„1 Und die Israeliten taten wiederum, was dem HERRN missfiel, und der HERR gab sie in die Hände der Philister vierzig Jahre.“ Richter 13: 1
Eine bessere Übersetzung dieses Verses findet sich in der Elberfelder Bibel: Und die Söhne Israel taten weiter, was böse war in den Augen des HERRN. Wieder einmal taucht dieser Vers in den Berichten des Richterbuches auf, wie schon in Kapitel 2: 11; 3: 7+12; 4:1; 6:1 und 10: 6. Zuvor lernen wir über die Richter Ibzan, Elon und Abdon. Hier sticht der Richter Abdon heraus: Seine Söhne und Enkel ritten auf Eseln – zu dieser Zeit königliche Reittiere. Sehr wahrscheinlich hatte Abdon wieder eine Art Monarchie aufgerichtet, wie dies Abimelech getan hatte. Zumindest hatte er versucht, seinem Amt einen königlichen Anstrich zu geben. Alle drei Richter haben gemeinsam, dass der Bericht nichts davon erwähnt, dass sie Israel gerettet hätten oder dass sie Gott die Ehre gegeben hätten.
Das Volk Israel entfernt sich immer weiter von Gottes Willen. Mit jeder weiteren Generation wird die Abkehr von Gott deutlicher. Auch keiner der Richter, die Gott auf ihre Art ehrten, brachten das Volk in ihrem Gottesdienst dahin zurück, wo es bei Josua begonnen hatte. Jeder dieser Richter, hat den Abfall zur verzögert, nicht aber umgekehrt.
In späteren Aufzeichnungen (Kapiteln) wird noch deutlicher, was der Grund dafür war: „Jeder tat, was recht war in seinen Augen.“ (Richter 17:6 + 21:25, Elberfelder).
Offensichtlich erkannten/ sahen die Israeliten nicht, dass ihr Handeln „in Gottes Augen böse“ war. Oft erkennen wir durch unser Gewissen, dass unser Handeln schlecht und böse ist. Doch die Israeliten zu dieser Zeit erkannten dies nicht mehr. Sie sagten nicht: „Oh, was ich tue ist böse aber ich werde es trotzdem tun.“ In ihrer Sichtweise war ihr Handeln vollständig ohne Fehler und sogar gut.
Wir können daraus zwei Wahrheiten über Sünde lernen. Erstens eine Definition von Sünde: Die Aussage „in den Augen des Herrn“ steht der Aussage „in seinen (ihren) Augen“ gegenüber. Sünde ist nicht davon abhängig, was uns unser Gewissen sagt oder auch nicht sagt. Sünde ist nicht, was meiner eigenen Ansicht und Meinung widerspricht, bzw. der Zeitgeist oder führende Persönlichkeiten (auch Theologen oder Pfarrer) sagen, was falsch sei. Sünde begehe ich dann, wenn ich Gottes Willen und Gebote verletze.
Ursprung des Guten
„Können wir ohne Gott Gutes tun?“ – „Ja, natürlich! Ich muss nicht an Gott glauben um Gutes zu tun, dazu brauche ich Gott nicht!“ Dies ist eine nachvollziehbare Antwort. Doch sie beantwortet nicht die gestellte Frage: Können wir ohne Gott Gutes tun? Bei dieser Frage geht es nicht darum, ob jemand, der nicht an Gott…
WeiterlesenDiese Definition von Sünde („Dein Handeln verletzt Gottes Willen und seine Gebote“) steht dem modernen Weltbild gegenüber. Schaut man sich Gesprächsrunden oder Diskussionsforen an, hört man immer wieder, dass „nur du kannst entscheiden, was für dich gut oder schlecht ist.“ – Das ist eine freie Übersetzung für „tun was in deinen Augen/ in deiner Sichtweise richtig ist“. Anders gesagt, meine Gefühle, Emotionen und meine eigenen Ansichten sind der einzige Standard um zu bestimmen, was richtig oder falsch ist.
Der gesunde Menschenverstand widersprich dem. Selbst wenn wir die Bibel nicht hätten. Wenn das Böse nur durch die persönliche Sichtweise bestimmt wird, können wir einem Massenmörder nicht sagen, dass sein Morden böse ist. In seinen Augen tut er sich selbst und der Welt einen Gefallen, wenn er diese Menschenleben auslöscht. Geben wir jedoch zu, dass „unsere eigenen Augen“, unsere eigenen Gefühle und Ansichten nicht der Standard dafür sein können, was Sünde ist – wessen Sichtweise ist es dann? Sind es die Sichtweisen der Psychologen? Die Ansichten der Mehrheitsbevölkerung? Nein, einzig Gottes Wort kann uns sagen, was Sünde ist, was richtig oder falsch ist.
Gott sagt uns in seinem Wort, dass das Sünde ist, was sein Gesetz und seinen Willen verletzt. Wenn Gott sagt, dass etwas Sünde ist, dann ist es unabhängig davon, was Menschen dabei fühlen oder wie ihre Sichtweise zu einem bestimmten Sachverhalt ist.
19 Wir wissen aber: Was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, auf dass jeder Mund gestopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei. 20 Denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch vor ihm gerecht sein. Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.
Römer 3: 19–20
Zweitens zeigt uns diese Aussage („in ihren Augen“) auch, wie uns die Sünde verführt. Sie erinnert uns daran, wie leicht es ist, uns selbst zu betrügen. Die Israeliten hatten psychologische und kulturelle Begründungen, warum das, was sie taten „richtig“ war. „Wenn alle das tun, dann muss es richtig sein. — Die Zeiten ändern sich, das sehen moderne Menschen besser/ sind toleranter/ sind liebevoller.“ In „ihren Augen“, ihrer Sichtweise nach, war an ihrem Handeln nichts Falsches. Dass sie gegen Gottes Willen handelten, dass sie Gottes Willen nicht mehr kannten, war ihnen nicht mehr klar. Das hatten sie tief in ihrem Unterbewusstsein begraben und lehnten Gottes Willen für ihr Leben ab (Römer 1:18 – Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Leben und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten). Sie waren sich ihrer Schuld nicht mehr bewusst und konnten auf vielerlei Weise erklären, warum ihr Lebensstil nicht hinterfragt werden sollte.
Wir erfahren nicht, welche Begründungen die Israeliten hatten. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass die Ursache ihrer Sünde (und auch unserer Sünde) immer die Anbetung von falschen Göttern und Gottheiten ist – und oft erheben Menschen sich selbst zu ihrem eigenen Gott, dem Gott des Ichs, der Selbstverwirklichung.
Andere Götter sind die Ideen und Weltanschauungen von Menschen, die uns sagen, dass wir dies oder jenes tun soll (oder posten) um zu „den Guten“ zu gehören, bzw. „auf der richtigen Seite“ zu stehen. Allen diesen Göttern ist gemeinsam, dass sie verführen und täuschen. Sie appellieren an unsere christliche Nächstenliebe, an unsere Vergebung und obwohl dies alles gute Dinge sind, stellen wir unsere Taten an die erste Stelle unseres Lebens, die doch eigentlich nur dem Schöpfer der Welt, unserem Herrn Jesus zusteht. So werden die guten Dinge in den Augen dessen, der die einzig richtige Sichtweise hat, zu bösen Taten.
Deshalb sollten wir uns immer sehr genau hinterfragen, warum wir bestimmte Dinge tun. Dazu müssen wir Gottes Wort, die Bibel, genau studieren, um Gott selbst und sein Gesetz immer besser zu verstehen. Auch müssen wir lernen auf andere zu hören, die uns auf unsere Sünde hinweisen. Wir selbst finden immer einleuchtende Gründe, warum das, was wir gerade tun keine Sünde sein kann. Aus unserem Blickwinkel sieht das alles gut aus, aber welche Sicht hat der ultimative Gesetzgeber, der Schöpfer des Universums auf mein Handeln und mein Leben?
1 So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. 2 Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. 3 Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: Er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch.
Römer 8: 1-3
