Die Arche und das Kreuz

12 Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: 13 Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. 14 Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. 15 Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe. 16 Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist. 17 Und Gott sagte zu Noah: Das sei das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch auf Erden.

1. Mose 9,12-17

Eine Predigt von Prediger MM:

Liebe Gemeinde,

im Jahr 2023 haben die Deutschen durchschnittlich 2.670 Euro pro Kopf für Versicherungen ausgegeben. Die gesamten Beitragseinnahmen der Versicherungsbranche lagen bei rund 226 Milliarden Euro. Umgerechnet auf die über 3.000 Menschen, die in Hülben wohnen, waren das hier im Dorf weit mehr als 8 Millionen Euro. Ein imposanter Betrag für so eine kleine Kommune, finden Sie nicht? Aber es kann ja auch soo viel passieren: Unfall, Krankheit, Arbeitslosigkeit,… Vermutlich ist Noah nach dem Ende der Sintflut aus der Arche gestiegen und hat sich auch erstmal überlegt: Mensch, wo kann ich eine Versicherung abschließen für den Fall der Fälle, dass Gott noch einmal seinen Zorn über die gesamte Menschheit ausgießt. Mit so einer Sintflut ist schließlich nicht zu spaßen.

Aber Allianz, HuK Coburg und Lloyds gab es noch nicht – und sie wären für diesen Versicherungsfall auch nicht erforderlich, wie unser heutiger Bibeltext zeigt. Denn Gott gibt selbst die Versicherung, dass dieser Schadensfall nicht mehr eintritt. Eine gute Nachricht, die Noah und seine Familie mit Sicherheit und in Sicherheit besser schlafen ließ.
Die meisten unserer Zeitgenossen können mit diesen zwei Bibelabschnitten bei näherer Betrachtung wenig anfangen. Viele glauben nicht an Gott. Und wenn sie an ihn glauben, dann eher selten an einen zornigen Gott, dem die Sünden und Verfehlungen der Menschen so viel ausmachen, dass er beinahe die Auslöschung seiner Schöpfung vollzieht. So ein brutaler Schritt, um die Sünde zu vernichten – mit so einem Gott wollen die meisten nichts zu tun haben. Dabei ist die Frage, ob die Menschheit noch einmal ausgelöscht wird, immer wieder aktuell. In meiner Jugend war es die Angst vor Atomwaffen – die Älteren erinnern sich an NATO-Doppelbeschluss, SS-20- und Pershing-II-Raketen. Pazifisten warnten vor einem Verglühen des Planeten in einem Atomkrieg. Damals wurden in Privathäusern staatlich geförderte Atomschutzkeller eingebaut – ich selbst habe in meiner ersten Mietwohnung 1986 in so einem Haus gelebt.

Heute ist es die Umweltbewegung, die uns aufgrund des Klimawandels ein langsames Verglühen prophezeit, weil es so schnell immer wärmer wird. Dazu das Artensterben, die Umweltbelastung durch Gift, und, und, und.

Aber vielleicht sorgt uns derzeit weniger die Zukunft der Menschheit als unsere ganz persönliche Zukunft. Eine schrumpfende Wirtschaft, gesundheitliche Probleme, die demografische Herausforderung, bei der immer mehr ältere Menschen immer weniger jungen Leuten gegenüberstehen – mit allen Konsequenzen für Sozialsysteme oder beispielsweise die Pflege. Es sind dunkle Wolken am Horizont. Nach uns die Sintflut?

Beim Blick in den Predigttext überrascht es vielleicht doch ein wenig, dass nach dem Ausstieg aus der Arche sofort der Blick so weit nach vorne geht, ob sich so eine Katastrophe wiederholen könnte. Ich sehe Noah, die Familie, die vielen Tierpärchen aus der Arche schreiten, die Sonne scheint auf ein ziemlich verwüstetes und verschlammtes Gelände. Das sieht doch nach Neuanfang aus. Warum sollte da schon die nächste Sintflut drohen?

Ein komplett neues Leben

20 Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar. 21…

Gott selbst gibt die Erklärung: Weil die Sintflut das Problem letztlich nicht gelöst hat. So lange es Menschen gibt, gibt es Sünde. „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.“ Auch wenn Noah frömmer war als seine Zeitgenossen – gemessen an den göttlichen Standards ist er und ist jeder Mensch „böse“. Ein bisschen wehrt sich etwas in uns gegen dieses Etikett, und wir trösten uns damit, dass wir nicht so schlecht sind wie die anderen. Doch das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist: Sind wir so gut, wie Gott das von uns erwarten kann? Und hier lautet die Antwort ausnahmslos: Nein.

Deshalb ist es unglaublich freundlich und gnädig, dass Gott nach dem Neustart der Menschheit eine Art Lebensversicherung gibt und mit ihr einen Bund schließt: „Ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.“

Liebe Gemeinde, von dieser Versicherung leben wir bis heute. Diese göttliche Bestandsgarantie hält die Erde seitdem am Laufen. Und sie ist auch ein Trost gegen alle Weltuntergangspropheten, von welchen Seiten auch immer sie kommen. Wir sind nicht die „letzte Generation“ – es sei denn, Gott macht wirklich zu unserer Lebenszeit Schluss mit der Weltgeschichte und schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde, wie es im Buch der Offenbarung verheißen ist.

Eigentlich sollte man unseren Predigttext im Sommer lesen, weil es da häufiger einen Regenbogen zu sehen gibt. Aber erst vor zwei Wochen hatten wir bei uns in St. Johann einen. Ich freue mich jedesmal darüber. Jedesmal werde ich erinnert: Gott ist gnädig. Er haut nicht mehr rein, obwohl er allen Grund dazu hätte. Er lässt seine Sonne scheinen über Gerechte UND Ungerechte. Wir haben eine Gnadenzeit, um unser Leben vor ihm in Ordnung zu bringen und uns ganz in seinen Dienst zu stellen. Gott ist gnädig. Und Gott ist treu. Interessanterweise scheint der Regenbogen unserem Text zufolge eher für Gott als für uns zu sein. Wenn der Regenbogen aufleuchtet, „will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier“. Der Bogen soll in den den
Wolken sein, „dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund“. Das soll jetzt nicht heißen, dass Gott vergesslich ist. Es zeigt nur, dass er selbst an dieser sichtbaren Bestätigung seiner Gnade und Treue Interesse hat, sonst hätte er den Regenbogen ja nicht gesetzt. Gott legt eine unauslöschliche Erinnerung an seine eigene Barmherzigkeit in seine Schöpfung. Das ist wunderbar!

Der Bogen war zu biblischen Zeiten eine Waffe – Pfeil und Bogen. Und wenn wir uns nun einen Regenbogen anschauen: Wohin zielt denn dann der Pfeil?

Richtig: Von der Erde weg, in den Himmel. Heißt das: Gott richtet seinen Zorn nicht mehr gegen die Menschheit, sondern gegen den Himmel, also gegen sich selbst?

Der Regenbogen wird in der Bibel erwähnt?

Eine Unterbrechung eines Spiels wegen Regens? Was für viele Sportfans in Europa eine ungewohnte Situation ist, ist für Baseballfans selbstverständlich: Es regnet zu stark und…

Ich verstehe das, was viel später in der Bibel kommt, nämlich den Tod von Jesus Christus am Kreuz, genau so. Gottes Zorn über die Sünde verschwindet nicht einfach. Ein heiliger Gott kann über den Eigensinn, die Gewalt, Lug und Trug, Gemeinheit und Bosheit von uns Menschen nicht einfach hinweggehen. Aber dieser Zorn wird nun umgeleitet. Er trifft nicht die Menschheit, sondern den Menschensohn, wie er in der Bibel genannt wird: Jesus Christus.

Er hängt zerschlagen am Kreuz von Golgatha und erträgt dort an unserer Statt die Folgen der Sünde. Wir alle müssten an diesem Kreuz hängen. Diese Vorstellung ist ebenso grausam, wie es das Ertrinken der Menschheit bei der Sintflut ist. Gottes Zorn ist nicht zu unterschätzen, auch wenn das unserem Bild vom „lieben Gott“, von einem Kuschelgott widerspricht.

Wir sehen also bei Noah einen allerersten Bund, bei dem sich Gott einseitig verpflichtet, die Welt künftig vor der Vernichtung zu verschonen. Und wir sehen mit Jesus einen neuen Bund, ein Neues Testament, in dem Gott einseitig die Strafe für unsere Schuld trägt und uns statt ewigem Tod ewiges Leben verheißt. Wer an Jesus glaubt, kommt nicht ins Gericht, sondern hat das ewige Leben, heißt es im Johannes-Evangelium. Der Regenbogen ist ein Zeichen von Gottes Geduld. Er hält das Gericht zurück. Aber das Kreuz ist das Zeichen von Gottes Erlösung. Er nimmt das Gericht auf sich selbst. Der Regenbogen bewahrt unser irdisches Leben. Das Kreuz schenkt uns ewiges Leben.

Wenn wir in der Offenbarung lesen, sehen wir ein letztes, atemberaubendes Bild. In Offenbarung 4 umgibt ein Regenbogen den Thron Gottes. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass Gottes Herrschaft und sein Gericht für immer von seiner Bundestreue und seiner am Kreuz bewiesenen Gnade eingerahmt sind. Der Thron, von dem das endgültige Urteil ausgeht, ist ein Thron der Gnade für alle, die in Christus sind. Der Regenbogen ist nicht mehr nur ein Zeichen in den Wolken dieser gefallenen Welt, sondern ein ewiges Merkmal von Gottes Herrlichkeit.

Die Frage heute Morgen ist nicht, ob Du unter dem Bund des Regenbogens lebst. Das tun wir alle, die Frömmsten und die Verdorbensten. Die Frage ist: Lebst Du unter dem Schutz des Neuen Bundes, für den Jesus sein Blut vergossen hat und der mit seinem Blut besiegelt wurde? Denn genau das brauchen wir. Noahs Familie hatte die Chance und Verpflichtung zu einem Neuanfang. Sie haben bebaut, bewahrt, waren fruchtbar und haben sich gemehrt. Doch die allerletzte Frage, nämlich die nach dem Tod und was danach kommt, war damit noch nicht beantwortet. Das ist die wichtigste Frage, auch wenn wir sie gerne verdrängen. Ich habe vor einigen Jahren ein kleines Buch geschrieben mit dem Titel „Gibt es ein Leben nach dem Leben?“. Dort gehe ich anhand einer Geschichte dieser wichtigsten Frage nach.

Aufhänger ist ein Zwillingspaar im Mutterleib, das sich darüber unterhält, ob es ein Leben „nach der Geburt“ gibt. Der eine argumentiert dafür, der andere dagegen. Und tatsächlich ist es so: Wir reden über das Leben nach dem Tod genauso unbedarft und unwissend wie ein ungeborener Mensch, der die Welt draußen nie gesehen hat. Und viele sagen: „Naja, nix Genaues weiß man nicht. Wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, werde ich das schon merken. Lassen wir uns überraschen.“ Für diese Haltung habe ich vollstes Verständnis, sie klingt einfach erstmal vernünftig. Sie hat nur einen entscheidenden Nachteil für den Fall, dass unser irdisches Leben hier Einfluss auf das Leben danach hat.

In anderen Worten: Wenn ich mit meinem Leben hier in dieser Welt beeinflussen kann, welches Leben ich nach dem Tod haben werde – dann will ich das tun. Das ist doch viel vernünftiger, als sich überraschen zu lassen. Und genau das ist die Botschaft des Neuen Testaments: Glaube an Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, und Du wirst in die Herrlichkeit Gottes eingehen, wirst ewiges Leben haben, wirst nicht abgeurteilt für deine Sünden, sondern wirst in der Gegenwart deines Schöpfers ein herrliches Leben führen. Eine solche Verheißung bietet niemand außer Jesus. Kein Mohammed, kein Buddha, keine Religion.

Vorgestern war Reformationstag. Die biblische Botschaft, dass der Glaube an Jesus Christus uns rettet – ohne dass wir etwas dazu tun müssen oder dazu tun können – wurde durch Martin Luther und seine Mitstreiter wieder in den Mittelpunkt gestellt. Es ist eine atemberaubende, sensationelle Botschaft. Manchen ist sie zu einfach, selbst manchen Christen, und sie meinen immer noch, sie könnten sich durch ihr Tun seligmachen, seligstrampeln. Irrtum. Es ist wie beim Regenbogen: Die Gnadeninitiative geht von Gott aus. Er schließt einen Bund. Ja, das ist mein vorheriger Vergleich mit der Versicherung schief, denn für eine Versicherung muss ich bezahlen.

Eine neue Reformation

Etwa 500 Jahre ist es her, dass Martin Luther, am Vorabend von Allerheiligen, seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg nagelte. Auch…

Für die Lebensversicherung Gottes hat ein anderer bezahlt, Jesus Christus. Und Du und ich, wir genießen das volle, umfassende Sorglos-Versicherungspaket. Ja, unterschreiben müssen wir mit unserem Leben, und Nachfolge Christi kann sehr herausfordernd sein. Aber erstmal gilt: Du bist lebensversichert, Du bist ewigkeitsversichert durch diesen neuen Bund. Es ist die teuerste Versicherung, die man sich vorstellen kann, denn sie musste mit dem Blut des Gottessohns bezahlt werden.

Für uns ist diese Versicherung gratis. Das ist geradezu unfassbar. Das Kreuz von Jesus ist unsere Arche. Wenn wir uns unter dieses Kreuz stellen, trifft uns der Zorn Gottes nicht mehr, denn dieser Zorn hat schon mit voller Wucht den Sohn Gottes getroffen. Unterm Kreuz sind wir sicher. Und zwar nur dort. Vom Kreuz weggehen bedeutet, in die Verlorenheit zu gehen, ja selbst verloren zu gehen. Ans Kreuz gehen bedeutet, die Safety Zone, die Sicherheitszone zu betreten. Wer sich an einem Regenbogen freut, sollte über das Kreuz jubeln.

Amen.

(Marcus Mockler)