Kurz vor Ostern – dem Auferstehungsfest – sieht, hört und liest man immer mal wieder auf verschiedenen Kanälen, dass das mit der Kreuzigung und Auferstehung von Jesus nicht ernstgenommen werden müsse. Einer der Gründe, die angeführt werden ist, dass die Schreiber der Berichte über Jesus Leben nicht einmal den Zeitpunkt der Kreuzigung genau festlegen können. Und tatsächlich lesen wir bei Markus, dass Jesus zur „dritten Stunde“ gekreuzigt wurde, der Jünger Johannes jedoch schreibt, dass die Verurteilung von Jesus um die sechste Stunde geschah. Warum gibt es für dieses wichtige Ereignis zwei unterschiedliche Zeitangaben? Widersprechen sich diese Zeitangaben nicht? Wir machen uns hier an die Antworten auf diese Fragen[i].
Zeitangaben zur Zeit Jesu
Im ersten Jahrhundert nach Jesus‘ Geburt wurde Zeit anders gemessen und gesehen, als dies heute in Mitteleuropa der Fall ist. Menschen unserer Zeit leben sehr zeitbewusst und wir machen Zeitangaben auf die Minute und manchmal sogar auf die Sekunde genau. In unserer von Technik dominierten Welt heute haben wir dafür genügend sehr exakte Zeitmesser zur Verfügung, die klein genug sind um am Handgelenk oder in jeder kleinen (Hand-)Tasche mitgeführt werden können. Dies ist erst seit wenigen Jahrzehnten möglich und hat unser Zeitverständnis so beeinflusst, dass es uns nicht leichtfällt, uns in das antike Zeitverständnis einzufühlen.
Zeitangaben vor zweitausend Jahren waren ungenau und Pünktlichkeit, wie wir sie heute verstehen, gab es nicht. Sonnenuhren im ersten Jahrhundert waren nicht überall vorhanden, und die kleinste bekannte Zeiteinheit war „die Stunde“.[ii]
Tageslänge zur Zeit Jesu
Zur Zeit Jesu‘ dauerte ein Tag zwölf Stunden, wir lesen das im Bericht von Johannes, als Jesus fragt: „Hat nicht der Tag zwölf Stunden?“ (Johannes 11:9). Der Tag wurde dabei zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in drei Zeitabschnitte eingeteilt. Auch dies lernen wir von Jesus. Im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20: 1-16) spricht Jesus von der „dritten Stunde“, „sechsten Stunde“ und der „neunten Stunde“; jeweils gemessen vom Sonnenaufgang. Diese Angaben bedeuteten „Mitte des Morgens“, „Mit-tag“ und „Mitte des Nachmittags“.
Diese Zeitmarkierungen finden wir auch in den Berichten über die Kreuzigung in Matthäus 27:45; Markus 15: 25+33; Lukas 23: 44 und Johannes 19: 14.
Die Nacht zur Zeit Jesu
Zur Zeit von Jesus wurde die Nacht in vier „Wachen“ eingeteilt, wie wir in Markus 13 nachlesen können, als Jesus über seine Wiederkunft spricht, bzw. seine Jünger darüber lehrt. Er sagt: „So wacht nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen, …“. Bild 1 zeigt das Verständnis eines Tages und einer Nacht zur Zeit von Jesus.

Die Antwort auf die Frage, wie Markus 15: 25 und Johannes 19: 14 verstanden wird
Markus 15 wird am besten so verstanden, dass der Ausdruck „dritte Stunde“ nicht bedeutet, dass es genau 9 Uhr war, sondern es bezeichnet die „Mitte des Morgens“, was wir heute als den Zeitraum zwischen etwa 8:30 Uhr und 11:30 Uhr verstehen.
In gleicher Weise ist die „sechste Stunde“ ein Zeitraum zwischen 11:30 Uhr und 15:30 Uhr. Die „Stunden“ waren eine ungefähre Aussage zur Position der Sonne in einem der Quadranten (Viertelkreise/ – abschnitte) am Himmel.
Angenommen, dass die Verurteilung durch Pilatus etwa zur Mittagszeit verkündet wurde, dann könnten zwei Zeitzeugen zur Sonne geschaut haben und der eine würde dies auf die „dritte Stunde“ terminieren, da er seit dem Morgen dabei war. Der andere Zeitzeuge erwartete gleich die Schlachtung der Lämmer um den Mittag (12:00 Uhr) und wählt deshalb die Zeitangabe „sechste Stunde“. Es ist gut möglich, dass Johannes das Todesurteil des Lammes Gottes (Jesus) in einen zeitlichen Zusammenhang mit dem Schlachten der Passalämmer bringen wollte, während es Markus wichtig war, dass zwischen der ersten Vorstellung von Jesus bei Pilatus bis zu seinem Schuldspruch und der Kreuzigung nicht viel Zeit vergangen war, um so auf das ungerechte Verfahren gegen Jesus hinzuweisen.
Nimmt man noch die Tatsache hinzu, dass Johannes schreibt „um die sechste Stunde“, wird klar, dass es keinen Widerspruch an diesen beiden Stellen gibt. Johannes‘ Angabe wurde schon zu dessen Zeiten nur als eine ungefähre Annäherung an den Zeitpunkt verstanden.
Für uns Leser dieser Stellen ist jedoch am wichtigsten zu verstehen, dass Jesus, der unschuldig war, für uns als Passalamm geopfert wurde, das für unsere Sünden am Kreuz starb, damit wir ewiges Leben haben.
7 Darum schafft den alten Sauerteig weg, auf dass ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja ungesäuert seid. Denn auch unser Passalamm ist geopfert, das ist Christus.
1 Korinther 5: 7
21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt
2 Korinther 5:21
[i] A.J. Köstenberger, J. Taylor: The Final Days of Jesus: The Most Important Week of the Most Important Person Who Ever Lived. Crossway, 2014.
[ii] https://www.dhm.de/blog/2016/10/28/die-geschichte-der-uhrzeit/ https://imperium-romanum.info/wiki/index.php/Tageszeit
