Jesus ist am dritten Tag von den Toten auferstanden, genauso, wie er es mehrfach seinen Jüngern vorhergesagt hatte. Matthäus zitiert Jesus mit den Worten „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein“ (Matthäus 12: 39-40). Doch wenn Jesus am Passahfest gekreuzigt wurde[i], am Sabbat im Grab lag und am ersten Tag der Woche von den Toten auferstand – wo bleibt die dritte Nacht?
Manche Kommentatoren beantworten diese Frage damit, dass es im Jahr der Kreuzigung einen besonderen Sabbat gab, da das Passahfest (14. Nisan) auf einen Sabbat gefallen sei (an dem keine Arbeiten verrichtet und daher auch keine Lämmer geschlachtet werden durften) und daher ein „extra Sabbat“ eingeschoben worden sei. Daher sei Jesus an einem, um im modernen Verständnis zu bleiben, Donnerstag am Kreuz gestorben. So gut diese Hypothese klingt, gibt es dafür jedoch nur wenige gute Anhaltspunkte.
Eine bessere Antwort findet man, wenn man sich bewusst macht, wie zur Zeit von Jesus die Tage gezählt wurden. Einen ersten Hinweis darauf finden wir gleich zu Beginn des Wortes Gottes. Nachdem Gott das Licht geschaffen hatte, zählt Gott den ersten Tag „Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.“ (1 Mose 1: 5). Während wir heute (umgangssprachlich) den Tagesbeginn auf den Sonnenaufgang legen, begann zur Zeit von Jesus der Tag mit dem Sonnenuntergang.
Einen weiteren Hinweis darauf liefert uns der Bericht über Königin Ester (Ester 4). Es wird berichtet, dass die Königin den Juden durch Mordechai ausrichten lässt, dass „ihr nicht esst und trinkt drei Tage lang, weder Tag noch Nacht“ (Ester 4:16). Sie bat die Juden darum, bei Gott für sie einzustehen. Der Grund war, dass sie bei ihrem Ehemann, dem König, ohne Einladung vorsprechen wollte und sie deshalb ihr Leben verlieren könnte.
Doch nur vier Sätze weiter (Luther 2017) lesen wir: „Und am dritten Tage kleidete sich Ester königlich und trat in den inneren Hof am Palast des Königs gegenüber dem Palast des Königs“ (Ester 5:1). Nach der modernen Zählweise müsste dort aber stehen |und am vierten Tag|, denn Ester hätte drei Tage gewartet und wäre erst am Tag darauf vor den König getreten. Genauso ist dies mit der Zählweise der Nächte und Tage, die Jesus im Grab lag. Lesen wir die relevanten Verse aus Gottes Wort:
40 Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.
Matthäus 12: 40
Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.
Matthäus 28: 1
5 Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? 6 Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war 7 und sprach: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.
Lukas 24: 5-7
Hätten die Menschen zur Zeit von Jesus die Tage gezählt, wie wir das heute verstehen, dann hätte Jesus am vierten Tag auferstehen müssen. Schaut man sich jedoch diese Stellen an, lernt man, dass die Menschen damals „den dritten Tag“ auch als „nach drei Tagen“ verstanden haben.
Damals wurde ein Teil des Tages als der ganze Tag gezählt. Im Übrigen machen auch wir das heute noch manchmal. Auf die Frage, wie lange man über ein langes Wochenende in XY war, bekommt man oft die Antwort: „Drei Tage“, auch wenn man am Freitag sechs Stunden im Auto unterwegs nach XY war und auf der Rückfahrt am Sonntag schon gegen die Mittagszeit wieder nach Hause fuhr.
Das Bild veranschaulicht das Tagesverständnis zur Zeit von Jesus:

Jesus hat mit seinen Jüngern das Passahmal am Tag des Passahs gefeiert (wenn auch einen Abend früher als andere Familien) und wurde am Passahfest (um den Zeitpunkt der Schlachtung der Lämmer) gekreuzigt. Kurz vor Sonnenuntergang dieses Tages wurde er ins Grab gelegt. Auch wenn Jesus erst spät am Tag ins Grab gelegt wurde, wurde dies als erste Nacht und Tag gezählt.
Am Sabbat lag er im Grab, während die Hohenpriester dafür sorgten, dass das Grab durch römische Soldaten (Matthäus 27: 62-66) bewacht wurde.
Am Morgen des ersten Tages der Woche stand Jesus von den Toten auf. Nach der damaligen Zählweise war dies dann die dritte Nacht und der dritte Tag, auch wenn es noch früh nach dem Sonnenaufgang war. Und so ist Jesus auch am dritten Tag von den Toten auferstanden.
Wenn wir ältere Texte vor uns haben, müssen wir uns immer auch bewusst machen, dass diese durch die damalige vorherrschende Kultur beeinflusst waren und dass, z.B. die Tage (und Uhrzeiten) anders bestimmt wurden, als wir das tun. Versetzen wir uns aber gedanklich in diese Kultur, erhalten wir die Antworten auf unsere Fragen, wenn es wie hier, um Zeiten und Tage geht.
Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. 9 Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. 10 Denn wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht; und wer mit dem Munde bekennt, wird selig.
Römer 10: 8-10
[i] Bei der Antwort auf diese Frage geht dieser Artikel davon aus, dass Jesus am Tag der Schlachtung der Passalämmer gekreuzigt wurde. Es gibt Kommentatoren, die dies etwas anders sehen. Eine ausführliche Auseinandersetzung zu diesem Thema gibt es hier: https://bibelbund.de/2016/07/der-termin-der-kreuzigung-ein-exegetisches-problem/
