Keine Kompromisse

1 Nach dem Tod Josuas befragten die Israeliten den HERRN und sprachen: Wer soll unter uns zuerst hinaufziehen, Krieg zu führen gegen die Kanaaniter? 2 Der HERR sprach: Juda soll hinaufziehen. Siehe, ich habe das Land in seine Hand gegeben. 3 Da sprach Juda zu seinem Bruder Simeon: Zieh mit mir hinauf in mein Erbteil und lass uns mit den Kanaanitern kämpfen, dann will auch ich mit dir ziehen in dein Erbteil. So zog Simeon mit ihm. Richter 1:1-3 (Luther 2017)

Was würdest Du tun, wenn Du ein Haus geschenkt bekommen würdest? … Was würdest du tun, wenn Du ein Haus geschenkt bekommen würdest und, als du das Haus in Besitz nehmen willst, stellst Du fest, dass dort noch jemand wohnt?

Genau diese Situation fanden die Israeliten vor, als sie in Kanaan angekommen waren. Überall im verheißenen Land (dem Geschenk von Gott) lebten noch andere Völker. Völker, die den lebendigen Gott nicht kannten und anderen Göttern opferten (manchmal auch ihre eigenen Kinder). Teil der sogenannten „Landnahme“ war es auch, diese Völker aus dem Land Kanaan zu vertreiben. Im ersten Kapitel des Buches Richter lernen wir, wie die Israeliten dabei vorgingen.

Gott weist die Männer des Stammes Juda an, als erster Stamm die Kanaaniter zu besiegen. Und Juda macht sich auf den Weg – was kann mit Gottes Hilfe schon schiefgehen? Doch die Männer von Juda vertrauen nicht alleine auf Gott – sie holen sich Hilfe beim Stamm Simeon. Und gemeinsam besiegen die beiden Stämme die Kanaaniter.

Man kann an dieser Stelle leicht überlesen, dass die Männer von Juda Gott nicht vertraut haben. Sie kämpften gegen die Kanaaniter und Gott gab ihnen den Sieg. Doch Gott sagte nicht: Juda und Simeon sollen gemeinsam gegen die Kanaaniter kämpfen – er sagte ganz klar, dass nur Juda hinaufziehen sollte (Richter 1:2). Offensichtlich hatten die Männer von Juda leisen Zweifel an Gottes Zusage „Ich habe das Land in seine Hand gegeben“ (Richter 1:2) und vertrauten mehr auf die militärische Stärke der Simeoniter, als auf Gottes Hilfe.

Trotzdem hielt Gott sein Versprechen, und die Judäer eroberten das Ihnen zugesagt Land.

Demgegenüber stellt der Chronist Kaleb. Kaleb war neben Josua der Einzige überlebende Mann, der den Auszug aus Ägypten und den Durchzug durch das Rote Meer erlebt hatten. Josua und Kaleb waren die Einzigen (damals jungen) Männer, die darauf vertrauten, dass Gott dem Volk Israel das Land Kanaan geben konnte, auch wenn dort starke und mächtige Völker wohnten. Ihr Vertrauen in die Stärke Gottes war unerschütterlich, auch als alle anderen um sie herum an Gottes Macht lautstark Zweifel äußerten (und damit Gott beleidigten). Das Gottvertrauen Kalebs war ansteckend: Sein späterer Schwiegersohn Otniel (sein Neffe) verließ sich auf Gott und besiegte im Alleingang die befestigte Stadt Kirjat-Sefer (Stadt des Buches[i]).

Nach Otniels Eroberung von Kirjat-Sefer lernen wir, dass die Israeliten recht erfolgreich die kanaanitischen Stämme aus dem Land vertreiben können. Recht erfolgreich deshalb, weil sie ihren Einflussbereich vergrößerten, der Chronist aber immer wieder festhält, dass sie einen bestimmten Stamm nicht ganz vertrieben (V25; 27; 29-35) oder die ehemaligen Herrscher nur fronpflichtig machten.

Gott wollte das Land Kanaan zu einem Land der Israeliten machen, die einzig und allein ihm dienten. Wir sehen in diesem Kapitel, dass es Menschen gab, Kaleb und Otniel, die Gott ganz vertrauten und Ihm allen dienten. Im Land gab es aber immer noch Menschen, die anderen Göttern dienten.

Sicher gab es menschlich gesehen gute und verständliche Gründe diese Stämme nicht komplett zu besiegen. Doch Gott wollte das Land von allem Götzendienst säubern und schon zu Beginn sehen wir, dass es kleine Flecken gibt, an denen noch immer die falschen und toten Götzen angebetet werden.

Das Buch Richter ist nicht nur ein Geschichtsbuch. Dieses Buch zeigt uns immer auch wieder unser menschliches Herz. Gott möchte, dass wir Ihm unser Leben ganz geben – ohne Kompromisse. Wir sollen uns von allem trennen, was uns von Gott trennt. Sicher, es gibt menschlich gesehen gute und verständliche Gründe, warum wir bestimmte Dinge, die Gottes Wort entgegenstehen, weiter tun  und uns nicht von ihnen trennen.

Die folgenden Berichte im Buch Richter werden uns lehren, wohin diese Kompromisse führen.

14 Zieht nicht unter fremdem Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat Gerechtigkeit zu schaffen mit Gesetzlosigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? 15 Wie stimmt Christus überein mit Beliar? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? 16 Was hat der Tempel Gottes gemein mit den Götzen? Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie denn Gott sprach: »Ich will unter ihnen wohnen und wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.« 17 Darum »geht weg von ihnen und sondert euch ab«, spricht der Herr; »und rührt nichts Unreines an, so will ich euch annehmen 18 und euer Vater sein und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein«, spricht der allmächtige Herr.

2 Korinther 6: 14-18

[i] Die Stadt wurde später den Priestern gegeben. Sehr wahrscheinlich hatte die Stadt vor der Eroberung einen amoritischen Namen, und erhielt Ihren Namen deshalb, weil die Stadt den Priestern gegeben wurde.