Woher kommen die Millionen von Jahre?

Dass unser Universum mehrere Milliarden Jahre alt ist, scheint gesichertes Wissen zu sein. Beinahe   jede Veröffentlichung in den Naturwissenschaften verweist darauf, auch in vielen Artikeln zur Anthropologie und der Psychologie finden sich Verweise auf Millionen und Milliarden von Jahren. Kinderbücher, Comics, Kinofilme, Social-Media und sogar immer mehr Artikel kirchlicher und christlicher Verlage suggerieren, dass das exorbitant hohe Alter der Erde feststehendes Wissen sei.  Jeder, der etwas anderes sagt, wird als anti-intellektuell und anti-wissenschaftlich angesehen. Niemand mehr stellt die Frage: Woher kommt dieses Wissen eigentlich?

Teil 2 Aktualismus und Katastrophismus | Teil 3 Schrifttreue Geologen

Wenn es um das Alter der Erde geht, muss man sich die Geschichte der Wissenschaft der Geologie anschauen. Die Geologie beschäftigt sich mit Gesteinen, Gesteinsschichten und ordnet Gesteine und Fossilien in Gruppen ein (Klassifizierung). Geologen betreiben Feldforschung, das heißt, dass sie unterschiedliche Landschaften besuchen und dort Gesteine und Fossilien sammeln, die sie anschließend einordnen und zuordnen. Die Geschichte der modernen Geologie beginnt vor etwas über 200 Jahren.

Frühe Deutungen von Fossilfunden

Doch schon viel früher untersuchten Menschen Gesteine und fanden dabei Fossilien. Plinius der Ältere (23/24-79 n.Chr.) z.B. gab den Ammoniten ihren Namen (Naturalis historia, 37. Buch, 60. Kapitel). Fossilien wurden als versteinerte Tiere gesehen, die u.a. der Mythologie zugeordnet wurden. Diese Ansicht ist auch aus der Stadt Whitby (North Yorkshire, England) bekannt. Am Strand von Whitby befinden sich Fußspuren von Dinosauriern und im dortigen Lias viele Ammoniten. Der Legende nach sind die Ammoniten versteinerte Schlangen. Die angelsächsische Äbtissin Hilda von Whitby (614-680) hätte die damals noch lebenden Schlangen mit einem Fluch belegt und in Stein verwandelt und damit die Stadt von Schlangen befreit[i].

Für Kirchenvater Tertullian belegten Fossilfunde auf Bergen von Seelebewesen, dass die Flut zur Zeit Noahs eine weltumspannende Tatsache war. Mit dieser Lehre war er nicht alleine, auch Chrysostom und Augustin lehrten dies[ii]. Es gab jedoch auch Gegner dieser Lehre, die Fossilien als einen Schabernack der Natur sahen, als künstlerische Werke des Schöpfers und manche sahen in ihnen eine Verführung des Teufels. Interessanterweise haben sich alle diese Ansichten bis heute in der einen oder anderen Form gehalten.

Organischer Ursprung der Fossilien belegt

Dass es sich bei Fossilien tatsächlich um ehemals organische Überreste handelte, konnte dann Robert Hook (1635-1703) durch mikroskopische Untersuchungen zeigen. Seine Ergebnisse veröffentlichte er 1665 in seiner Micrographia, die Grundlage einer Vorlesereihe 1668 war, in der er lehrte, dass die Erdoberfläche durch Vulkanismus und Erdbeben geformt wurde[iii]. Robert Hook glaubte an einen Schöpfer, vertraute der Bibel als Gottes Wort und sah das Mikroskop als Werkzeug, das uns Menschen hilft, das komplexe Design Gottes wieder zu erkennen. Da Robert Hook den Vulkanismus und die Erdbeben nicht in einen Zusammenhang mit der Flut zur Zeit Noahs brachte, obwohl er diese als Ursache für Fossilfunde auf Bergen sah, wurde seine Schlussfolgerung von manchen so verstanden, dass der Schöpfer durch Katastrophen geschaffen hätte und betrachteten ihn zu seiner Zeit als Häretiker. Andere, wie zum Beispiel der etwa 90 Jahre nach Hooks Tod geborene Charles Lyell (ein Freund von Charles Darwin) sah in Hooks Werk “das beste wissenschaftliche Werk seiner Zeit, wenn es darum geht die Ursachen für Veränderungen in der organischen und anorganischen Welt aufzuzeigen.“[iv]

Väter der modernen Geologie

Charles Lyell (1797-1875) wandte sich vom Anwaltsstudium zum Studium der Geologie. Großen Einfluss auf sein Denken und Wirken hatte William Buckland (1784-1856), der zwar die Flut zur Zeit Noahs als Tatsache ansah, aber davon ausging, dass zwischen dem ersten und dem zweiten Satz in Gottes Wort ein Zeitraum von vielen Äonen liege. Buckland lehrte die sogenannte „Lücken-Theorie“, in der Gott das Universum schuf und anschließend der Satan diese ursprüngliche Schöpfung in ein Chaos verwandelte, bevor dann der Schöpfer Äonen später dieses satanische Chaos in eine sehr gute Schöpfung verwandelte[v].

Weiteren Einfluss auf Lyell hatten die Werke von James Hutton (1726-1797). Biographen von Hutton schließen aus seinen Schriften, dass Hutton entweder nur an einen Gott glaubte, der sich nicht für diese Welt interessiert (Deist) und keinen Einfluss darauf nimmt oder sogar Atheist war. Er lehnte übernatürliches Wirken ab und lehrte, dass in der Geologie nur das in Betracht gezogen werden darf, was wir in der Gegenwart beobachten. Wenn ein Fluss heute jedes Jahr 5mm tiefer wird, dann sei das schon immer so gewesen. Bis heute ist dieses Prinzip, „Die Gegenwart ist der Schlüssel zur Vergangenheit“ eine Annahme der Geologie, die nicht belegt werden kann. Zum Beispiel können Überflutungen und Erdrutsche die Tiefe eines Flusses immer wieder stärker verändern als es der momentan beobachtbare Zustand erlaubt.

Wissenschaft ohne den Allwissenden

Der Einfluss von Buckland und Hutton äußerte sich dann in einem Brief von Charles Lyell so, dass er „die Wissenschaften von Mose befreien“ wollte[vi]. Charles Lyell ging es darum, die ersten fünf Bücher der Bibel komplett aus den Wissenschaften herauszuhalten. Zur Zeit Lyells war dies ein sehr umstrittener Gedanke. Dass Charles Lyell jedoch sein Ziel mit großem Erfolg erreicht hat, zeigen die Publikationen der modernen Geologie.  

Ist dieser Erfolg von Lyells Thesen ausreichend begründet? Im zweiten Teil dieser Serie gehen wir dieser Frage nach.  

5 Wenn es aber jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern und ohne Vorwurf gibt; so wird sie ihm gegeben werden.

Jakobus 1: 5

Dieser Artikel beruht auf der Doktorarbeit von Dr. Terry Mortenson, die unter dem Titel „The Great Turning Point“ Masterbooks. Green Forest. 3. Auflage, 2017, veröffentlicht wurde. Weitere Quelle: Ham, K.(edt.): “The New Answers Book 2“. Master Books. Green Forest. 12. Auflage 2014, Kapitel 11.

[i] https://en.wikipedia.org/wiki/Whitby (Fossils and snakestones)

[ii] https://creation.com/en/articles/church-fathers-flood

[iii] https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Hooke#Palaeontology_and_geology

[iv] Lyell, C.: Principles of Geology. 1832. S.76-77 (eigene Übersetzung)

[v] Theologisch lässt diese Hypothese die Frage offen, warum es vor dem Sündenfall schon so viele Tiere gab, die starben (Fossilfunde), da wir aus Gottes Wort wissen, dass der Tod Folge des Sündenfalls ist (1 Mose 2: 16-17/ 1 Mose 3: 22/ Römer 5: 12)

[vi] Charles Lyell, Brief an George P. Scrope am 14 Juni, 1830, in Katharine Lyell, “Life, Letters and Journals of Sir Charles Lyell, Bart.” London: John Murray, 1881. S. 268.