24 Stunden Feuerwerk – unmöglich? Nein, einmal im Jahr kann man dies beinahe live erleben. An Silvester[i] gibt es online die Möglichkeit, Feuerwerk der Großstädte aller Kontinente zu beobachten. Wenn in Europa der Countdown zum Neuen Jahr im Sekundentakt herabgezählt wird, ist das neue Jahr in Australien schon 10 Stunden alt[ii]; während die Menschen in Nord- und Südamerika noch einige Stunden auf das neue Jahr warten müssen. Doch warum ist das so – und wer hat dies festgelegt?

Als ich vor vielen Jahren im Westen der USA mit dem Auto unterwegs war, wunderte ich mich eines Abends, dass die Sonne deutlich früher unterging als noch am Tag zuvor. Auf dem Weg von San Francisco nach Las Vegas hatten wir die Grenze einer Zeitzone überquert, ohne dass wir daran dachten unsere Uhren umzustellen. Ohne die Uhrzeit wäre uns das kaum aufgefallen – so wie es viele jahrhundertlang überall auf der Welt war. Es gab lokale Zeitangaben, die sich auf den Sonnenstand bezogen. Bis zur Erfindung von schnellen Reiseverbindungen spielten diese Unterschiede keine große Rolle[iii]. Mit der Erfindung der Eisenbahn wurden diese Zeitunterschiede jedoch zu einem Problem, da die Fahrpläne ohne eine standardisierte Zeit nicht aufeinander abgestimmt werden konnten. In der Schifffahrt war die Zeitmessung aufgrund der Positionsbestimmung schon lange bekannt[iv], doch dies half nur zu wissen, wo man sich befand, half aber bei synchronisierten Fahrplänen nicht weiter.
Im Jahr 1858 entwarf der italienische Mathematiker Giuseppe Barilli[v] in seinem Werk Miranda die Idee, die Erde in 24 Zeitzonen zu je einer Stunde zu unterteilen. Im Jahr 1863 benutzte der Mathematiklehrer Charles Ferdinand Dowd diese Hypothese in seinem Unterricht am Skidmore College, einer Hochschule für junge Frauen. Sieben Jahre später veröffentlichte er diesen Vorschlag. Als im Jahr 1883 die Bahngesellschaften Zeitzonen in den USA einführten, wurde sein Vorschlag ignoriert und die Grenzen anders gezogen, bis auf seinen Vorschlag, dass die Grundlage der Zeitzonen der Nullmeridian in Greenwich, England sein sollte.

Dass sich Zeitzonen international durchsetzten ist dem schottischen Eisenbahningenieur Sandford Fleming (1827 – 1915) zu verdanken. Mit 18 Jahren wanderte er nach Canada aus, wo er als Landvermesser arbeitete und Chefingenieur der Northern Railway of Canada wurde. Auch er schlug weltweite Zeitzonen zur Vereinfachung der Bahnfahrpläne vor und auch er bezog sich am Ende auf den Nullmeridian in Greenwich, England. Er machte auf vielen Geologischen Kongressen für seinen Vorschlag Werbung, der seit 1879 von der Britischen Regierung umgesetzt wurde. Nach zögerlichen Anfängen hatten bis 1929 alle großen Länder dieser Erde Sandfords Zeitzonen akzeptiert und eingeführt.
Die Verdienste dieser Männer tragen dazu bei, dass wir heute im Reiseverkehr verlässliche Reisezeiten zur Hand haben. Dass wir an Silvester mehrfach ein Feuerwerk bestaunen können, liegt an Gottes guter Schöpfung; ganz zu Beginn der Schöpfung schuf Gott die Zeit (1 Mose 1:1; 1 Mose 2:4). Der ewige Gott, der ohne Zeit lebt, schuf für uns die Zeit, damit wir uns die Erde untertan machen können (1 Mose 1:28) und die Zeitzonen helfen uns dabei, dies in guter Ordnung zu tun.
Wenn an Silvester mit dem Countdown das neue Jahr eingeläutet wird, übersehen wir auch, dass nicht wir die Zeit kontrollieren, sondern die Zeit uns den Countdown vorgibt – die Zeit läuft und wir zählen mit. In Psalm 31:16 lesen wir: „Meine Zeit steht in deinen [Gottes] Händen. […]“ Gott hat uns im vergangenen Jahr vieles geschenkt, wofür wir dankbar sein dürfen: Zeit mit Ihm in Gottesdiensten und während der BibleTimes, Zeit mit Familie und Freunden, Zeit zu arbeiten und Zeit zur Erholung (Prediger 3:1f). Dankbar können wir auf die geschenkte Zeit zurückblicken.
Dankbar, voller Freude und mit Hoffnung dürfen wir auf das kommende Jahr blicken. Gott ist schon da.
Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Matthäus 28:20 12
Die Güte des HERRN ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.
Nehemia 3:22-23
Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder und Schwestern, ich schätze mich selbst nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus. Wie viele nun von uns vollkommen sind, die lasst uns so gesinnt sein. Und solltet ihr in einem Stück anders denken, so wird euch Gott auch das offenbaren. Nur, was wir schon erreicht haben, darin lasst uns auch leben. Ahmt mit mir Christus nach, Brüder und Schwestern, und seht auf die, die so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt.
Philipper 3: 12-17
[i] Benannt nach Bischof Silvester (285 – 31 Dezember 225) in Rom, der als der erste Papst betrachtet wird. Er war der erste römische Bischof, der nicht unter Christenverfolgungen leiden musste und aufgrund der von Kaiser Konstantin I (272 – 337) garantieren Religionsfreiheit viele kirchliche Gebäude zur Erinnerung an Märtyrer bauen ließ. Der Name „Silvester“ für den Altjahrsabend ist hauptsächlich in deutschsprachigen Gebieten gebräuchlich. Im Übrigen begann der römische Kalender bis 153 v.Chr mit dem 1. März – daher auch Dezember (lateinisch decem = zehn)
[ii] Dies gilt für die Ostküste (z.B. Canberra). An der Westküste (z.B. Perth) sind es nur 7 Stunden.
[iii] Ein Längengrad (1° = am Äquator 112km, bei 49° nördlicher Breite etwa 75km) macht vier Minuten Zeitunterschied aus. Dies errechnet sich aus den 24 Stunden einer Erdumdrehung und den 360° Umfangs der Erdkugel. Daraus folgt, dass 15 Längengrade einen Zeitunterschied von einer Stunde ausmachen.
[iv] Für diese Art der Längenbestimmungen waren genaue Uhren unerlässlich und wurde so zur Motivation immer genauere Zeitmesser zu entwickeln, hin zu den modernen Quarz- und Atomuhren.
[v] 1812-1894 – auch bekannt unter dem Pseudonym Quirico Filopanti
