Laternenfest – zu Martins Ehr?

„Da gab es immer eine Brezel und heiße Schokolade!“ – wer erinnert sich nicht an die Laternenumzüge im Kindergarten. In den Wochen und Tagen davor wurde eine Laterne gebastelt, man lernte von Martin, der seinen roten Mantel teilte und freute sich auf den Umzug mit den Laternen und den Brezeln und der heißen Schokolade im Anschluss. Bis heute hält sich dieser Brauch in den Kindergärten, doch was hat es mit dem 11. November eigentlich auf sich?  

Das Laternenfest wird zu Ehren von St. Martin gefeiert, der irgendwann zwischen 316 und 336 n.Chr. im heutigen Ungarn geboren wurde[i]. Sein Vater diente in Martins jungen Jahren als Offizier in der Kaiserlichen Kavallerie der römischen Armee, weshalb Martin im heutigen Pavia in Norditalien aufwuchs. Im Jahr 313 wurde das Christentum in Rom unter Kaiser Konstantin Staatsreligion. Trotzdem waren die Christen in Rom immer noch in der Minderheit und in der Gesellschaft wenig akzeptiert. Trotzdem begann Martin im Alter von 10 Jahren, entgegen dem Willen seiner Eltern, eine Kirche zu besuchen und bereitete sich auf seine Taufe vor.  

Zuerst war sein neuer Glaube an Jesus nur Grund für Diskussionen mit seinen Eltern, doch als Sohn eines Offiziers musste Martin mit 15 Jahren seinen Militärdienst beginnen, sehr wahrscheinlich in der Leibgarde des Kaisers. Sein Biograph Sulpicius Severus berichtet, dass Martin vor einer Schlacht in der Nähe von Worms dem Kaiser sagte: „Ich bin ein Soldat von Jesus, es ist nicht recht, dass ich kämpfe.“ Auf Feigheit stand Freiheitsstrafe und um zu zeigen, dass er nicht feige war, bot Martin an unbewaffnet in die Schlacht zu ziehen. Doch dies wurde nicht nötig, da die Gallier einen Frieden anboten und die Schlacht nicht stattfand. Im Anschluss an diese Episode wurde Martin aus dem Militärdienst entlassen.

In Tours lernte er die Dreieinigkeit Gottes zu verstehen und zu erklären und konnte so dem aufkeimenden Arianismus[ii] entgegenstehen. Damit machte er sich nicht immer Freunde[iii], aber er führte unter Anderen seine Mutter zum Glauben an den auferstandenen Herrn Jesus. Da sein Lehrer Hilarius und auch er aufgrund ihrer Überzeugungen ins Exil mussten, dauerte es bis 361 dass es zu einem erneuten Treffen in Poitiers kam, das dort zu einem Zentrum der Evangelisation wurde. Seine Missionsreisen in Westgallien sind bis heute auch von vielen Legenden vernebelt.

Eine davon handelt davon, dass er sich im Jahr 371 sehr widerwillig zum Bischof von Tours ernennen ließ – er versteckte sich angeblich im Gänsestall und das Geschnatter der Gänse verriet ihn. Die „Martinsgans“, die am Martinstag bei manchen Familien am Abend auf den Tisch kommt, erinnert bis heute an diese Legende.

Und auch wenn er Gottes Wort gegen falsche Lehren in der Kirche verteidigte, stand er dennoch dafür ein, dass falsche Lehrer nicht hingerichtet werden sollten. Da dies nicht immer von Erfolg gekrönt war weigerte er sich längere Zeit, mit Bischoff Ithacius zu sprechen, der dies als legitimes Mittel sah, gegen diese Lehrer vorzugehen.

Seine Hauptaufgabe als Bischof sah Martin darin, gegen die heidnischen Gebräuche in seinem Bezirk vorzugehen. Durch seine Arbeit gelang die Botschaft von Jesus sogar bis nach Paris und für damalig weit entfernte Gebiete im Osten und Süden des heutigen Frankreichs.

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Nach seinem Tod im Jahr 397 entwickelten sich viele Legenden um das Leben von Martin. Die bekannteste wird jedes Jahr am Martinstag in den Kindergärten erzählt: An einem kalten Tag zerschnitt er, noch im Dienst des Kaisers, seinen Militärumhang um die eine Hälfte einem armen Bettler zu geben. In dieser Nach sei ihm Jesus mit der anderen Hälfte seines Mantels erschienen, der Engeln sagte, dass „dies ist Martin, der sich taufen ließ, der mir diesen Mantel gegeben hat[iv].

Martins Beerdigung war am 11. November 397, und bis heute ist dieser Tag als Martinstag bekannt. In früheren Zeiten wurde die Herbstaussaat beendet und das jährliche Schlachten für den Winter vollzogen. Auch gab es an diesem Tag „Berufsmessen“, an denen Hofarbeiter neue Arbeitsstellen suchen konnten[v].

Ab dem 6. Jahrhundert nach Christus wurde in der Zeit zwischen dem 11. November und dem 6. Januar gefastet (40 Tage ohne Samstage und Sonntage). Daraus entwickelte sich die vorweihnachtliche Fastenzeit[vi] und letztendlich die vier Adventswochen bis zum Heilig Abend im deutschsprachigen Raum.

Am Martinstag wird viel von Martins Hilfsbereitschaft und Demut gesprochen. Dies alles sind gute Hinweise darauf, dass er mit Jesus lebte. Doch der wichtigste Hinweis auf seine Umkehr hin zu Jesus ist, dass er das Wort von Jesus, gemäß dem Missionsauftrag, in beinahe dem ganzen heutigen Frankreich verbreitete und Kirchen gründete. Erinnern wir uns neben den ganzen Traditionen, den Laternen, den Plätzchen und Brezeln und den heißen Getränken auch daran, dass wir davon weitererzählen sollen, dass Gott selbst in Jesus zu uns kam, um uns Gemeinschaft mit Ihm zu ermöglichen.

Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

Matthäus 28: 19-20

[i] https://en.wikipedia.org/wiki/Martin_of_Tours

[ii] Der Arianismus lehrte (und bis heute gibt es Anhänger dieser Lehre), dass Jesus zwar Gottes Sohn sei, aber nicht der ewige Gott selbst, da der ewige Gott Jesus geschaffen hätte. Damit widerspricht diese Lehre Gottes Wort in Johannes 1: V3 „Durch ihn wurde alles erschaffen, was ist. […]; V10 „Doch obwohl die Welt durch ihn geschaffen wurde, […].“ V14 „Er, der das Wort ist, wurde Mensch und lebte unter uns.“

[iii] … und auch nicht sein Lehrer Hilarius von Poitiers.

[iv] Lange Zeit gab es ein Relikt, das Martins Hälfte des Umhangs sein sollte. Bis ins Mittelalter wurde dieses Relikt vom König in die Kriege mitgeführt und in der Schatzkammer aufbewahrt, bis es von Karl dem Großen 798/99 einen festen Platz in Saint-Denis erhielt. Die für das Relikt verantwortlichen Priester wurden capellani genannt, der Ursprung für das englisch Wort für Militärpfarrer „chaplain“.

[v] Wer sich für die Geschichte der USA interessiert, weiß, dass an diesem Tag auch der Mayflower Compact unterschrieben wurde. Ein Vertrag der Puritaner auf der Mayflower, der das Leben der Siedler nach biblischen Prinzipien regelte.

[vi] Deshalb beginnt auch die Faschingssaison an diesem Tag – die Frage ist, ob die Narren wissen, warum ihre Feiern an diesem Tag beginnen (Fasching kommt von Fasten!)

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