Der HERR hat Großes an uns getan!

Am 3. Oktober 1863, genau 74 Jahre nachdem der erste Präsident George Washington die Bürger der USA zu einem nationalen Thanksgiving (Dankesagen) aufforderte, erklärte Präsident Lincoln den letzten Donnerstag im November als „einen Tag der Danksagung und des [Gottes]Lobes“. Man kann darüber ins Nachdenken kommen, dass der 3. Oktober, Tag der Wiedervereinigung Deutschlands 1990, vom ersten und 16. Präsidenten der USA als der Tag gewählt wurde um einen nationalen Feiertag auszurufen, um Gott für seine Fürsorge zu danken. Doch dieser Artikel schaut sich an, was Präsident Lincoln an diesem Tag bewegte.

Präsident Lincoln machte Thanksgiving zu einem nationalen Feiertag während des ersten Krieges in Zeiten der industriellen Revolution[i]. Soldaten, die nach althergebrachter Militärstrategie in die Schlacht zogen, hatten moderne Waffen zur Hand und in nur einer Schlacht ließen zehntausende und manchmal auch mehr als hunderttausend Soldaten an einem Tag ihr Leben. In den USA gab es zu dieser Zeit kaum eine Familie, die nicht vom Bürgerkrieg betroffen war. Abseits vom Krieg gab es tatsächlich Grund zum Danken. Die Ernte fiel gut aus, auch aufgrund des meist passenden Wetters. Doch was ist mit dem Krieg? Wie ist es da möglich, Gott zu danken?

Schauen wir in das Wort Gottes. Dort gibt es ein Lied, einen Psalm (126) der als ein Wallfahrtslied geschrieben wurde. Doch nicht in einer Zeit der Freude, sondern in einer Zeit der Gefangenschaft (Vers 1) und Zerstörung. Aus den Klageliedern des Jeremia wissen wir, dass zu dieser Zeit Jerusalem zerstört war und es eigentlich keinen Grund gab, fröhlich und dankbar zu sein.

Trotzdem feiern die Gefangenen und verkünden, dass „der HERR hat Großes an uns getan“ (Vers 2). Sie sehen dies, da sie den Versprechen Gottes vertrauen. Sie wissen, dass Gott seine Versprechen hält (4 Mose 23:19) und deshalb wissen sie auch, dass sie frei werden.

Die größte Freiheit erhalten wir durch Jesus. Bei Jesus geht es nicht nur um individuelle Freiheit, Jesus geht es um unsere Freiheit von unserer Schuld. Das Größte, „was der HERR an uns getan hat“, ist sein Tod am Kreuz. Durch Jesus‘ Tod am Kreuz haben wir alle die Möglichkeit frei zu werden. Frei von Schuld, und frei von der Angst vor dem ewigen Tod. In 1 Korinther 15: 55 sagt uns Gott, dass der Tod durch Jesus besiegt ist: »Der Tod ist verschlungen in den Sieg. 55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?« Wir haben in der Ewigkeit bei Jesus eine Zukunft (Hebräer 13:14).

Genau deshalb können wir als Christen auch in schwierigsten Umständen dankbar sein. Nicht nur, weil es mit Sicherheit jeden Tag, auch unter schwierigsten Umständen, etwas zum Danken gibt: Ein geschenktes Lächeln oder ein Wort des Trostes. Besonders dankbar dürfen wir sein, weil wir wissen, dass wir durch Jesus frei von Sünde wurden und er für uns eine Wohnung in der Ewigkeit reserviert hat (Johannes 14:2). Zum Dank gehört auch Buße.

Auch Präsident Lincoln hat dies in seiner Erklärung zu Thanksgiving 1863 so gesehen: „Dies sind die Gnadengaben des Allerhöchsten, der, obwohl er uns wegen unserer Sünden zürnt, sich trotzdem an seine Gnade erinnert.“ In seiner Erklärung erkennt Präsident Lincoln auch, dass wir Menschen vor Gott schuldig werden und unsere Schuld Konsequenzen für unser Leben, und das Leben unserer Mitmenschen hat. Er fordert zur Buße auf, damit der „Allmächtige diese Wunden heilen kann.“

Thanksgiving, jedes Erntedankfest, ist unvollständig, wenn wir nicht auch Buße für unsere Verfehlungen tun und zu Jesus umkehren, der für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist.

Kehren wir um zu Gott, kann er sich uns zuwenden, uns heilen und uns segnen – was uns wieder zum Danksagen und zum Gotteslob bringt.  

„Ein Wallfahrtslied. Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. 2 Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Der HERR hat Großes an ihnen getan! 3 Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.

Psalm 126: 1-3

[i] Abraham Lincoln war Mitglied der Republikanischen Partei, die sich 1854 gründete, um der Sklaverei in den USA Einhalt zu gebieten. Wenn Lincoln in seiner „Thanksgiving Declaration“ von „Nationaler Schuld“ spricht und „Wunden, die geheilt werden müssen“, kann man davon ausgehen, dass er auch die Sklaverei im Sinn hatte.