Widerspruch in der Schlussfolgerung?

Liest man einzelne Berichte über den World Series Sieg der Chicago Cubs 2016, erhält ein Nicht-Baseballfan den Eindruck, dass die Cubs damals in einer beinahe unwirklichen Nacht mit einem einzigen Spiel nach 108 Jahren die World Series wieder einmal gewannen. 6-3 Führung Mitte des achten Innings, Führung in der unteren Hälfte des achten Innings verspielt, Unentschieden nach neun Innings, eine legendäre Regenpause vor dem zehnten Inning; ein Inning, das auch den nervenstärksten Moderator hinter dem Mikrophon zu einem schimpfenden Rumpelstilzchen machte, bevor auf dem Platz alle Dämme brachen, als Kris Bryant (3B) den Ball zu First Baseman Anthony Rizzo zum finalen Aus und World Series Gewinn warf. Doch die Schlussfolgerung des Nicht-Baseballfans ist falsch – andere Berichte über die World Series 2016 erwähnen, dass diese über die maximale Anzahl von sieben Spielen gingen, und dabei die Cubs das beinahe Unwahrscheinliche möglich machten und einen 3-1 Spielerückstand durch drei Siege in Folge in ihren größten Triumph in 108 Jahren ummünzten. Nicht immer enthält ein Text alle Informationen, sondern konzentriert sich auf die wichtigsten Einzelheiten. Widersprechen sich deshalb die unterschiedlichen Artikel?

Widersprüche in der Schlussfolgerung

Widersprüche in der Schlussfolgerung entstehen, wenn jemand etwas aus einem Text schlussfolgert, was dort nicht steht.

Ein Beispiel aus Gottes Wort ist die Zeit nach der Geburt von Jesus. In Matthäus 2: 13-15 lesen wir, dass die kleine Familie vor Herodes nach Ägypten floh. Lukas 2: 22 und 39 hingegen berichtet, dass Jesus nach Jerusalem gebracht wurde und die Familie sich dann in Nazareth niederließ. Lukas erwähnt in seinem Bericht die Flucht nach Ägypten nicht. Widersprechen sich die beiden Berichte nicht?

Zwei Berichte die sich ergänzen

Leser der beiden Berichte können schlussfolgern, dass beide Autoren über den gleichen Zeitabschnitt und den Besuch in Bethlehem berichten. Doch keiner der Autoren hält dies so in seinem Bericht fest. Forscht man im Bericht von Matthäus genauer nach, stellt man fest, dass Matthäus von einem Kleinkind spricht |παιδίον|, während Lukas Jesus als Säugling |βρέφος| bezeichnet. Dass Herodes alle Kinder bis zwei Jahre töten ließ ist dann ein weiterer Hinweis darauf, dass Matthäus über einen Zeitraum bis zu zwei Jahre nach der Geburt von Jesus berichtet, während Lukas sich auf die Tage und Wochen direkt nach Jesus‘ Geburt konzentriert. Es ist gut möglich, dass Joseph und Maria mit Jesus sich bis zum Besuch der Weisen im folgenden Jahr in Bethlehem niederließen, bzw. auch nach einer Reise nach Nazareth wieder zurückkamen und dort lebten, bis die Besucher aus dem Morgenland nach Bethlehem kamen und Jesus ihre Geschenke brachten. Erst dann flohen sie vor Herodes nach Ägypten und entschieden sich erst nach ihrer Rückkehr dauerhaft in Nazareth sesshaft zu werden. Die Berichte der beiden Autoren ergänzen sich, ein Widerspruch ergibt sich nur aus der vorschnellen Schlussfolgerung des Lesers.

Nur so und nicht anders

Ähnlich verhält es sich, wenn vorschnell unterschiedliche Zahlangaben in zwei Texten, die über die gleiche Situation berichten, einander gegenübergestellt werden. Oft folgert der Leser dann, dass sich die beiden Autoren widersprechen, da unterschiedliche Zahlangaben festgehalten wurden. Doch kann es sich hier um einen X und nur XFehlschluss (So und nicht anders) handeln.

Ein Beispiel sind die Berichte über den von Dämonen besessenen Mann in den Berichten von Markus, Lukas und Matthäus (Markus 5: 2-16; Lukas 8: 26-37). Während Markus und Lukas nur von einem Mann berichten, der von Jesus von seiner Besessenheit geheilt wird, schreibt Matthäus von gleich zwei Männern. Widersprechen Markus und Lukas dem Bericht von Matthäus?

Nein, denn wenn es zwei Männer gab, die besessen waren, dann ist es selbstverständlich auch wahr, dass es einen besessenen Mann gab. Warum Markus und Lukas den zweiten Mann nicht erwähnen ist eine interessante Frage. Vielleicht war er weniger auffällig oder später weniger bekannt, da er, als er geheilt war ein unspektakuläres Leben führte; das alles ist jedoch nicht schriftlich festgehalten. Was wir wissen ist, dass Markus und Lukas von nur einem einzigen Mann schreiben, bzw. schreiben, dass es ein einzelner Mann war. Nur weil sie den zweiten Mann nicht erwähnen, bedeutet das nicht, dass es ihn auch nicht gab. Damit widersprechen sich die Berichte nicht.

Schlussfolgerung

Die beiden Beispiele zeigen, dass ein Widerspruch in der Schlussfolgerung vorliegt, da Details, die der Text nicht erwähnt einfach angenommen, bzw. vorausgesetzt werden. Der Text des Wortes Gottes ist klar, der Widerspruch existiert nur durch vorschnelle und spekulative Schlussfolgerungen des Lesers.

Lesen wir die Bibel müssen wir vorsichtig sein, wenn wir Schlussfolgerungen aus Texten ziehen, die der Text selbst nicht erlaubt.

14 Daran erinnere sie und ermahne sie inständig vor Gott, dass sie nicht um Worte streiten, was zu nichts nütze ist, als die zu verwirren, die zuhören. 15 Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als ein angesehener und untadeliger Arbeiter, der das Wort der Wahrheit recht vertritt. 16 Halte dich fern von ungeistlichem losem Geschwätz; denn es führt mehr und mehr zu gottlosem Wesen, 17 und ihr Wort frisst um sich wie der Krebs.

2. Timotheus 2: 14-17a