Gott ist heilig

„Wie sieht es im Himmel aus?“ – Oft wird diese Frage mit einer Art Ortsbeschreibung beantwortet. Es sieht so und so aus und wir treffen diese und jene Menschen. Dabei wird der wichtigste Aspekt des Himmels übersehen: Dort herrscht der lebendige Gott. Gottes Wort, die Bibel, lässt uns darüber nicht im Unklaren. Im Himmel loben und preisen die Engel den lebendigen Gott unaufhörlich: „Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt.“ Gott, der Allmächtige sitzt auf dem Thron und die ihm begegnen fallen vor ihm nieder (Offenbarung 4:8) genauso wie Hesekiel bei seinen Begegnungen mit der Herrlichkeit Gottes auf „sein Angesicht“ niederfiel[i]. Die Begegnung mit Gott, dem Allmächtigen zwingt uns auf unsere Knie und lässt uns auf unser Angesicht fallen, dies ist das Zeugnis des Wortes Gottes.

Gott ist heilig, seine Heiligkeit zwingt Personen, die ihm begegnen auf die Knie oder auf ihr „Angesicht“. Doch was heißt das – heilig?

Heilig kann man mit „abgesondert“ oder „ausgesondert“ wiedergeben. Wird etwas ausgesondert oder abgesondert wird es im wörtlichen Sinn geheiligt. Gott sagt dem Volk Israel: „Darum sollt ihr mir heilig sein; denn ich, der HERR, bin heilig, ich habe euch abgesondert von den Völkern, dass ihr mein wäret.“ (3 Mose 20:25). Ein Aspekt dieser Absonderung ist, dass es sich von allem anderen durch seine Vortrefflichkeit abhebt und herausragt. 

Die Heiligkeit Gottes ist nicht nur diese Absonderung. Gottes Heiligkeit ist überweltlich, überschreitet die gewöhnlichen Grenzen und geht weit über unsere Grenzen hinaus. Gottes Heiligkeit beschreibt seine uns absolute Überlegenheit und seine absolute Großartigkeit. Nichts in dieser Welt kommt seiner Allmächtigkeit auch nur Nahe. Heiligkeit beschriebt Gottes verzehrende Majestät, seine überragende Erhabenheit.

„Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt.“

Offenbarung 4:8

Wenn Gott in seinem Wort heilig genannt wird, bedeutet das, dass er absolut nicht von dieser Welt ist, seine Heiligkeit stellt ihn so weit über uns, dass er uns beinahe vollständig fremd ist. Heilig zu sein heißt, Besonders auf eine ganz besondere Art zu sein.

Oft verwenden wir das Wort „heilig“ als ein ganz gewöhnliches Eigenschaftswort, wir verwenden es zur Beschreibung von Gottes Charakter. Wir sagen, dass Gott Geist ist, allwissend, liebend, gerecht, gnädig und barmherzig (und weitere Charaktereigenschaften Gottes) und heilig wird in diese Liste mitaufgenommen. Doch heilig beinhaltet alle diese Eigenschaftswörter, heilig ist ein Synonym für Seine Göttlichkeit. Gottes Geist ist heilig, seine Weisheit ist heilig, seine Liebe ist heilig, seine Gerechtigkeit ist heilig, seine Gnade ist heilig.

Fügen wir zu allen diesen Eigenschaften heilig sehen wir gleich, dass wir nicht mit Gott mithalten können. Wir sind Gott in allen diesen Punkten unterlegen: Sein Wissen und seine Weisheit übertreffen unser Wissen bei weitem, seine Liebe brachte ihn dazu sein Leben für uns zu geben als wir noch Feinde waren (Römer 5:10), seine Gerechtigkeit verlangt den Tod für alle Sünden und seine Gnade gilt allen, die an seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung glauben (Johannes 3: 15-16).

Gottes Heiligkeit überwältigt uns. Jeremia schildert seine Erfahrungen mit Gottes Heiligkeit (Kapitel 20). Schon vor seiner Geburt wurde Jeremia von Gott ausgewählt „zum Propheten für die Völker“ (Jeremia 1:4-5) Diese Aufgabe war für Jeremia immer schwer, er wollte aufgeben, doch er konnte nicht: „HERR, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen […].“ Wenn wir Gott begegnen gibt es nur eine Antwort: Die Kapitulation vor Seiner Heiligkeit. Begegnen wir dem heiligen Gott, unserem Schöpfer, werden wir uns unseres geschaffen-Seins und unserer Endlichkeit bewusst.

Gerne wären wir wie Gott, und könnten selbst entscheiden, was Gut und Böse ist. Dies sind die falschen Versprechen der ersten berichteten Lüge: „Und ihr werdet sein wie Gott.“ (1 Mose 3:5). Doch weder wurden wir wie Gott, noch sind wir unfehlbar und unsterblich. Und diese Erkenntnis macht uns Angst: Eines Tages werden wir alle sterben und wir versuchen diese Tatsache zu verdrängen. Doch dieses Grauen ist nicht zu vergleichen mit der Furcht vor der Heiligkeit Gottes. Gott ist zu überwältigend für uns, Er ist zu ehrfurchtgebietend. Begegnen wir Ihm bangen und beben wir.

In Matthäus 14:22-33 wird berichtet, wie aus diesem Grauen vor dem Tod Gottesfurcht wird. Die Jünger sind mitten in der Nacht in einem Sturm und in Gefahr, ihr Leben zu verlieren. Sie kämpfen bis zum Morgen mit dem Wind und den Wellen, als Jesus über das Wasser zu Ihnen kommt. Nachdem Jesus Petrus aus den Wellen rettet und ins Boot steigt, fallen die Jünger vor ihm nieder und erkennen: „Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!“

Die Jünger sahen Gott, den Sohn in seiner menschlichen Form und erkannten seine Heiligkeit (auch wenn Ihnen dies selten klar war[ii]). Doch es kommt die Zeit, wenn wir Ihn so erkennen, wie er ist. Dieses Versprechen haben wir: „[…] denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ (1 Johannes 3:2). Eines Tages werden wir den heiligen Gott persönlich sehen, wir werden Ihn in Seiner reinen, göttlichen Wesensart sehen.

Bevor uns dies möglich ist, müssen wir gereinigt und geheiligt werden. Jesus lehrte in einer Predigt: „Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.“ (Matthäus 5:8). Auf dieser Erde wird unser Herz nie vollständig rein sein. Gottes Wort fordert uns auf, „[dem Frieden mit jedermann nachzujagen] und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird“ (Hebräer 12:14), wir sollen hier und heute damit beginnen. Und wenn wir dann im Himmel in der Ewigkeit durch Jesus geheiligt und gereinigt sind, können wir endlich Gott in seiner Heiligkeit und Herrlichkeit von Angesicht zu Angesicht sehen (Offenbarung 22:14).


[i] Hesekiel 1:28/ 3:23/ 43:3. Siehe auch: Josua 5:14; Matthäus 26:39: Vor seiner Gefangennahme in Gethsemane fällt Jesus „nieder auf sein Angesicht und betet: „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!“

[ii] Johannes 14:8-12

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