Bettler und Königskind

Am Jugendsonntag (02. Juli 2023) hielt uns KM, Kirchengemeinderätin und Leiterin des Kinder- und Familienzentrums eine Predigt unter dem Titel „Angenommen – Geliebt – Durch Gnade befreit“.

„Ein Bettler und ein Königskind stellen sich vor:

Ich bin ein Bettler.

Stehe hier mit meinem Teller und hoffe auf ein paar Münzen oder etwas zu essen.

Als Bettler kann ich mir nichts leisten, kann keine großen Sprünge machen, bin froh, wenn ich abends nicht mit knurrendem Magen schlafen muss.

Ich bin angewiesen auf andere. Wenn mir niemand etwas gibt, habe ich nichts.

Wie gerne würde ich Neues entdecken, mal irgendwo hinfahren, neue Wege gehen, doch ich kann es nicht.

Ich fühle mich gefangen in meiner Armut, wie in einem Gefängnis, aus dem ich nicht ausbrechen kann. Wenn doch nur jemand kommen würde und mich aus dieser Situation herausholen würde! Ich sehne mich nach Leben in Freiheit!

Ich bin ein Königskind.

Mein Vater ist König. Bei ihm fühle ich mich sicher und geborgen.

Er hat so viel Kraft und Macht. Was er sagt, muss geschehen.

Doch obwohl er so mächtig ist, hat er immer Zeit für mich.

Am liebsten sitze ich auf seinem Schoß und erzähle meinem Papa, was ich erlebt habe und wie es mir geht.

Er versteht mich. Er nimmt mich in seine Arme und tröstet mich, wenn ich traurig bin. Ich fühle mich sehr geliebt von ihm.

Ich muss mir keine Sorgen machen, weil mein Vater, der König, mich mit allem versorgt, was ich brauche. Ich erlebe eine große Freiheit. Ja, ich bin jetzt schon reich, und als Kind des Königs bin ich rechtmäßiger Erbe und werde einmal sein Reich erben.

Zwei ganz unterschiedliche Lebenssituationen: Der Bettler und das Königskind.

Auf welcher Seite willst du stehen? Auf der Seite des Bettlers oder auf der Seite des Königskindes?

Klar, wir wollen alle hier stehen (beim Königskind), wollen Reichtum und Freiheit genießen, uns sicher fühlen, Liebe spüren, einen mächtigen Vater und ein großes Erbe haben.

Als Martin Luther im Februar 1546 starb, fand man auf seinem Schreibtisch einen letzten Satz, den er kurz vor seinem Tod geschrieben hat: „Wir sind Bettler, das ist wahr.“

Luther erkannte: Wir sind arme Menschen. Wir haben nichts, womit wir vor Gott bestehen könnten. Was Gutes geworden ist im Leben, war Gottes Geschenk. Wir können ihm nichts geben, wir können nur dankend empfangen. „Wir sind Bettler, das ist wahr.“

Wir stehen also auf dieser Seite. (Bettler)

Ich kann mir vorstellen, dass der Bettler am liebsten auf die andere Seite wechseln würde. Und wie schön wäre es, wenn er sein Gewand gegen die Krone und ein königliches Gewand eintauschen könnte! 

Sicher kennen Viele das Tauschspiel, das man immer wieder in der Jungschar spielt: Man bekommt einen Gegenstand und klingelt an den Häusern im Ort, um dafür etwas Wertvolleres einzutauschen. Die Jungscharkinder tauschen so lange, bis sie denken, das Wertvollste zu haben. Ja, mit Gegenständen zu tauschen, ist nicht schwer. Aber wie ist es mit unserem Leben? Können wir unser Leben tauschen? In ein besseres Leben switchen? Geht das?

Jesus hat das gemacht. Aber anders herum: Er war der Königssohn. Er hatte alle Vorteile im Himmel bei seinem Vater, dem König. In Philipper 2,6-8 lesen wir, wie Jesus dieses herrliche Leben eingetauscht hat:

„Obwohl er Gott war, bestand er (Jesus) nicht auf seinen göttlichen Rechten. Er verzichtete auf alles; er nahm die niedrige Stellung eines Dieners an und wurde als Mensch geboren und als solcher erkannt. Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis zum Tod, indem er wie ein Verbrecher am Kreuz starb.“

Wir lesen das so, wie wenn es ganz normal wäre, was Jesus da gemacht hat. Aber stellt euch mal vor: Der Königssohn verzichtet auf alles, verlässt die Herrlichkeit, die Sicherheit und Geborgenheit bei seinem Vater, erniedrigt sich, wird ein Diener / ein Sklave und stirbt einen grausamen Tod wie ein Verbrecher.

Jesus wurde ein Obdachloser. Er sagt selber in Matthäus 8,20:

„Füchse haben ihren Bau, und Vögel haben ihre Nester, aber der Menschensohn (damit meinte er sich selbst) hat keinen Ort, wo er sich hinlegen kann.“

Jesus hatte kein Zuhause, als er auf dieser Erde war, kein Haus, keine Familie, die ihm Geborgenheit gab, kein Einkommen.

Vom Königssohn zum Bettler – ein sehr schlechter Tausch! Obwohl Jesus reich war, wurde er arm – bettelarm.

Warum?

2. Korinther 8,9 gibt uns eine klare Antwort:

„Denn ihr kennt die GNADE unseres HERRN Jesus Christus: Obwohl er reich war, wurde er um euretwillen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.“

Jesus wurde arm, damit wir reich werden, du und ich, jeder von uns.

Martin Luther spricht hier vom „fröhlichen Tausch“ oder vom „fröhlichen Wechsel“. Und genau das ist es: Jesus wurde arm, damit ich reich werde. Ich, Bettler, kann nun die Seite wechseln. Ich kann Königskind werden! Wow – das ist doch genial!

Und wisst Ihr was? Nicht durch meine Leistung oder meine Anstrengung kann ich diesen Wechsel vollziehen. Ich kann mich noch so sehr bemühen, ein gutes Leben zu führen oder ein vorbildlicher Christ zu sein, das bringt mich nicht auf die Seite des Königs. Der Wechsel gelingt auch nicht durch irgendwelche Pluspunkte, die ich bei Gott ansammeln will, sondern allein durch GNADE.

Ich lese noch einmal 2. Korinther 8,9:Denn ihr kennt die GNADE unseres HERRN Jesus Christus:  Obwohl er reich war, wurde er um euretwillen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.“

Die GNADE. Was ist Gnade?

Stellt euch vor: Ein Schwerverbrecher sitzt in der Todeszelle und wartet auf die Hinrichtung. Er ist sich bewusst, dass seine Strafe gerecht ist und er seine Schuld sühnen muss. Doch furchtbare Angst plagt ihn.  

Da kommt jemand zu ihm ins Gefängnis, in seine Zelle und sagt: „Du bist frei, die Tür ist offen. Ich nehme deinen Platz ein. Ich werde für dich sterben und deine Schuld sühnen.“ Das ist Gnade – ein unverdientes Geschenk.

Und was macht man mit einem Geschenk? Annehmen, DANKE sagen und auspacken!

Wenn unser Verbrecher frei sein will, kann er dieses riesengroße, unverdiente Geschenk annehmen und sagen: „DANKE für deinen stellvertretenden Tod. Ich hätte die Strafe verdient, aber du nimmst alles auf dich, obwohl du schuldlos bist.“

So ist es bei Jesus. Er starb stellvertretend für dich und für mich. Jesus gab sein Leben als Preis für diesen Tauschhandel. Jetzt kannst du den fröhlichen Wechsel erleben, vom Bettler / Todeskandidaten zum Königskind. Das ist GNADE.

Wir haben alle den Tod verdient. Vor dem allmächtigen Gott können wir nicht bestehen. Im Römerbrief, Kapitel 6,23 steht es ganz klar:

„Der Lohn der Sünde ist der Tod; das unverdiente Geschenk Gottes dagegen ist das ewige Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“

Wir können uns dieses Geschenk nicht verdienen, wir können es nur annehmen. Ich möchte dich heute ermutigen und einladen: Nimm dieses Geschenk von Jesus an. Du kannst ganz einfach zu ihm sagen: „Jesus, ich danke dir, dass du für mich gestorben bist, damit ich leben kann. Du hast für meine Schuld mit deinem Blut bezahlt, damit ich frei sein kann. Ich will auf deiner Seite stehen und ein Königskind werden.“

Seine Gnade verändert dein Leben komplett. Was verändert sich?

Ich möchte drei kurze Punkte nennen:

1) Du bist angenommen.

Von Gott, dem König aller Könige. Er adoptiert dich als sein Kind. Du gehörst in seine große Familie. Christen in der ganzen Welt sind deine Schwestern und Brüder. Als Königskind hast du Anteil am Erbe, denn die Adoption macht dich zum rechtmäßigen Erben.

Wenn dein Leben hier auf Erden zu Ende gehen wird, hat der Tod keine Macht über dich. Er ist nur der Durchgang zum ewigen Leben in Gottes königlicher Herrlichkeit. Dort wird es kein Leid mehr geben, keine Krankheit, keine Tränen. Du wirst Jesus von Angesicht zu Angesicht sehen. Liebe, Frieden und Freude werden dich erfüllen. Der erste Punkt ist also: Du bist angenommen / adoptiert als Königskind.

2) Du bist geliebt.

Und zwar jetzt schon, nicht erst in der Ewigkeit. Wir Menschen sind alle auf der Suche nach Liebe. Wir sehnen uns danach, geliebt zu werden, so wie wir sind und nicht nur, wenn wir eine tolle Leistung vollbracht haben. Ja, menschliche Liebe ist oft an Bedingungen geknüpft: (Ich liebe dich, weil …, ich liebe dich, wenn…,) Deshalb werden wir immer wieder von Menschen enttäuscht.

Wie anders ist die Liebe von unserem himmlischen Vater: Er liebt uns bedingungslos, einfach, weil wir sind und nicht, weil wir etwas Besonderes vorweisen können. Durch unser Verhalten können wir Gott nicht dazu bringen, dass er uns mehr oder weniger liebt. Er liebt uns pur. Seine Liebe ist unendlich, denn Gott hat nicht Liebe, sondern er ist die Liebe. Er hat nicht einen Liebestank, der irgendwann mal leer ist, sondern er ist die Liebesquelle, die nie versiegt.

Du bist geliebt, so wie du bist! Lass dich von ihm lieben! Was verändert sich also, wenn du ein Königskind wirst? (1) Du bist angenommen, (2) du bist geliebt und

3) Du bist durch Gnade befreit.

Gnade – das unverdiente Geschenk, hab ich schon ein wenig erklärt. Das lateinische Wort für Gnade heißt gratia. Davon ist unser Wort gratis abgeleitet. Die Gnade gibt es umsonst.

Für Martin Luther war Gnade ein großes Lebensthema. Er hat sich als Mönch extrem angestrengt, Gott zu gefallen. Seine Versuche, ein vollkommener Mensch zu werden, haben ihn in die Verzweiflung getrieben. Er musste erkennen: Das schaffe ich nicht. Ich werde immer unvollkommen bleiben. Wie befreiend war es für Luther, als ihm deutlich wurde: Das, was ich selbst nicht schaffe, hat Jesus für mich getan! Er schenkt mir seine Gnade. Ich kann ihm meine Schuld, mein Versagen bekennen und auf seine Vergebung vertrauen. Jesus ermöglicht mir den fröhlichen Wechsel. Das befreit.

Ja, Jesus will uns in die Freiheit führen.

Vielleicht denkst du, dir wird deine Freiheit genommen, wenn du ganz mit Jesus lebst und ihm dein Leben gibst. Grade als Jugendlicher hast du vielleicht Angst, Gottes Gebote würden dein Leben einschränken und dir die Freiheit rauben. Aber ich will dir sagen: Das Gegenteil geschieht: Nirgends erlebst du so viel Freiheit wie in der Verbindung mit Jesus.

Jesus sagt in Johannes 8,32:

„Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“

Johannes 8:32

Jesus ist die Wahrheit.

Er will dich befreien von deiner Schuld, von deinen Ängsten, von deinen Sorgen, von Süchten, die dich gefangen halten, von Minderwertigkeitsgefühlen, von Stolz und Neid.

Jesus will dich befreien von dem Zwang, perfekt sein zu wollen oder von dem Druck, es den anderen recht machen zu müssen. Jesus will dich befreien, eigene Fehler einzugestehen und deinen Mitmenschen großzügig zu vergeben. In der Verbindung mit Jesus kannst du Freiheit erleben!

Lass dich auf den fröhlichen Wechsel ein. Probiere es aus! Komm zu Jesus. Gib ihm dein Bettler-Gewand, er schenkt dir die Königskrone. Dein Leben wird reich, denn durch Jesus bist du von Gott, dem König aller Könige, (1) angenommen, als sein Kind adoptiert und rechtmäßiger Erbe. (2) Du bist unendlich geliebt und wertgeschätzt, unabhängig von deiner Leistung. (3) Und du bist durch das Riesengeschenk der Gnade befreit.

Gibt es etwas Besseres?

Im Lied, das wir jetzt mit dem Chor singen, kommt dies nochmal zum Ausdruck: Wir wollen diesen Gott feiern, der Gefängnistüren öffnet und uns in die Freiheit führt.  Im Text heißt es: „Wir waren Bettler, sind nun königlich, waren gefangen, sind nun frei durch dich, sind angenommen, geliebt und durch Gnade befreit, dieses Haus soll voll Lobpreis sein.“ Wenn wir den fröhlichen Wechsel erlebt haben, können wir nicht schweigen. Die Freude und der Dank sprudeln aus uns heraus. Wir wollen es allen sagen, damit noch viele Menschen zu Königskindern werden! Amen.

Wir waren Bettler, sind nun königlich, waren gefangen, sind nun frei durch dich, sind angenommen, geliebt und durch Gnade befreit, dieses Haus soll voll Lobpreis sein.