Moment der Wahrheit

„Südafrika ist neuer Rugby-Rekordweltmeister“ – so titelte sportschau.de am 29. Oktober 2023[i]. Der Bericht erwähnt ein „historisches Strafengewitter“ und berichtet neben dem Spielergebnis auch über Siya Kolisi, den Kapitän der „Springboks“ – der Rugby Nationalmannschaft Südafrikas. Er ist erst der zweite Kapitän einer Rugby-Nationalmannschaft, der gleich zweimal den World Cup in die Höhe recken durfte. Die Sportschau berichtete auch, dass Siya Kolisi in seiner Heimat Heldenstatus habe, da er aus schwierigen Verhältnissen nach oben kam und sein Leben nicht von Skandalen frei sei. Siya wird mit den Worten „Ich bin ein Sündiger (sic), der jeden Tag versucht, das Beste aus sich herauszuholen.“ – Das Zitat macht nachdenklich – ist da etwa mehr?

Ein Blick in Siya Kolisis Instagram-Account zeigt noch mehr: Bibelverse nehmen einen größeren Teil seines Accounts ein, eine einfache Google Recherche listet mehrere Seiten, in denen darüber berichtet wird, wie Siya Kolisi als Christ lebt[ii]; auch seinen Weg zu Jesus kann man nachlesen.

Siya wuchs in Zwide, einem Township bei Port Elizabeth im Süden von Südafrika auf. Da seine Eltern bei seiner Geburt noch Teenager waren, erzog ihn seine Großmutter. „Da ich im Getto aufwuchs, kämpften wir ums durchkommen. Wir konnten uns das Schulgeld nicht leisten, auch nicht die Gebühren, die damit verbunden waren, trotzdem ging ich zur Schule, da ich dort meine einzige Mahlzeit am Tag erhielt. Am Abend kehrte ich in unsere Zwei-Zimmer Wohnung zurück, in der sieben von uns lebten, nahm die Kissen vom Sofa und schlief die Nacht auf dem Boden.[iii]  

Mit zwölf Jahren erkannte ein Scout sein Talent und ermöglichte ihm die Teilnahme an einer Talentsichtung. Dies war zu einer Zeit, in der in der südafrikanischen Rugby-Nationalmannschaft nur wenige dunkelhäutige Spieler spielten. Bis 1992 bestand die Nationalmannschaft aufgrund der Apartheid-Politik Südafrikas bis auf zwei Ausnahmen nur aus hellhäutigen Spielern[iv] und bei den ersten beiden Titelgewinnen 1995[v] und 2007 spielten mit Chester Williams (1995), Bryan Habana (2007) und JP Roger Pietersen (2007) nur drei dunkelhäutige Spieler für Südafrika. Siya ergriff die Chance, die sich ihm bot und wurde ein erfolgreicher Rugbyspieler.

Doch der Erfolg brachte Versuchungen mit sich, denen er erlag. 2019 schreibt er er nach seinem ersten Weltmeistertitel in einer Kolumne: „Als ich bei meiner Großmutter aufwuchs, ging ich zur Kirche, auch in den zurückliegenden Jahren immer mal wieder. Aber es war erst vor ein paar Monaten, dass ich mein Leben wirklich Jeus gab. Während ich mit vielen Dingen in meinem Leben kämpfte – Versuchungen, Sünden und Lebensentscheidungen – realisierte ich, dass ich nicht so lebte, wie ich mich selbst bezeichnete: Nachfolger von Jesus. Ich kam so durch aber ich hatte mich noch nicht entschieden, mein Leben ganz Jesus zu geben und gemäß Seinem Weg zu leben. Bis etwas öffentlich bekannt wurde, womit ich in meinem privaten Leben kämpfte.“[vi]

Er spielt darauf an, dass seine Frau bemerkte, dass er mit einer anderen Frau zusammen war und seine Frau dieses Techtelmechtel öffentlich machte. Er schreibt weiter: „[…] als meine Sünde öffentlich wurde wusste ich, dass ich die Chance hatte mein Leben zu ändern oder alles zu verlieren. Ich entscheid mich mein Leben zu verlieren und es in Jesus Christus zu finden.

Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.“

Matthäus 16:25

In dieser Zeit sprach Gott zu ihm durch Jesaja 43: 2-3:

„Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen. 3 Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland.“

Er nahm dieses Versprechen Gottes an das Volk Israel für sich persönlich in Anspruch: „Wenn Gott dies für unzählige Leute durch die Geschichte hinweg tun kann, dann kann er das Gleiche auch für mich tun.“ Es ist sicher richtig, dass Siya Kolisi ein Teil der Geschichte Südafrikas ist, und hilft, die Zeit der Apartheid zu überwinden. Und sicher gibt er seinem Land auch Hoffnung, die Zeit der Apartheid zu überwinden. Sein zweiter Titelgewinn am 28. Oktober 2023 gibt dieser Hoffnung neuen Aufschub. Doch den größten Sieg hat Siya Kolisi im Frühjahr 2019 errungen, als er Jesus sein Leben übergab. Es gibt zu denken, dass dieser wichtigste Sieg seines Lebens in keiner einzigen großen deutschen (Sport-)Medienplattform eine Rolle spielt[vii].

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[i] https://www.sportschau.de/rugby/rugby-wm-finale-suedafrika-neuseeland-100.html

[ii] Ein großartiger Bericht zu Rugbyspielern beim World Cup 2023 in Frankreich, die Christen sind,  findet sich hier: https://www.premierchristianity.com/opinion/the-christian-faith-of-the-players-and-teams-at-the-rugby-world-cup/16533.article

[iii] https://www.eternitynews.com.au/world/i-decided-to-lose-my-life-and-find-it-in-christ/

[iv] Der erste dunkelhäutige Spieler war Errol George Tobias (1981-1984), der zweite Avril Percy Williams (1984).

[v] Über diesen historischen Titelgewinn nach Ende der Apartheidpolitik gibt es den interessanten Film „Invictus“ von Clint Eastwood mit Morgan Freeman in Rolle als Nelson Mandela und Matt Damon als Teamkapitän Francois Pienaar.

[vi] https://sportgomag.com/discovering-the-saving-power-of-christ-siya-kolisi/

[vii]  … jedoch in vielen englischsprachigen (Sport-)plattformen eindeutig thematisiert wird.

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