die Bedeutung dieser Quelle kann man viel schreiben. Wichtig für heute ist, dass es die königliche Quelle Jerusalems war, nahe der Stadt lag und durch eine Prozessionsstraße mit dem königlichen Palast verbunden war.

Nach der Salbung zum König ritt Salomo, nun König Salomo, auf dem königlichen Maultier über die königliche Prozessionsstraße zum königlichen Palast. Da der Gihon genügend Platz bot und gut einsehbar war, wussten nun die meisten Einwohner Jerusalems Bescheid, dass Salomo der Nachfolger von David war.

Solomo wurde zum klügsten und mächtigsten König, den Israel jemals hatte (1 Könige 4:30-31; 1 Könige 10:23; 2 Chronik 9:22).

Die Vormachtstellung Israels hielt nicht lange an. Salomo verließ gegen Ende seines Lebens den Weg Gottes und viele seiner Nachfolger folgten seinem Beispiel. Gott bestrafte sein Volk für seinen Ungehorsam und im Jahr 586 v.Chr. wurde das letzte Königreich besiegt und der prächtige Tempel, den Salomo erbaute, zerstört. Das Volk Gottes schien am Ende zu sein, weggeführt nach Babylon und diente dort fremden Königen.

Des zukünftigen Königs Esel

Doch Gott hält seine Versprechen. Siebzig Jahre später wurde ein neuer Tempel eingeweiht – nur, einen König gab es nicht mehr.

In dieser Zeit sprach ein Mann, den wir Sacharja nennen, im Namen Gottes zu den Israeliten:

„Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 10 Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.“ Sacharja 9:9-10

Sacharja 9:9-10

Was für ein Versprechen! Israel würde wieder einen König haben, der über die ganze Welt regieren würde. Ein König, der weltweiten Frieden schaffen würde. Darauf lohnt es sich zu warten.

Doch lange Zeit geschah nichts, im Gegenteil ab dem Jahr 63 v. Chr. übernahmen die Römer die Herrschaft über Israel und setzten im Jahr 37 v.Chr. Herodes den Großen auf den Thron. Israel war seine Freiheit genommen. Sicher, ab 31 v.Chr. lebten die Israeliten unter dem Römischen Frieden, aber Freiheit hatten sie nicht.

Aus dem Zusammenhang gerissen?

„Wenn die Bibel recht hat, dann werde ich in zehn Jahren der Gold Glove Shortstop der Chicago Cubs!“ – so könnte ein Christ sagen, der gerade…

Jesus‘ Esel

Wie aufregend muss es gewesen sein, als ein bekannter Prediger, Jesus von Nazareth, der durch Wunder von sich reden machte, die nur der versprochene Messias tun konnte, auf einem Esel auf der Straße vom Gihon nach Jerusalem ritt. Und er hatte unaufhörlich vom Reich Gottes gepredigt.

Kein Wunder, dass die Bürger und Gäste in Jerusalem diesen Mann mit Hosianna-Rufen |הוֹשִׁיעָה נָּא| begrüßten: „Rette uns!“.

Doch aus der Begeisterung wurde innerhalb einer Woche Frust und die Menschen riefen: „Kreuzige ihn!“ Nichts war übrig vom Jubel. Hoffnung musste tödlicher Enttäuschung weichen.

Ein falsch verstandenes Versprechen

Gott hält seine Versprechen. Der Retter war da. Doch viele in seinem Volk erkannten den Retter nicht (Johannes 1:10-11). Der Grund lag sicher mit darin, dass diese Menschen Gottes Wort nicht vollkommen verstanden hatten.

Du kannst das ganze Wort Gottes, die Bibel, auswendig kennen. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass du es auch verstanden, dass du es kapiert hast. Diese Menschen lasen das Wort Gottes und verstanden es aus ihrer aktuellen Situation heraus. Ihr Hauptaugenmerk lag auf dem siegreichen Weltenherrscher. Und so wird Jesus eines Tages auch wieder auf diese Erde kommen.

Vor zweitausend Jahren kam er als der leidende Gottesknecht (Jesaja 53). Diese Stellen hatte die Mehrheit der Menschen, die Jesus jubelnd begrüßten, zwar im Kopf, jedoch überlasen sie diese zugunsten der Stellen, die den Messias als den Befreier von Unterdrückung und ewigen Friedefürsten ankündigten.

Gottes Perspektive

Wenn wir Gottes Wort lesen und studieren, sollten wir genau prüfen, was Gott mit der Stelle, die wir gerade lesen, sagt. Wir dürfen unser Verständnis nicht nur auf unseren persönlichen Blickwinkel richten, sondern uns Gottes Perspektive aneignen (2. Petrus 1:20).

Ruf nach Rettung

Die Menschen, die Jesus begrüßten erkannten ihre Not und riefen Jesus um Hilfe an. Wenn du in Not bist, wen bittest Du um Hilfe? Welche Hilfe erwartest du?

Jesus kam vor zweitausend Jahren nicht als der ewige Friedefürst, der Weltenherrscher. Er kam als der Gottesknecht, der uns Menschen dadurch dient, dass er für unser Schuld, die uns von Gott trennt, am Kreuz starb. An meiner, an deiner Stelle.

Dies musste zuerst geschehen. Kommt Jesus wieder, dann als der gerechte Weltenrichter, der Friedfürst, der ewig regieren wird. Dann wird das, was Sacharja sehen durfte, vollendet sein.

4 Das geschah aber, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: 5 »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.« 6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, 7 und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. 8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. 9 Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

Matthäus 21:4-9

[i] https://biblehub.com/q/Why_anoint_Solomon_at_Gihon.htm