Hat er eine Base mit nach Hause genommen?

Ricky Henderson, einer der bekanntesten Baseballer der modernen Ära, hat in der Saison 1982 130 Bases gestohlen und in seiner gesamten Karriere 1406. Wer nun denkt, dass Ricky Henderson mehrere Garagen voller Bases hat und ein Meisterdieb ist, sitzt dem Fehlschluss der Mehrdeutigkeit (Äquivokation) auf. Im Baseball ist völlig legal, dass in einem Spiel mehrfach eine Base gestohlen wird. „Eine Base stehlen“ im Baseball bedeutet nicht, dass ein Spieler nach einem Spiel heimlich eine Base entfernt und mit nach Hause nimmt. Im Baseball stiehlt ein Spieler, der schon auf eine Base kam, eine Base, wenn er ohne einen Treffer eines Mitspielers zur nächsten Base rennt und diese erreicht, bevor der Ball dort vom Verteidiger gefangen wird und er damit berührt wird. Im Gespräch mit dem Gegenüber muss man also genau wissen, welche Bedeutung „stehlen“ im Gesprächszusammenhang hat um nicht einem Fehlschluss der Mehrdeutigkeit aufzusitzen.

Veränderung gegenüber Höherentwicklung

Im Beispiel oben ist die Mehrdeutigkeit für Baseballexperten leicht zu erkennen. Wer sich nur etwas intensiver mit Baseball beschäftigt, weiß, was mit „Base stehlen“ gemeint ist. Anders verhält sich oft in Gesprächen mit Personen, die Gottes Schöpfungshandeln nicht erkennen (wollen) und davon ausgehen, dass sich die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde durch Evolution über lange Zeiträume entwickelt habe.

Evolution bedeutet generell einfach „Veränderung“. Es kann aber vom Sprecher auch in dem Sinn verwendet werden, dass alle Organismen einen gemeinsamen Vorfahren haben. Beide Bedeutungen sind zulässig. Sie sollten aber nicht innerhalb eines einzigen Argumentes miteinander verwendet werden. Es gibt Menschen, die Veränderungen (z.B. in der Zucht) bei Organismen als Beleg dafür hernehmen, dass alle Organismen einen gemeinsamen Vorfahren haben.

Das Argument dieser Menschen lautet in etwa so: „Wir sehen Evolution vor unseren Augen ablaufen. Organismen verändern sich ständig und passen sich ihrer Umgebung an.“ Sie übersehen dabei, dass Veränderungen in Tieren und Pflanzen keine Evolution in dem Sinne darstellt, dass aus einem Reptil ein Vogel wird, und daher kein Beleg für einen gemeinsamen Vorfahren ist.

Argumentationsfehler in Veröffentlichungen

Dieser Fehlschluss der Mehrdeutigkeit wird in vielen (Schul-)Büchern, Natursendungen und Bio-Podcasts gemacht: Bakterien die eine Resistenz gegen Antibiotika entwickeln, Falter die Ihre Farbe der Umgebung anpassen, die Schnabelform von Finken und Zuchterfolge bei z.B. Pferden. Diese Beispiele zeigen tatsächlich Veränderungen, doch ist keines dieser Beispiele ein Beleg dafür, dass alle heutigen Organismen auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen. Die Bakterien haben Bakterien als Nachfahren, die Finken bleiben Finken, Falter zeugen Falter und aus Pferden werden Pferde.  Wer die oben angeführten Beispiele als Belege für „Bakterie-zu-Bär-Evolution“ vorgestellt bekommt, darf mutig darauf hinweisen, dass dies ein Fehlschluss der Mehrdeutigkeit darstellt.

Naturwissenschaft und Ursprungswissenschaft

Ein weiteres Wort, das in der Debatte „Wissenschaft und Glaube“ oft austauschbar verwendet wird, ist „Wissenschaft“. Christen, die dem Wort Gottes vertrauen, müssen manchmal die Frage hören, warum sie die Wissenschaft der Evolution ablehnen, wenn doch die Wissenschaft so hervorragende Dinge hervorbrachte wie Computer, Smartphones, medizinische Errungenschaften und noch vieles mehr.

Die Skeptiker verwenden dabei zwei Bedeutungen des Wortes Wissenschaft nebeneinander. Zum einen gibt es die Naturwissenschaften, die Grundlage der vielen technischen und medizinischen Errungenschaften sind. Mit Hilfe der wissenschaftlichen Methode (nach Sir Francis Bacon) wurden Hypothesen aufgestellt, wurde geplant und dann erfolgreich (und manchmal weniger erfolgreich) erfunden und entwickelt.

Auf der anderen Seite befinden sich die Ursprungswissenschaften oder auch Geschichtswissenschaften. Diese Wissenschaften stützen sich auf Hypothesen und Modelle. Da es keine Möglichkeiten gibt, in die Vergangenheit zurückzureisen, kann die wissenschaftliche Methode (Versuch, Beobachtung, Auswertung und Reproduktion des Versuchs) nicht angewendet werden. Schlussfolgerungen in den Ursprungswissenschaften beruhen immer auf Annahmen der Wissenschaftler, mit welcher Weltanschauung sie Artefakte betrachten und den sich daraus ergebenden Modellen, die zu den Schlussfolgerungen beitragen.

Wenn jemand Naturwissenschaft mit dem Evolutionsmodell gleichsetzt, wird diesem Modell eine Glaubwürdigkeit gegeben, die dieses Modell aufgrund fehlender Belege nicht hat. Beide Felder der Wissenschaft haben ihre Berechtigung, doch sollte ein Modell in den Ursprungswissenschaften (wie die Evolution eines ist) nicht mit Schlussfolgerungen in den Naturwissenschaften, die durch Auswertung von Beobachtungen zustande kamen, gleichgesetzt werden.

Werden Naturwissenschaft und Ursprungswissenschaften in einem Argument ausgetauscht, ist dies ein Fehlschluss der Mehrdeutigkeit, auf den man als Gesprächspartner hinweisen sollte.

Mehrdeutigkeit bei der Interpretation von Gottes Wort

In Gesprächen zwischen Christen, die unterschiedliche Auffassungen über die ersten elf Kapitel in Gottes Wort haben, hört man manchmal das Argument, dass „wir unsere Interpretation von Gottes Wort immer mit der Interpretation der Natur abgleichen müssen.“ Wenn wir Gottes Wort lesen und interpretieren bedeutet das nicht, dass wir unsere Ideen und Vorstellungen in das Wort Gottes hineinlesen (Eisegesis). Lesen wir Gottes Wort, soll es unser Anliegen sein, dass wir lernen und verstehen, was der Schöpfer des Universums und Autor der Bibel uns mit diesem Text sagen will (Exegese).

Gibt es Mutter Natur?

„Mutter Natur“ ist keine Person – Natur ist der Name für eine Kette von Ereignissen, die wir in der…

Im Gegensatz dazu hat dazu hat „die Natur“ (Reifikation) keine Absichten und Ziele. Wenn wir Vorgänge in der Natur beobachten, bewerten und deuten, formulieren wir Menschen Aussagen über die Natur. Dies ist grundsätzlich etwas anderes, als wenn wir Aussagen verstehen wollen, die jemand anderes schon gemacht hat. Wenn jemand diese beiden Bedeutungen von „Interpretation“ innerhalb eines Arguments verwendet, stellt er das Wort von fehlbaren Wissenschaftlern über das Wort des Schöpfers. Hier ist dann die Frage: Wem vertraut der Sprecher mehr – einem fehlbaren Menschen oder dem unfehlbaren Schöpfer des Universums?

Schlussfolgerung

In einer Diskussion sollten wir immer wieder einmal überprüfen, welche Definitionen bestimmte Wörter haben. Es gibt doch einige Wörter, die unterschiedliche Bedeutungen haben. Wenn jemand für einen bestimmten Sachverhalt argumentiert und dabei innerhalb eines Arguments zwei verschiedene Bedeutungen für ein Wort anführt, dürfen (und sollten) wir darauf hinweisen, dass unser Gesprächspartner einem Fehlschluss der Mehrdeutigkeit aufgesessen ist.

„20 Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels. 21 Und Gott schuf große Seeungeheuer und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. 22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden. 23 Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag. 24 Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so. 25 Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. 26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. 27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

1 Mose 1: 20-27

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