„Zeig mir ein Wunder!“

„Zeig mir jetzt auf der Stelle ein Wunder von Gott und ich glaube, dass es ihn gibt!“ Einmal abgesehen davon, dass dies ein logischer Fehlschluss ist, da der Schöpfer des Lebens in keinster Weise auf die Forderungen eines Seiner Geschöpfe eingehen muss, ist es unwahrscheinlich, dass derjenige, der die Forderung stellt, auf dieses Wunder hin an die Existenz des Schöpfers glauben wird. Es ist eher wahrscheinlich, dass er das Wunder als eine momentan mit der wissenschaftlichen Methode noch nicht erfassbare Erscheinung halten wird, die sich nach einiger Zeit auch ohne Gott erklären lassen wird. Gott tut immer wieder um uns herum Wunder, doch die meisten Menschen erkennen diese nicht als Sein Eingreifen in unsere Wirklichkeit an.

Eines dieser Wunder ereignete sich am 09. November 1989. Seit 1961 trennte eine immer unüberwindlicher werdende Mauer Mittel- und Ostdeutschland von Westdeutschland. Am sichtbarsten war diese Mauer in Berlin. Wie eine dicke, hässliche Narbe zog sich diese Mauer durch Berlins Bezirke von Nord nach Süd. Den Bürgern der DDR wurde gesagt, dass diese Mauer sie vor den Westmächten schützen solle, doch die strengen Reiseregelungen machten deutlich, dass diese Mauer eigentlich eine Gefängnismauer war.

Nach beinahe dreißig Jahren Leben mit dieser Mauer äußerten immer mehr Menschen ihre Unzufriedenheit mit den Lebensbedingungen in der DDR und den strengen Reiseregelungen. Im Jahr der 40 Jahrfeier der DDR betonte der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker trotzdem, dass „die Mauer […] in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen [bleibe]“[i].

Doch Erich Honecker rechnete nicht mit dem lebendigen Gott. Seit 1982 trafen sich in der Nikolaikirche Christen zu einem Friedensgebet[ii]. In den ersten Jahren trafen sich nur wenige Gläubige um zu beten, doch über die Jahre wurde dieser Gebetskreis zu einer festen, wenn auch kritisierten, Institution und bekam vor allem ab 1988 großen Zulauf.

Gleichzeitig regierte in den USA ein Präsident, der sehr stark von seiner gläubigen Mutter Nelle beeinflusst war und von sich selbst sagte, dass er ein wiedergeborener Christ sei[iii] und der sich dafür einsetzte, dass das Schulgebet an amerikanischen Schulen wieder eingeführt werden solle[iv].

Im Jahr 1987 besuchte Präsident Reagan Berlin. In der Sowjetunion stand ab 1985 Michail Gorbatschow der KPdSU vor und regierte damit die UdSSR. Michail Gorbatschow war seit langen Jahren der jüngste Vorsitzende des Zentralkomitees der KPdSU, eine Zeit der Veränderungen schien sich anzubahnen. Vor dem Brandenburger Tor rief Präsident Reagan dem Vorsitzenden des ZK zu: „Mr. Gorbachev tear down this wall!“[v]

Doch es sollten noch mehr als zwei Jahre vergehen, bevor die Mauer eingerissen wurde. Doch dies wurde nicht von Menschen verantwortet. Das Jahr 1989 in der DDR war gekennzeichnet von Montagsgebeten, die mit Friedensmärschen endeten und Änderungen verlangten. Immer mehr DDR-Bürger nutzten ihre Reisen in sozialistische Nachbarländer zur Flucht, besonders Ungarn war dabei ein beliebtes Reiseziel. Der Druck auf die Regierung der DDR unter Erich Honecker, Reiseerleichterungen zu erlassen und Änderungen anzustreben, wurde immer größer. Dennoch wurde noch am 07. Oktober der 40. Geburtstag der DDR groß gefeiert.

Vielen Bürgern der DDR war nicht zum Feiern. Sie verließen weiterhin in Scharen die DDR über Ungarn und Polen. Um die Bürger zu besänftigen erließ die DDR-Führung ein neues Reisegesetz, das die ständige Ausreise erlauben sollte. Das Gesetz war noch nicht rechtskräftig und Günter Schabowski, Mitglied des SED-Politbüros, sollte das Gesetz auf einer Pressekonferenz ankündigen. Liest man sich das Transkript dieser Pressekonferenz durch[vi] oder schaut es sich auf YouTube an, stellt man fest, dass G. Schabowski nicht ganz bei sich ist. Auf die Frage, ab wann das Gesetz in Kraft tritt antwortet er etwas verwirrt mit: „Das tritt nach meiner Kenntnis […] ist das sofort. Unverzüglich.“

Diese Bruchstücke eines Satzes läuten das Ende der DDR ein. Nicht einmal ein Jahr nach den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Geburtstag der DDR existiert diese nur noch in den Geschichtsbüchern.

Nun kann man dies als den natürlichen Lauf der Geschichte beurteilen – und das tun die allermeisten Politiker und Historiker. Doch wer in dieser Zeit schon etwas älter war kann sich noch erinnern, dass man die Aussagen Erich Honeckers als gegeben sah. Die Mauer stand und würde noch lange stehen. Menschlich gesehen gab es auch noch im Sommer 1989 keine Hoffnung, dass sich daran etwas ändern würde. Doch der Schöpfer aller Dinge, der „Zeit und Stunde ändert, Könige absetzt und Könige einsetzt“ (Daniel 2:21), hatte schon lange alles vorbereitet. Er ermutigte Christen auch unter Anfechtung zum wöchentlichen Gebet zu gehen, Er berief geeignete Politiker an entscheidende Stellen, befähigte Redenschreiber und verwirrte letztendlich ein SED-Mitglied auf einer Pressekonferenz, damit die Teilung Deutschlands aufgehoben wurde.

Ich bin davon überzeugt, dass am 09. November 1989 ein Wunder geschah, geringstenfalls durften die Zeitgenossen ein mächtiges Eingreifen des Schöpfers in die Weltgeschichte miterleben. Denn nicht nur die Mauer in Berlin fiel, innerhalb weniger Monate war der Eiserne Vorhang Geschichte geworden. Missionare aus vielen Ländern sagten ihrem HERRn danke und besuchten die Bürger der ehemaligen sozialistischen Länder um ihnen zu sagen, dass sie nur in Jesus vollkommene Freiheit erleben werden – Freiheit von Schuld und Sünde.

Der Mauerfall ist ein Grund unserem HERRN zu danken. Er ist letztendlich dafür verantwortlich, dass aus zwei Deutschen Ländern eines wurde und dass Menschen in schwer zugänglichen Ländern unvermittelt die Möglichkeit hatten die gute Nachricht von Jesus Christus zu hören und Gottes Wort in Freiheit lesen und studieren konnten.

Nutzen wir diesen 3. Oktober nicht nur für einen freien Tag und ein Grillfest mit der Familie, sondern auch dafür, um im gemeinsamen Gebet Gott dafür zu danken, dass Er dieses Wunder tat und bis heute viele Menschen in ehemaligen sozialistischen Ländern Jesus in ihr Leben lassen konnten.

„Gelobet sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und Stärke! Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein; er gibt den Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand […]“ Daniel 2:20-21


[i] https://www.tagesspiegel.de/berlin/der-grosse-irrtum-von-erich-honecker-5436361.html

[ii] Das war die Zeit der atomaren Aufrüstung auf beiden Seiten der Mauer, des „Eisernen Vorhangs“.

[iii] https://cbn.com/article/relationships/former-president-ronald-reagan-i-am-born-again-and-i-am-bible-believer

[iv] Ebd.

[v] 12. Juni 1987, Brandenburger Tor

[vi] https://www.geschichte-abitur.de/quellenmaterial/quellen-teilung-brd-ddr/schabowskis-pressekonferenz-am-9-november-1989-im-wortlaut