„Menschen haben nie Dinos gesehen. Unser Wissen über Dinos erwerben wir uns über die Knochen, die wir von ihnen finden.[i]“ So oder ähnlich kann man es in vielen populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen lesen. Doch ist das richtig? In Gottes Wort im Buch Hiob findet sich die Beschreibung von gleich zwei sehr großen Tieren – dem Leviatan und dem Behemot (Hiob 40,15). Ist es möglich, dass dort ein Dinosaurier beschrieben ist?
Über die Verfassungszeit des Hiob Buches gibt es unterschiedliche Angaben. Manche Kommentatoren ordnen es aufgrund verschiedener Textstellen im Buch in die Zeit der Richter ein (1420 v.Chr. – 1117 v.Chr.) während andere im Buch Hinweise darauf finden, dass das Buch deutlich älter ist und in die Zeit Abrahams (1996 v.Chr. – 1821 v.Chr.) eingeordnet werden muss. Bischoff Ussher (Annalen der Welt) verortet es um das Jahr 1635 v.Chr., dem Todesjahr Josephs (in Ägypten)[ii]. Unabhängig von der zeitlichen Einordnung, werden viele sagen, dass die Textstelle in Hiob 40 mit Sicherheit keinen der längst ausgestorbenen Dinosaurier beschreibt.
So wird der Behemot im Buch Hiob beschrieben:
Siehe da den Behemot, den ich geschaffen habe wie auch dich! Er frisst Gras wie ein Rind. 16 Siehe, welch eine Kraft ist in seinen Lenden und welch eine Stärke in den Muskeln seines Bauchs! 17 Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder; die Sehnen seiner Schenkel sind dicht geflochten. 18 Seine Knochen sind wie eherne Röhren, seine Gebeine wie eiserne Stäbe. 19 Er ist das erste der Werke Gottes; der ihn gemacht hat, gab ihm sein Schwert. 20 Denn die Berge bringen ihm Tribut, und alle wilden Tiere spielen dort. 21 Er liegt unter Lotosbüschen, im Rohr und im Schlamm verborgen.
Hiob 40: 15-21 (Luther 2017)
Der Abschnitt beschreibt ein großes, starkes Tier und seinen Lebensraum. Die Übersetzung des Wortes |Behemot| (בְ֖הֵמוֹת) lautet „gewaltiges Ungetüm“ und wird als „das erste der Werke Gottes“ beschrieben; dies könnte bedeuten, dass es das größte von Gott geschaffene Tier ist.
Aufgrund der Beschreibung hört man immer wieder, dass der Behemot ein mythologisches Tier sei, mit dem die Macht Gottes verdeutlicht werden soll. Dieser Einwand wird dadurch widerlegt, dass in Kapitel 38 und 39 bis heute bekannte und lebende Tiere (Ibis, Hahn, Löwen, Raben, Gämsen, Hirschkühe, Strauße, Pferde, Habicht) beschrieben werden[iii]. Gott beschreibt Hiob die hervorstechendsten Eigenschaften dieser Tiere, um ihm zu zeigen, wie mächtig ER ist. Es ist nicht plausibel, dass er im Anschluss Tiere (Behemot und Leviatan) beschreibt, die Hiob nicht kennt und Hiob keinen Anlass geben Gottes Größe und Macht zu erkennen.

In manchen Anmerkungen in den modernen Übersetzungen liest man auch, dass Behemot ein riesiger Elefant oder Nilpferd war. Dagegen ist einzuwenden, dass sich der Schwanz des Behemots „streckt wie eine Zeder“ (Hiob 40:17). Die Zeder ist ein großer und mächtiger Baum, die Schwänze der Elefanten und Nilpferde passen nicht zu dieser Beschreibung. Allerdings kennen wir Skelette von Tieren, deren Schwänze groß und mächtig waren: Die Sauropoden. Manchmal hört man den Einwand, dass |Rüssel| die bessere Übersetzung für Schwanz sei, doch dagegen spricht, dass in Vers 24 die Nase des Behemot beschrieben wird, durch die man „keinen Strick ziehen kann.“ Es ist nicht plausibel, dass das Tier einen Rüssel und eine (zweite) Nase hat.

Dazu passt auch nicht die Beschreibung des Lebensraumes: Während Elefanten in trockenen Gebieten leben und sich tagsüber im Schatten der Bäume aufhalten, verbringt Behemot seinen Tag im Sumpf. Deshalb wurde auch schon vorgeschlagen, dass der Behemot ein großes Nilpferd sei. Wie beim Elefanten passt die Beschreibung des Schwanzes nicht auf das Tier, dazu verbrinen Nilpferde ihren Tag im tiefen Wasser (damit ihre Haut nicht austrocknet), während der Behemot in Ufernähe bleibt (Hiob 40:22 „die Bachweiden umgeben ihn“).
Die Vorschläge Behemot als Elefant oder Nilpferd zu beschreiben, geht in das Mittelalter zurück, als noch keine Funde von riesigen Knochen von gewaltigen Tieren bekannt waren[iv]. Für die damals lebenden Menschen waren dies die größten, bekannten Tiere und deshalb eine gute Erklärung für diese Beschreibungen.

Kein lebendes Tier passt auf die Beschreibung des Behemot. Die Beschreibung des Schwanzes als eine mächtige Zeder deutet darauf hin, dass der Behemot ein gewaltiges Tier war, dass nicht mehr bekannt ist, da es ausstarb. Einige der jetzt wieder bekannten, ausgestorbenen Sauropoden sind nach aktuellem Wissenstand eine mögliche Erklärung für die Beschreibung des Tieres in Hiob 40.
6 Und der HERR antwortete Hiob aus dem Sturm und sprach: 7 Gürte wie ein Mann deine Lenden! Ich will dich fragen; lehre mich! 8 Willst du mein Urteil zunichtemachen und mich schuldig sprechen, dass du recht behältst?
Hiob 40: 6-8
Dieser Artikel beruht auf einer Studie von Allan Steel. Er erwarb seinen BA (Hons) und die Universitätsmedaille in Reiner Mathematik von der Sydney University. Er forschte für 15 Jahre in Reiner Mathematik und Computerwissenschaften (Computer Algebra, Kryptografie). Er spricht Englisch, Französisch, Deutsch, Hebräisch, Griechisch und Latein, und kann sich in weiteren europäischen Sprachen verständigen. In seiner Freizeit studierte er die Geschichte und Etymologie verschiedener Indo-Germanischer Sprachen, insbesondere in Englisch. Er studierte die Bibel in ihren Ursprachen Hebräisch und Griechisch für 20 Jahre. Allan hat mehrere Artikel im fachredigierten (peer reviewed) Journal of Creation veröffentlicht.
[i] Paläontologen und Anatomiker analysieren Knochen und rekonstruieren daraus das Skelett. Aus den Knochen sind sichere Aussagen zu Blutkreislauf und Weichteilen nur in einem gewissen Umfang möglich. Eine Diskussion der Schlussfolgerung muss immer gegeben sein. Absolute Aussagen sind dabei zu vermeiden.
[ii] Hodge, B.: Tower of Babel. Masterbooks, Green Forest. 2014. S. 253 – 263.
[iii] Dazu ist auch anzumerken, dass die Kapiteltrennungen, die wir kennen, im Urtext nicht vorhanden sind und diese Kapitel eine Einheit der Reden Gottes darstellen.
[iv] Steel, A: Could Behemoth have been a dinosaur? (https://creation.com/could-behemoth-have-been-a-dinosaur) 21.10.2023
