„3 Es begab sich aber nach etlicher Zeit, dass Kain dem HERRN Opfer brachte von den Früchten des Feldes.“ 1 Mose 4: 3 (Luther 2017)
„Ich habe mein Bestes gegeben!“ – das hört man als Coach oder Manager gerne von einem Spieler, doch es klingt etwas leer, wenn die Ergebnisse nicht erfolgreich sind oder die Körpersprache zeigt, dass die Aussage nur eine Entschuldigung für zu wenig Motivation und Einsatz ist.
Wieviel mehr kann Gott, der unser Herz kennt, sehen, wie wir es mit unseren Gebeten oder Opfern meinen (1 Samuel 16:7). So war es auch bei Kain, dem ersten Sohn Adams und Evas, der in der Bibel erwähnt wird. Der Text lässt vermuten, dass der zweite erwähnte Sohn Abel, nur kurz nach Kain geboren wurde und dass die Brüder unweit voneinander lebten.
Während Abel ein Schäfer wurde, ergriff Kain die Arbeit als Landwirt. Beide Brüder hatten eines gemeinsam: Sie kannten Gott (- und warum nicht, ihre Eltern waren ja sogar persönlich mit Gott im Garten spazierengegangen) und brachten IHM die Erträge ihrer Arbeit.

Gott, der Schöpfer, sah die Opfer der beiden – und sah die Unterschiede: Kain brachte von den „Früchten des Feldes“, während Abel die erstgeborenen Tiere und deren Fett opferte. Es scheint so, als ob Kain von seinem Überfluss gibt, während Abel mit den ersten Tieren und deren Fett darauf vertraut, dass Gott ihm weitere Tiere schenken wird. Es könnte auch sein, dass Kain mit seinem Opfer Gott für eigene Zwecke manipulieren wollte, während Abel durch die Tötung der Tiere zeigte, dass er sich bewusst war, dass auch er – wie seine Eltern – den Tod verdient hat und er stattdessen seine besten Tiere opferte um Gott an seine Gnade zu erinnern.
Egal, was letztendlich die Gedanken und Absichten der Brüder waren – Gott sieht, dass das Herz von Kain nicht am rechten Fleck ist (Verse 5-7), während Abels Herz bei Gott ist (Vers 4).
Als Kain erkennt, dass Gott ihn durchschaut hat, wird er so wütend, dass er seinen Bruder tötet. Er sieht in Abel nicht mehr das Ebenbild Gottes, das er ist. Er sieht in Abel den Feind, den man töten muss.

Diese Feststellung kann einem das Blut gefrieren lassen. Denn ursprünglich gab es nur einen, der das Ebenbild Gottes als Feind betrachtete: Der Satan, der Feind und Gegenspieler Gottes.
Petrus schreibt darüber: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.“ (1 Petrus 5:8).
Jesus macht in einer längeren Predigt klar, dass auch wir Kain oft näherstehen als Abel. In Matthäus 5:22 wird berichtet, dass Jesus das fünfte Gebot zitiert und dann ergänzt: „Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.“ – Beschimpfen wir eines von Gottes Ebenbildern, stellt uns Jesus in eine Reihe mit Kain.
Doch Jesus lässt uns mit dieser Schuld nicht alleine. Gleich im nächsten Satz erklärt er uns, wie wir von Feinden Gottes zu Seinen Freunden werden: „Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe.“ (Matthäus 5:23-24).
Versöhnung mit unseren Mitmenschen gibt uns Frieden mit Gott, unserem Schöpfer in dessen Bild wir geschaffen sind. In seinem Brief an die Christen in Rom erklärt dies Paulus so:
„8 Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. 9 Um wie viel mehr werden wir nun durch ihn gerettet werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind. 10 Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind. 11 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.“ Römer 5:8-11
