Der Heilige Geist kam zu den Jüngern nicht an einem x-beliebigen Tag. In Apostelgeschichte 2:1 lesen wir, dass die Jünger versammelt waren[i] und auf den Heiligen Geist warteten – doch an diesem Tag feierten die Jünger wie in jedem Jahr (שָׁבוּעוֹת) Schawuoth – das „Wochenfest“. In den Tagen des Wochenfestes wurde auch die Ernte des ersten Weizens eingebracht – Schawuot ist ein Erntefest. Der jüdischen Überlieferung nach wurden an diesem Fest, das 50 Tage nach (פֶּסַח) Passah stattfindet, Mose die 10 Gebote von Gott diktiert, nachdem dieser die ersten Tafeln in seiner Wut über die Götzenanbetung des Volkes zerstört hatte. An genau diesem Tag erhielten die Jünger den Heiligen Geist und Petrus hielt eine Predigt die 3000 Menschen zum Glauben an Jesus, als den verheißenen Messias brachte.

Nachdem die Jünger den Heiligen Geist erhalten hatten, bekannten sie mutig Jesus als ihren Herrn, und heilten Menschen von Ihren Krankheiten im Namen von Jesus. Das kam nicht bei allen gut an. Als Petrus und Johannes einen Gelähmten heilten, der vor einem der Tore des Tempels bettelte, nutzen sie diese Gelegenheit auch, um ihren Zuhörern auch von Jesus zu erzählen. Noch während die beiden redeten, musste sie sich mit Angehörigen des Hohen Rates auseinandersetzen:
1 Während sie zum Volk redeten, traten zu ihnen die Priester und der Hauptmann der Tempelwache und die Sadduzäer, 2 die verdross, dass sie das Volk lehrten und verkündigten in Jesus die Auferstehung von den Toten. 3 Und sie legten Hand an sie und setzten sie gefangen bis zum Morgen […]. Apostelgeschichte 4: 1-3
Petrus und Johannes waren nicht eingeschüchtert und erzählten unbeeindruckt auch dem Hohen Rat von Jesus:
8 […] Ihr Oberen des Volkes und ihr Ältesten! 9 Wenn wir heute wegen der Wohltat an dem kranken Menschen verhört werden, wodurch er gesund geworden ist, 10 so sei euch allen und dem ganzen Volk Israel kundgetan: Im Namen Jesu Christi von Nazareth[1], den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat; durch ihn steht dieser hier gesund vor euch. 11 Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. 12 Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden. […] Apostelgeschichte 4: 8-12
Diese Entgegnung überrascht die Angehörigen des Hohen Rates:
13 Sie sahen aber den Freimut des Petrus und Johannes und wunderten sich; denn sie merkten, dass sie ungelehrte und einfache Leute waren, und wussten auch von ihnen, dass sie mit Jesus gewesen waren. 14 Sie sahen aber den Menschen, der gesund geworden war, bei ihnen stehen und wussten nichts dagegen zu sagen. […] Apostelgeschichte 4: 13-14
Selbst wenn es den Angehörigen des Hohen Rates möglich gewesen wäre, die biblischen Argumente von Petrus und Johannes zu entkräften – vor Ihnen stand ein vormals gelähmter Mann, der im Namen von Jesus geheilt worden war.

Das verwunderte die Angehörigen des Hohen Rates. Sie „merkten, dass Petrus und Johannes ungelehrte und einfache Leute waren“ und sich dennoch gewählt ausdrücken konnten, die Bibel kannten und logisch argumentieren konnten. Eine Entgegnung war ihnen nicht möglich: sie „sie wussten nichts dagegen zu sagen.“
Bei Jesus studiert
Petrus und Johannes waren von Beruf Fischer – sicher erfolgreich. Denn ohne Erfolg in einem Handwerk blieb man zu dieser Zeit hungrig. Dazu waren sie auch nicht ungelehrt. Zum einen haben sie bei Jesus etwa drei Jahre studiert und besuchten bei Jesus bis zur Himmelfahrt noch einen 40-tägigen Intensivkurs in der Lehre des Alten Testamentes. Der Begriff „einfache Leute“ ist eine Zuschreibung der Angehörigen des Hohen Rates – er sagt jedoch nichts über den Bildungsstand und die Qualität seiner Argumente aus. Was eine Person besitzt, was eine Person arbeitet oder welche Schule eine Person besucht, sagt nichts darüber aus, ob deren Argumente falsch, unvollständig oder unangebracht sind.
Hinter dieser Zuschreibung steckt ganz einfach das, was Paulus nur wenig später den Christen in Korinth schrieb (1 Korinther 1:23): „Wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit.“ Petrus und Johannes schrieben Briefe, die wir bis heute lesen und uns lehren, zurechtweisen, unser Leben besser machen und uns in Gerechtigkeit erziehen (2 Timotheus 3:16). Simpel oder einfältig waren Petrus und Johannes nicht – aber sie wurden von Jesus gelehrt, nicht von den „Klugen und Weisen dieser Welt“ (1 Korinther 1:21).
Nichts Neues unter der Sonne
Bis heute hat sich dies nicht geändert. Wer sein Leben auf das Fundament des Wortes Gottes stellt wird schnell als naiv oder ungebildet angesehen. Dabei spielt es dann auch keine Rolle, dass dieser jemand viele Jahre studiert hat, eventuell einen Doktortitel gemacht hat oder sogar eine Professur an einer angesehenen Universität hat. Die Wissenschaftler bei Christlichen Organisationen wie Wort und Wissen oder im englischsprachigen Raum Answers in Genesis oder beim Biblical Science Institute können ein Lied davon singen.

Die Lehre der Welt wird von Menschen, die ihr Wissen in der Welt erlangten, immer über die Erkenntnis, die wir Christen durch den Heiligen Geist haben, gestellt werden. Als Christen werden wir immer wieder vor der Tatsache stehen, dass wir als naiv, ungebildet oder Schlimmeres bezeichnet werden. Wer von Jesus lernt und seine Lehre weitergibt, wird von denen, die von der Welt gelehrt werden, immer als „ungelehrt und einfach“ angesehen werden. Gott lässt uns darüber in Seinem Wort nicht im Unklaren.
Ermutigt durch den Heiligen Geist
Petrus und Johannes lassen sich davon nicht beeindrucken. Wir können in Gottes Wort von Petrus‘ und Johannes‘ Reaktion auf diese Anschuldigungen und Drohungen (Apostelgeschichte 4:21) lernen:
Sie „kamen sie zu den Ihren und berichteten, was die Hohenpriester und Ältesten zu ihnen gesagt hatten. 24 Als sie das hörten, erhoben sie ihre Stimme einmütig zu Gott und sprachen: Herr, du hast Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht, 25 du hast durch den Mund unseres Vaters David, deines Knechtes, durch den Heiligen Geist gesagt: »Warum toben die Heiden, und die Völker nehmen sich vor, was vergeblich ist? 26 Die Könige der Erde treten zusammen, und die Fürsten versammeln sich wider den Herrn und seinen Christus.« 27 Wahrhaftig, sie haben sich versammelt in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels, 28 zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss zuvor bestimmt haben, dass es geschehen sollte. 29 Und nun, Herr, sieh an ihr Drohen und gib deinen Knechten, mit allem Freimut zu reden dein Wort. 30 Strecke deine Hand aus zur Heilung und lass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus. 31 Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimut.“ Apostelgeschichte 4: 23-31
Beten auch wir, dass wir von Gott den Heiligen Geist erhalten um von Ihm und der Wahrheit seines Wortes mutig weiterzuerzählen.
[i] Es könnte das Obergemach des Hauses sein, in dem das Abendmahl gefeiert wurde, dies wiederum könnte das Haus von Markus‘ Eltern gewesen sein.
