Wir schaffen das nicht – Eine Erzählung

BibleTime von Coach G.L.

Wir werden uns eines meiner Lieblingsgleichnisse ansehen – es ist unter Christen weithin bekannt. Es ist das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. […]

Wir finden dieses Gleichnis im 10. Kapitel des Lukasevangeliums (Lukas 10:25-37). Um dieses Gleichnis zu verstehen, müssen wir den Zusammenhang oder die Bedeutung verstehen, die Lukas dieser Geschichte gibt, die Jesus uns erzählt.

Eine Frage an Jesus und ihre Antwort

Der Zusammenhang ist ein kurzes Verhör durch einen Gesetzesgelehrten – einen Mann, der das Gesetz studiert hatte. Er sucht nicht nach Weisheit, sondern will Jesus auf die Probe stellen. Er stellt die Frage: „Wer ist mein Nächster?“ Doch Jesus dreht die Frage um. „Also, Herr Gesetzeslehrer, Sie sind ein Student des Gesetzes – was sagt denn das Gesetz? Was musst du tun, um das ewige Leben zu erben?“ Der Gesetzeslehrer antwortet, indem er das große Gebot zitiert:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele, deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst.“

Offensichtlich hatte er das große Gebot auswendig gelernt, wie es Jurastudenten damals taten, und er beantwortete Jesu Frage richtig. Jesus sagte: „Ja, du hast richtig geantwortet. Tu das, und du wirst leben.“

Das Gesetz deckt Sünde auf

Jesus bietet diesem Mann also die Verheißung des ewigen Lebens an – wenn er nur das Gesetz Gottes halten würde. Natürlich wusste Jesus, dass Pharisäer, Schriftgelehrte und Gesetzeslehrer meinten, sie würden das Gesetz so gut kennen, dass sie sich damit Punkte für den Himmel verdienen könnten. Was Jesus ihnen zeigen wollte, war: Wenn sie das Gesetz wirklich verstanden hätten, würde es sie dazu treiben, Gott zu lieben, anstatt zu versuchen, sich durch eigene gute Werke den Weg in den Himmel zu erarbeiten. Denn das Gesetz deckt unsere Sünde und unsere Bedürftigkeit auf. Wir können das Gesetz oder die Regeln nicht aus eigener Kraft halten (Römer 3:20).

Was ist Liebe?

Valentinstag – Tag der Verliebten, Tag der Liebe. Der Einzelhandel erwartet im Jahr 2026 etwas mehr als ein Milliarde Umsatz in den Tagen vor…

Weiterlesen
Calvin, Luther und das Gesetz

Zwei der größten Reformatoren der Kirche – Calvin und Luther – hatten beide eine juristische Ausbildung. Als sie später das Gesetz Gottes studierten, wurden sie zum Evangelium getrieben, weil das Gesetz sie mit unbeantworteten Fragen und Hoffnungslosigkeit zurückließ.

Ein Ablenkungsmanöver

Der Gesetzeslehrer in Jesus‘ Geschichte dagegen war sich fast sicher, dass er das große Gebot hielt. Und so sagte Jesus zu ihm: „Gut, halte es, und du wirst ewiges Leben haben.“ Aber der Gesetzeslehrer war sich anscheinend doch nicht ganz sicher. Deshalb hakte er bei Jesus nach: „Wie ist das gemeint?“ Er möchte die Aufmerksamkeit von sich wenden und versucht das Thema zu wechseln.

 „Nun, Jesus, wer ist denn mein Nächster?“

Was bedeutet das Gesetz, dass ich meinen Nächsten lieben soll wie mich selbst? Ich verstehe, Gott zu lieben – aber was meinst du damit, meinen Nächsten zu lieben wie mich selbst? Technisch gesehen könnte doch jeder in meiner Nachbarschaft mein Nächster sein, oder? Unter den Juden, besonders unter den Pharisäern, gab es jedoch eine sehr enge Definition davon, wer der Nächste war. Für sie war es ein Mitjude – und zwar ein rechtschaffener Mitjude, wie einer der Pharisäer. Sie hielten sich selbst für gerecht und alle anderen für „das Volk des Landes“ – die einfache, niedrigere Bevölkerungsschicht. Menschen außerhalb der Nation Israel galten als außerhalb der Nachbarschaft Gottes. Und unter diesen Außenstehenden waren die Samariter die am meisten Verachteten.

Wer waren die Samariter?

Als die Juden in die babylonische Gefangenschaft geführt wurden, heirateten einige der Zurückgebliebenen fremde Frauen, wodurch eine Mischbevölkerung entstand. Als die Juden aus der Gefangenschaft zurückkehrten und begannen, den Tempel wieder aufzubauen, warfen die Samariter tote Schweine in das Baugebiet, wodurch der heilige Boden verunreinigt wurde. Dann mussten aufwendige Reinigungsrituale durchgeführt werden, was den Bau für Wochen unterbrach. Zwischen Samaritern und Juden herrschte also große Feindschaft.

Jesus schockierte die Menschen, als er von Judäa nach Galiläa reiste und durch Samaria ging, statt es – wie die Juden es normalerweise taten – zu umgehen.

„Das ist dein Nächster!“

Und so beantwortet Jesus die Frage nach dem Nächsten. Er erzählt eine Geschichte:

Ein Mann, vermutlich ein Jude, geht von Jerusalem nach Jericho – etwa 27 Kilometer, eine sehr steile Strecke, vom Niveau über dem Meeresspiegel (785m) hinunter unter den Meeresspiegel (-276m). Die Straße war ein beliebter Ort für Räuber, die sich versteckten und warteten. Sie überfielen den Mann, schlugen ihn brutal zusammen und ließen ihn halbtot liegen.

Bis heute nicht ungefährlich

Als ich 2023 mit meiner Frau in Israel war, fuhren wir von Nazareth nach Bethlehem entlang des Jordans. Am Straßenrand stand ein zerlumpt aussehender Mann mit einer leeren Wasserflasche und einem Schild: „Brauche Wasser“. Ich sagte unserem Fahrer, dass wir zusätzliche Wasserflaschen hätten, und fragte, ob er anhalten würde. Er sagte nein. Wenn ich diese Straße kennen würde, wüsste ich, dass sich drei oder vier Männer hinter dem Straßenrand verstecken und darauf warten würden, unser Auto zu überfallen, wenn wir anhalten. Also fuhren wir weiter.

Zurück zu Jesus‘ Geschichte

Ein Priester ging auf der anderen Seite vorbei. Es war nicht so, dass er ihn nicht sah. Vielleicht konnte er nicht erkennen, ob der Mann tot oder lebendig war. Ein Gesetz besagte, dass man, wenn man einen Toten berührte, ein Reinigungsritual durchlaufen musste. Er wollte seinen Zeitplan nicht durcheinanderbringen. Also ging er auf der anderen Seite vorbei.

Dann kam ein Levit, ein jüdischer Tempeldiener oder Lehrer, und tat dasselbe. Wie der Priester half er nicht und ging ebenfalls auf der anderen Seite vorbei.

Ein dritter Mann kommt vorbei – ein Samariter. Wenn ich damals einer Gruppe von Juden sagen würde: „Ich erzähle euch eine Geschichte von einem guten Samariter“, hätten sie gesagt: „Das ist ein Widerspruch in sich, ein Witz. So etwas gibt es nicht. Aber Jesus fährt fort: „Und als er ihn sah, hatte er Mitleid.“

Barmherzigkeit ist mehr als Mitleid

Genau das hatten der Priester und der Levit nicht. Sie empfanden nichts für diesen armen, elenden Mann, der auf der Straße lag. Aber als der Samariter ihn sah, hatte er Mitleid. Die Geschichte hätte auch so erzählt werden können: Ein Samariter sah den geschlagenen Mann, hatte Mitleid und ging dann weiter. Nein. Das Mitleid, das er empfand, führte zu Handeln. Er sagte nicht nur: „Ich werde für dich beten, armer Kerl, ich fühle mit dir“ – und ging weiter. Er tat alles, was in seiner Macht stand, um diesem Feind Barmherzigkeit zu erweisen.

Er ging zu ihm, verband seine Wunden und goss Öl und Wein darauf. Dann hob er ihn auf und setzte ihn auf sein eigenes Tier, wahrscheinlich einen Esel oder ein Kamel. Das bedeutete, dass der Samariter neben dem Tier hergehen musste und seinen Platz aufgab, damit der Verletzte reiten konnte. Dann brachte er ihn in eine Herberge. Nicht in ein Krankenhaus, wo er ihn einfach hätte abgeben und vergessen können. Nein, sein ganzer Tag, seine ganze Reise, alle seine Geschäfte mussten abgesagt oder verschoben werden, damit er sicherstellen konnte, dass dieser Mann versorgt wurde.

Er brachte ihn in die Herberge, mietete ein Zimmer und sorgte dafür, dass er alles bekam, was er brauchte – Essen und Pflege. Der Samariter sagte seine eigenen Pläne ab und blieb die ganze Nacht bei ihm. Am nächsten Morgen nahm er zwei Denare, gab sie dem Wirt und sagte: „Kümmere dich um ihn. Was immer es kostet, kümmere dich um ihn. Du kennst mich – ich mache diese Reise regelmäßig, und ich werde zurückkommen. Wenn ich dir noch mehr schulde, werde ich es bezahlen.“

Die Antwort auf die zweite Frage

Nun fragt Jesus den Gesetzeslehrer: „Wer von diesen dreien ist dem, der unter die Räuber fiel, zum Nächsten geworden?“ Es war eine einfache Frage. Der Gesetzeslehrer antwortete: „Der, der Barmherzigkeit an ihm tat.“ Er empfand nicht nur Mitleid, sondern handelte barmherzig.

Was antwortet Jesus mir?

In dieser Geschichte fordert Jesus uns nicht nur auf, Armen, Verletzten oder Bedürftigen mit Mitgefühl zu begegnen. Der Kern der Geschichte ist die Antwort auf die Frage: „Wer ist mein Nächster?“ Es gibt keine Grenzen, sagt Jesus. Keine ethnischen, keine geografischen Grenzen für die Nachbarschaft im Reich Gottes. Das ist radikal. Das bedeutet, dass ich berufen bin, jeden Menschen auf dieser Erde so sehr zu lieben wie mich selbst – selbst, wenn er nicht zu meiner Gemeinschaft gehört, selbst wenn er nicht an Gott glaubt. Er ist trotzdem mein Nächster (3. Mose 19:18).

Wenn wir Menschen in Not sehen, fragen wir nicht zuerst, wie sie dorthin gekommen sind. Unsere Aufgabe ist es nicht zu beurteilen, warum er im Straßengraben liegt. Denn wenn wir im Straßengraben lägen, würden wir wollen, dass uns geholfen wird. Und dieser Mensch ist mein Nächster, und ich soll meinen Nächsten lieben wie mich selbst. Jesus sagte: „Tu das, und du wirst leben.“


21 Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. 22 Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: 23 Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen, 24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. 25 Den hat Gott für den Glauben hingestellt zur Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden 26 in der Zeit der Geduld Gottes, um nun, in dieser Zeit, seine Gerechtigkeit zu erweisen, auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.

Römer 3: 21-26