Gibt es Mutter Natur?

„Mutter Natur“ ist keine Person – Natur ist der Name für eine Kette von Ereignissen, die wir in der Umwelt oder im Universum beobachten können. Natur ist ein abstraktes Konzept für Abläufe in unserer Umwelt, hat daher keinen Verstand und kann deshalb keine Entscheidungen treffen oder Gefühle empfinden. Hört und sieht man sich jedoch vlogs auf social media oder Natursendungen im TV an, bekommt man oft den Eindruck, dass „Mutter“ Natur eine Person ist, deren Entscheidungen dazu geführt haben, dass unsere Umwelt so aussieht, wie wir diese beobachten können. Wenn eine abstrakte Sache in einem Vortrag oder einer Diskussion als Person vorgestellt wird, ist dies ein logischer Fehlschluss, eine Reifikation oder auch Verdinglichung („Ein Ding wird als Person beschrieben“).

Zulässige Verdinglichung

Grundsätzlich ist es nicht falsch, Konzepte zu verdinglichen, wenn dies als Stilmittel zum Beispiel in der Poesie angewendet wird. Eduard Mörike tat dies 1829 (veröffentlicht 1832) in seinem bekannten Gedicht „Er ist’s“: Der Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte …“. Auch in Gottes Wort finden wir zulässige Verdinglichungen. In den Sprüchen (Kapitel 8) finden wir ein Lied über die Weisheit, die uns dort als Person vorgestellt wird. In der Weisheitsliteratur (Poesie) ist dies kein Problem.

1 Ruft nicht die Weisheit, und lässt nicht die Klugheit sich hören? 2 Öffentlich am Wege steht sie und an der Kreuzung der Straßen; 3 an den Toren am Ausgang der Stadt und am Eingang der Pforte ruft sie: 4 O ihr Männer, euch rufe ich und erhebe meine Stimme zu den Menschenkindern! 5 Merkt, ihr Unverständigen, auf Klugheit, und ihr Toren, nehmt Verstand an! 6 Hört, denn ich rede, was edel ist, und meine Lippen sprechen, was recht ist. 7 Denn mein Mund redet die Wahrheit, und meine Lippen hassen, was gottlos ist.

Sprüche 8: 1-7
Verdinglichungen als logisches Argument

Problematisch sind Verdinglichungen, wenn sie als logisches Argument verwendet werden. Der Grund dafür ist, dass Stilmittel in der Poesie oft zweideutig sind und wichtige Punkte in einer Diskussion oder Debatte verschleiern. Verdinglichungen wecken oft Emotionen und verhindern dadurch, dass Zahlen und Fakten mit der nötigen Objektivität betrachtet werden.

Verdinglichungen in der Biologie

In der Schule oder im Studium kannst Du im Biologieunterricht manchmal hören, dass „die Natur erstaunliche und wunderbare Tiere geschaffen hat“. Das ist eine unzulässige Verdinglichung, da „die Natur“ keine Person ist, daher keinen Verstand hat und deshalb auch nichts entwerfen, planen und schaffen kann. Der Lehrer oder Professor, der diese Verdinglichung verwendet verschleiert die Tatsache, dass es im Evolutionsmodell keine Möglichkeit gibt, die erstaunlichen Designelemente in Pflanzen und Tieren zu erklären. (Serie: Leben unter dem Fluch). Die allermeisten Lehrer und Professoren werden die Natur sicher nicht als Person sehen, in ihrer Argumentation benutzen sie jedoch dieses in einem wissenschaftlichen Umfeld unzulässige Stilmittel.

Ähnlich oft werden dem Modell der Evolution planerische Fähigkeiten zugeschrieben, wenn planvolle, komplizierte biologische Strukturen entdeckt werden: „Der Evolution ist es gelungen eine Lösung für dieses Problem zu finden!“. Mit dieser Aussage wird bewusst, oder unbewusst, die Tatsache übergangen, dass es in der Biologie Strukturen gibt, die nur durch Planung und Konstruktion eines überragenden Verstandes erklärt werden können.

Auf die Anmerkung, dass nur ein Verstand solche Strukturen planen und schaffen kann, erhält man dann oft die Antwort, dass „natürliche Auslese“ der Grund für die Existenz der betrachteten Struktur sei. Natürliche Auslese ist ein beobachtbarer Prozess, Pflanzen und Tiere die den vorherrschenden Lebensbedingungen besser angepasst sind, haben eine höher Überlebenschance als diejenigen die weniger angepasst sind. Doch darf man nicht vergessen, dass „die Natur“ keinen Verstand hat, der ausliest („die guten ins Töpfchen …“). Gott, der Schöpfer, hat Pflanzen und Tiere mit der Erbinformation geschaffen, die es ermöglicht, dass Tiere in unterschiedlichsten Lebensräumen überleben können. Ein Beispiel sind Braunbären, Grizzlies und Eisbären, die sich genetisch sehr ähnlich sind, jedoch in unterschiedlichen Lebensräumen wohnen. Wenn man es genau nimmt erklärt „natürliche Auslese“ nicht einmal, warum wir bestimmte Organismen in bestimmten Lebensräumen vorfinden. Natürliche Auslese erklärt nur, warum unangepasste Organismen in speziellen Lebensräumen nicht überleben können. Gott, der Schöpfer, schuf die Erbinformation für diese Organismen, nicht „Mutter Natur“.

Gott und Design

Gott auf der anderen Seite jedoch ist eine Person. Er hat einen unendlichen Verstand und ist allwissend. Er ist Schöpfer und Designer. Die Prozesse und Abläufe, die wir in der Natur sehen, sind sein Schaffen und Wirken, das wir beobachten und studieren können.  

Wissenschaft kann nicht reden

Ein weiteres Beispiel für eine Verdinglichung ist der oft gehörte Satz: „Die Wissenschaft sagt …“ oder „Die Wissenschaft hat festgestellt …“ . Auch „die Wissenschaft“ ist ein abstraktes Konzept. Richtigerweise müsste man sagen, dass Wissenschaftler mit Hilfe der wissenschaftlichen Methode (nach Sir Francis Bacon) Daten erhoben haben, die sie auswerteten und dann daraus schlussfolgerten. „Die Wissenschaft“, besser die wissenschaftliche Methode, ist ein Werkzeug, das von Wissenschaftlern richtig oder falsch eingesetzt werden kann. „Die Wissenschaft“ hat keine eigene Meinung, Wissenschaftler hingegen haben ein Weltbild, mit dem sie die ermittelten Daten beurteilen.

Beweise bleiben stumm

Ein drittes Beispiel kannst Du hören, wenn Beweise oder Artefakte gezeigt werden. Der Sprecher verwendet dann den Ausdruck „Die Beweise sprechen für sich selbst.“ Solange dieser Satz nicht als Argument in einer Diskussion verwendet wird, ist das kein Problem. Ersetzt er jedoch die Beweisführung, ist er eine unzulässige Verdinglichung. Beweise sind Zahlen und Daten, die Personen entsprechend ihres Weltbildes interpretieren. Menschen ziehen aus Daten Schlussfolgerungen und äußern dann ihre Gedanken dazu. Artefakte sind unbelebte Gegenstände, sie reden nicht, sie müssen von Menschen analysiert und in einen Zusammenhang mit weiteren Erkenntnissen gebracht werden. Dann kann der Wissenschaftler eine Schlussfolgerung formulieren, das Artefakt selbst hat keine Worte oder Gedanken, die der Wissenschaftler weitergeben kann.

Schlussfolgerung

Werden Verdinglichungen als Stilmittel in der Poesie verwendet, können sie im Leser Assoziationen, Gefühle und Stimmungen auslösen. Sie regen zum nach- und weiterdenken an. Ersetzen sie jedoch Argumente in einer Debatte, sind es logische Fehlschlüsse die Tatsachen verschleiern und in der Biologie Gottes Schöpfungshandeln unter den Teppich kehren.

In einer Debatte solltest du dir deshalb immer klar sein, worüber gesprochen und debattiert wird. Sobald ein Konzept oder ein Modell mit menschlichen Eigenschaften versehen wird um ein Argument vorzubringen, liegt eine unzulässige Verdinglichung vor, auf die du hinweisen darfst. Du kannst dann darauf hinweisen, dass Gott, der Schöpfer eine Person ist, dessen Verstand allen menschlichen Verstand übersteigt und verantwortlich ist für die außergewöhnliche Ordnung und Schönheit die wir immer noch in der Natur beobachten können.

19 Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. 20 Denn sein unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es mit Vernunft wahrnimmt, an seinen Werken ersehen. Darum haben sie keine Entschuldigung.

Römer 1: 19-20

„Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung. 8 Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, 9 sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“

Jesaja 55: 7-8