„Warum habt Ihr immer noch Weihnachtsdeko im Haus?“ – „Gegenfrage: Warum hast Du Deine Deko schon abgehängt?“ Für die meisten Familien endet die Weihnachtszeit mit dem Erscheinungsfest (Epiphanias) am 06. Januar. Spätestens dann wird die Weihnachtsdeko abgehängt und am folgenden Samstag die Bäume vor das Haus gestellt und entsorgt. Die meisten Menschen wissen nicht, dass die Weihnachtszeit erst am 2. Februar endet – in der katholischen Kirche wird dieser Tag als Mariä Lichtmess gefeiert. Was sagt Gottes Wort darüber?
Lukas 2:22 fährt nach dem Bericht über Jesus‘ Geburt fort, dass „die Tage der Reinigung um waren“ und Maria und Joseph zum Tempel gingen um „ihn [Jesus] dem Herrn darzustellen“. Die 40 Tage Reinigung gebietet Gott in 3 Mose 12: 1-4[i]. Bethlehem liegt nur wenige Kilometer von Jerusalem entfernt und Maria und Joseph brachten Jesus an diesem 40 Tag nach seiner Geburt in den Tempel. Als Opfer brachten sie das Mindestopfer dar, „zwei Turteltauben“, ein Hinweis darauf, dass die Weisen erst später die Familie besuchten, denn sonst hätten sie das erforderliche Schaf als Opfer bringen können.

Dies ist Jesus‘ erster Einzug in Jerusalem und im Tempel und er wird entsprechend gebührend empfangen: Simeon, ein „gottesfürchtiger“ Mann, der auf den „Trost Israels“ wartete „kam vom Geist geführt“ in den Tempel und bekennt, dass Jesus der „Heiland [ist], das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.“ In gleicher Weise spricht die 84-jährige Prophetin Hanna von Jesus.
Simeon erlebt die Erfüllung einer Prophezeiung für sein Leben („ihm war vom Heiligen Geist geweissagt worden, er sollte den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen“ – Lukas 2:26), lobt Gott und segnet Maria und Joseph (Lukas 2:34). Hanna, die Prophetin, nutzt die Gelegenheit um allen, „die auf die Erlösung Jerusalems warteten“, vom Heiland zu erzählen und Gott zu loben. Schon bei seinem ersten Einzug in Jerusalem wird er als der Heiland der Welt empfangen. Lukas schreibt, dass sich Joseph und Maria über die Aussagen Simeons wunderten, weitere Reaktionen auf die Äußerungen und den Lobpreis von Simeon und Hanna sind nicht festgehalten. Wie reagierst Du auf die Ankündigung, dass Jesus „das Heil der Völker“ und das „Licht der Heiden“ ist?
Nutzen wir diesen 2. Februar um Jesus anzubeten und von ihm weiterzusagen – schon Simeon kündigte Maria an, dass Jesus ein Zeichen sein wird, das Widerspruch erfährt, so, dass „durch [Marias] Seele ein Schwert dringen wird“. Jesus trat in diese Welt um für unsere Schuld am Kreuz zu sterben – Karfreitag und Ostern sind kein Ergebnis von Zufällen, sondern waren von Anfang an Gottes Plan für Jesus[ii].
Ab dem 4. Jahrhundert wurde der vierzigste Tag nach der Geburt Jesu gefeiert und im Jahr 542 von Kaiser Justinians (482-565 n.Chr.) auf den 2. Februar gelegt. Die „Darstellung des Herrn“ wurde zum Fest der Begegnung des Herrn und im 5. Jahrhundert zogen Mönche von einem Kloster nahe Bethlehem mit Kerzen nach Jerusalem. Bis heute gibt es am 2. Februar in manchen katholischen Gemeinden Lichterprozessionen zur Kirche.
Über die Jahrhunderte verlor sich dieser Gedanke und die Reinigung von Maria wurde zum Mittelpunkt des Festes, woher auch der heute noch gebräuchliche Name „Mariä Lichtmess“ kommt. Wie so oft in der Geschichte verlor die Kirche den Blick auf den Heiland der Welt, Jesus, und richtete ihn auf eher nebensächliche Details des Berichtes.

In der katholischen und der evangelischen Kirche endet die Weihnachtsliturgie mit „Mariä Lichtmess“ am 2. Februar[iii], der im bäuerlichen Jahreslauf ein wichtiger Lostag war. An ihm endeten das Dienstjahr und es konnten neue Arbeitsverträge geschlossen werden, die Lichtstuben[iv] wurden beendet und die Feldarbeit wurde begonnen. Wie für viele Lostage üblich, gab es Wetterregeln[v] um zu erkennen, ob der Winter tatsächlich zu Ende geht:
Ist’s an Lichtmess hell und rein,
wird ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.
Ist’s zu Lichtmess klar und hell,
kommt der Frühling nicht so schnell.
Sonnt sich der Dachs in der Lichtmess-Woch’,
kriecht er noch sechs Wochen in sein Loch[vi].
Diese letzte Wetterregel ist auch der Grund für den „Groundhog Day“ in Punxsutawney, Pennsylvania, USA[vii]. Jedes Jahr am 2. Februar wird Punxsutawney Phil, ein Murmeltier, gefragt ob er die Sonne sieht. Ob die Festivalbesucher wissen, welchen Hintergrund es für die Party gibt, darf ruhig angezweifelt werden. Für uns sollte dies eine Aufforderung sein den Menschen zu erklären, dass sie tatsächlich an diesem Tag (und an allen anderen Tagen) Grund zum Feiern haben und so wie Simeon und Hanna Gott loben können, da er Jesus als unseren Heiland auf diese Erde schickte.
[E]ine Witwe von vierundachtzig Jahren; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
Lukas 2: 37-38
[i] Wurde ein Mädchen geboren, verlängerte sich die Zeit der Reinigung; d.h. die Mutter hatte doppelt soviel Zeit, sich ganz auf ihr neugeborenes Mädchen zu konzentrieren (3 Mose 12:5).
[ii] 1 Mose 3:15 „Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“
[iii] An Lichtmess beginnt auch die schwäbisch-alemannische Fastnacht.
[iv] In den Lichtstuben wurden in den dunklen Wintermonaten Handarbeiten in geselliger Runde bei Lampenschein erledigt. Die Örtlichkeit wechselte und bei der Arbeit wurde gesungen oder auch Geschichten erzählt. Unter anderem lernten die Brüder Grimm In den Lichtstuben ihre Volksmärchen.
[v] Aufgrund der Kalenderreform 1582 sind die „Bauernregeln“ nicht mehr verlässlich, eine gewisse Tendenz ist trotzdem noch zu erkennen.
[vi] Für uns Baseballer wäre eine verregnete Woche um den zweiten Februar daher eine wirklich gute Woche – da wir dann früher mit dem Training draußen beginnen können. Wir bei 3B haben nicht wie die Profis in den USA die Möglichkeit ab Mitte Februar in Florida oder Arizona bei angenehmen Temperaturen zu trainieren.
[vii] Es muss gesagt werden, dass die „Bauernregeln“ nur lokal und regional Bedeutung hatten. Auf einem anderen Kontinent hat diese Regel keinerlei Substanz – bedenkt man dazu noch Anmerkung bei v.

Ein Kommentar zu “Das Ende von Weihnachten?”
Kommentare sind geschlossen.